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8. Mai 2013 17:53 
Rüstungsexport nach Indonesien Schwere Panzer, leichte Zweifel, großes Geschäft 
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Deutschland liefert mehr als 150 Panzer nach Indonesien - und geht mit dem 
Geschäft intransparenter um als die Regierung in Jakarta. Während 
Menschenrechtler von einem "falschen Signal" sprechen, fragen sich 
Sicherheitsexperten in Südostasien: Warum braucht ein Insel- und Regenwaldstaat 
ausgerechnet Panzer, die für das offene Feld ausgelegt sind? 

Von Johannes Kuhn 
Susilo Bambang Yudhoyono bezeichnet sich selbst gerne als "offenen 
Präsidenten". Seine Rolle erfüllt er manchmal mit allzu großem Elan - auch zum 
Leidwesen der deutschen Kanzlerin. "Was wir noch nicht alleine herstellen 
können, müssen wir von anderen Ländern kaufen, von freundlichen Staaten. Zum 
Beispiel aus Europa, England, Amerika, Australien und jetzt aus Deutschland", 
erklärte das indonesische Staatsoberhaupt im Juli 2012 bei einer gemeinsamen 
Pressekonferenz mit Angela Merkel freiheraus.

Wahrscheinlich ahnte "SBY" zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihm ein 
diplomatischer Fauxpas unterlaufen war, galt das Thema Panzerexport in 
Deutschland doch als heikel: Im Vorfeld der Reise nach Jakarta hatte die 
Bundesregierung immer wieder betont, dass es bei dem Besuch nicht um 
Rüstungsgeschäfte gehen werde und "Rüstungsausgaben nicht so sehr im 
Mittelpunkt des indonesischen Interesses" ständen - obwohl die Medien des 
südostasiatischen Landes bereits seit Wochen über das Thema berichtet hatten. 
Nur fünf Tage nach dem Zusammentreffen erteilte das Repräsentantenhaus in 
Jakarta seine Zustimmung zum Kauf deutscher Kampfpanzer des Typs Leopard 2.

Offene Indonesier, verschwiegene Deutsche - diese bizarre Rollenaufteilung 
prägt das Geschäft, das dem Militärkonzern Rheinmetall mehrere hundert 
Millionen Euro Umsatz bringen soll. Während Indonesiens Regierung den Einkauf 
der 104 Leopard-Kriegsfahrzeuge und die Aufstockung der Order um 50 weitere 
Schützenpanzer des Typs "Marder 1A2" im Herbst 2012 selbst verkündete, erfährt 
die deutsche Öffentlichkeit erst jetzt offiziell von dem Deal. Die Zustimmung 
durch das geheim tagenden Sicherheitskabinett der Bundesregierung wurde nur 
durch die Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Katja Keul bekannt - 
Details wie die Frage, ob es sich wie erwartet um gebrauchte, aber 
modernisierte Bundeswehrpanzer handelt, werden dabei nicht beantwortet. 

Die Niederlande lehnten ab, Deutschland sagte ja
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Neben der fehlenden Transparenz stellt sich wie stets bei deutschen 
Rüstungsexporten die Frage nach den Menschenrechten: Zum politischen Grundsatz 
gehört es, dass das Sicherheitskabinett unter Führung der Kanzlerin Exporte an 
Länder ausschließt, "die sich in bewaffneten äußeren Konflikten befinden oder 
bei denen eine Gefahr für den Ausbruch solcher Konflikte besteht". Auch ein 
möglicher Einsatz zur Unterdrückung der eigenen Bevölkerung gilt als 
Ausschlusskriterium.

Ob Indonesien diesen Ansprüchen einhundert Prozent gerecht wird, darüber lässt 
sich streiten. Das niederländische Parlament lehnte 2011 einen Panzerdeal mit 
der ehemaligen Kolonie aus ethischen Gründen ab. Andreas Harsono, der die 
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) in Indonesien vertritt, 
kritisiert im Gespräch mit Süddeutsche.de, dass nun Deutschland eingesprungen 
ist: "Das sendet das völlig falsche Signal aus, dass nun alles in Ordnung ist."

Denn während die Bundesregierung Indonesien als Stabilitätsanker in Südostasien 
bezeichnet und den demokratischen Fortschritt lobt, fällt das HRW-Urteil 
ernüchternd aus: "Seit Susilo Bambang Yudhoyono 2004 an die Macht gekommen ist, 
hat sich nur wenig verbessert", sagt Harsono.

Regelmäßig werde von Übergriffen durch Sicherheitskräften und Militär 
berichtet, die ob schwacher Gesetze und einer allzu nachsichtigen Justiz nur 
selten geahndet werden. Vor allem im Konflikt zwischen der Regierung und den 
Separatisten in Westpapua kommt es demnach zu Menschenrechtsverletzungen. Die 
Verfolgung religiöser Minderheiten kritisierte im vergangenen Jahr auch 
Deutschland im UN-Menschenrechtsrat. Das Verbot von Folter im Militärkodex, dem 
Indonesien 2007 auf internationalen Druck zustimmte, ist noch immer nicht 
umgesetzt.

Da sich die Inselrepublik in den vergangenen Jahren insgesamt aber stabilisiert 
hat und Korruption ein größeres Problem als der Hang zum Autoritarismus 
darstellt, gilt ein Einsatz deutscher Panzer gegen die eigene Bevölkerung als 
derzeit unwahrscheinliches Szenario - eine Kontroverse wie bei der Diskussion 
um mögliche Waffenexporte nach Saudi-Arabien dürfte der Bundesregierung erspart 
bleiben.

Mit dem "Leo" durch den Dschungel?
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Der Leopard 2 in Aktion bei der Bundeswehr, hier auf einem Archivfoto. 
(Foto: dpa) 
Vor Ort diskutieren indonesische Sicherheitsexperten weniger über die 
humanitären Aspekte, als über den generellen Sinn des Kaufs. Die Panzer werden 
nach Informationen von Spiegel Online zwar für den Häuserkampf umgerüstet, doch 
Yohanes Sulaiman von der National Defense University in Jakarta hat Zweifel an 
deren Brauchbarkeit. "Die Modelle sind für Beton und freies Feld geeignet, doch 
die Inseln Indonesiens bestehen zum Großteil aus Dschungel", erklärt er.

Viele der Brücken im Land sind womöglich überhaupt nicht für die schweren 
Fahrzeuge ausgelegt und könnten unter dem Gewicht eines Leopard 2 einstürzen. 
Vor allem aber bestehen 70 Prozent des Territoriums ohnehin aus Meer. Sulaimans 
Fazit: "Dieser Kauf ist einfach nur unsinnig. Die Armee braucht etwas zum 
Vorzeigen, nachdem Malaysia schon Leopard-Panzer gekauft hat." Immerhin bei den 
traditionell pompösen Militärparaden dürften die Riesen-Kriegsfahrzeuge 
durchaus Eindruck machen.

Andere Kritiker weisen darauf hin, dass neben den Anschaffungs- auch hohe 
Folgekosten durch Wartung bei Panzern zu erwarten sind. Genau bei der 
Instandhaltung könnte Deutschland ansetzen, sollte sich Indonesien doch als 
weniger stabil und demokratisch erweisen: "Sobald Berlin davon hört, dass die 
Panzer in Indonesien gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden, sollte man 
schlicht keine Wartungshilfe mehr geben", fordert HRW-Mann Harsono. Dann 
könnten die Fahrzeuge in kurzer Zeit unbrauchbar werden.


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