ENDLICH schreibt jemand auch mal etwas über FRIEDRICH GEORG Jünger, und zwar ganz treffend - BRAVO !!!
Er geht ja sonst völlig unter - zu unrecht. Eine zusätzliche Empfehlung: seine wunderschönen Erzählungen. MfG Radu Pavalache --- "T. Wimbauer" <[email protected]> wrote: > > schöne grüße rundum! tobias wimbauer > www.waldgaenger.de > > > > (Alfred Goubran/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24. > 7. 2005) > > Ein Mensch des Maßhaltens > Die Erkenntnis ist immer Berührung. Eine Empfehlung > der Bücher von Friedrich Georg Jünger > > Dem Fortschrittlichen ist alles vorläufig. Es hat > keine Wurzeln und kann keine Wurzeln schlagen, weil > ihm jeder Aufenthalt nur Station ist, von der es > wieder ins "Neue", Ungekannte und zu Erforschende > aufbricht, sodass sein eigentliches Ziel und seine > Bestimmung das Unterwegssein ist. Das > Fortschrittliche hebt Bestimmungen und Grenzen auf, > auch dort, wo "im Namen des Fortschritts" neue > (vorläufige) Grenzen gezogen werden, weil es seinem > Wesen nach selbst grenzenlos ist. Es zerstört jede > Art von Bestand, um sich sein Unterwegssein zu > sichern. Wo einst Relationen herrschten, ist dem > Fortschrittlichen heute "alles relativ". > > Wem aber "alles relativ" ist, dem ist nicht zu > trauen. Oder wir sagen: "Er ist relativ > vertrauenswürdig", das heißt: bedingt, das heißt: > "unter gewissen Umständen." Also kommt es auf die > Umstände an. > > Wo dem Einzelnen im Fortschrittlichen Unglücksfälle > zustoßen, wo er scheitert, ist er immer ein Opfer > der Umstände (die vermeidbar sind). Wo er > erfolgreich ist, und nicht nur "Glück gehabt" hat, > verdankt er es meist seiner Geschicklichkeit, das > heißt: der Nutzung der Umstände, der optimalen > Anpassung an die Umstände. Das Fortschrittliche ist > ständig umstanden von Meinungen, Vorstellungen, > Traditionen und Bestehendem, die es zu überwinden > gilt. Anders als im Widerstand ist es gar nicht > denkbar. > > "Man kann immer etwas verbessern", sagt Friedrich > Georg Jünger, und gemeint ist, dass mit dem > Bessermachen noch nichts getan ist, vor allem nichts > "Neues", denn wenn wir die Verkehrswege verbessert > haben, die Gesetze und die Schulen und den Staat, > dann können wir mit dem Verbessern gleich wieder von > vorne anfangen und weiterverbessern ins Endlose. Das > Fortschrittliche kann aber immer nur am Verbessern > interessiert sein, weil es selbst nichts > hervorbringt. Das bleibt dem Schöpferischen und den > schöpferisch tätigen Menschen überlassen. > > "Auch hat der Begriff des Neuen", schreibt Friedrich > Georg Jünger, "der von der äußeren Relation > abgenommen wird, etwas Kindliches und Kindisches, > wie es denn für ein Kind in diesem Sinne mehr Neues > gibt als für einen Erwachsenen." Allgemein herrscht > der Eindruck, dass, wenn es keinen Fortschritt gäbe, > das Leben stagnieren, ja absterben würde. Dem > Fortschrittsgläubigen scheint der Sinn und Zweck > menschlichen Lebens darin zu liegen, in der > Entwicklung technischen Geräts zur Kontrolle des > Lebens und seiner Bedingungen immer weiter > fortzuschreiten, wobei die Erfüllung nicht in einem > Absoluten, in einem erreichbaren Ziel liegt, sondern > in dem Fortschreiten der Entwicklung per se. Damit > ist er aber schon in einer Sackgasse angelangt, > denn, wie die Praxis zeigt, schließt gerade dieser > Fortschritt Entwicklung aus, weil er das Neue, > Ungekannte gar nicht zulassen kann, wenn es nicht > zugleich den grenzenlosen Fortschritt garantiert. > > "Zu etwas Neuem", schreibt Friedrich Georg Jünger, > "komme ich dort, wo ich mein Verstehen zerbreche. > Daraus entsteht Nichtverstehen, aus dem Zerbrechen > des Nichtverstehens aber, wo immer es gelingt, immer > etwas Neues. Dieser ganze Vorgang aber spielt sich > in Gedächtnis und Erinnerung ab." Und weiter: "Von > der Wahrnehmung ist auszugehen. (. . .) Was ein > Pedant und Kleinigkeitskrämer verwahrt, kommt als > Pedanterie und Kram wieder. Ein solches Denken kann > nicht erwarten, daß ihm aus dem Gedachten und > Erinnerten etwas zukommt, das es nie verwahrt hat." > > Ist damit etwas "Neues" gesagt? Nein. Schon Martin > Heidegger schrieb in Der Ursprung des Kunstwerkes: > "Jedermann bemerkt leicht, daß wir uns im Kreise > bewegen. Der gewöhnliche Verstand fordert, daß > dieser Zirkel, weil er ein Verstoß gegen die Logik > ist, vermieden werde. Aber diesen Weg zu betreten ( > . . .) und auf ihm zu bleiben, ist das Fest des > Denkens." > > Also scheint es auch ein Leben jenseits des > "Fortschritts" zu geben, Entwicklung, die nicht > forciert ist und das Beständige nicht bedroht. Ich > sage das Beständige und nicht "das Bestehende" - > damit sind zum einen auch Bestände und Ressourcen > gemeint, die erschöpft und vernichtet werden, zum > anderen aber soll hier nicht der Stagnation, der > Erhaltung des Überkommenen und Hohlgewordenen das > Wort gesprochen werden. Das Fortschrittliche will > diesen Wandel, und es will ihn fortwährend. Das aber > ist unmöglich, und in der Realität sind wir längst > in dieser Sackgasse angelangt; dass unsere > Fortschrittskonzepte nichts taugen, sehen wir, und > dass ein Wandel notwendig, ja unumgänglich ist, > wissen wir. Aber wir müssen uns eingestehen, dass > unsere Mittel, unser Denken der > "Fortschrittlichkeit", nicht dazu taugen, diesen > Wandel herbeizuführen - auch wenn es noch zehn, > zwanzig Jahre dauern kann, bis das > "Fortschrittliche", das nichts hervorbringen kann > und nur von vorhandenen Ressourcen zehrt, diese > Ressourcen tatsächlich erschöpft hat. Deshalb ist > abzusehen, dass die Verteilungskämpfe härter werden, > dass sie auf Kosten des Menschen und der > Menschlichkeit gehen und jede Verbesserung nur in > jeweils neuen Anpassungen an die Umstände, die man > selbst verursacht hat, bestehen werden; also in > Rationierungen jeder erdenklichen Art und der > Verteilung und Umwälzung des Mangels auf immer > breitere Bevölkerungsschichten. > > Diese Folgen aber sind seit hundert Jahren bekannt > und beschrieben. Nicht zufällig wurden hier die > Namen Friedrich Georg Jünger und Martin Heidegger > genannt, andere wie etwa Romano Guardini ließen sich > hinzufügen, und alle sind sie "verdächtig", als > konservativ und politisch dem "rechten Lager" > zugerechnet zu werden. Dass sich deshalb ihre > Lektüre nicht lohnt, könnte aber nur einem > ausgemachten Ignoranten und Parteikopf einfallen, > besonders in der aktuellen Situation und vor dem > besprochenen Hintergrund. > > Von einem von ihnen, Friedrich Georg Jünger > (1898-1977), soll hier eingehender die Rede sein. > Meist genügt es schon zu erwähnen, dass er der > Bruder Ernst Jüngers war, um mit verächtlichen > Blicken gestraft zu werden (die Sippenhaftung war > noch nie überwunden). Besser Informierte werden ihm > vorhalten, dass er sich 1916 als Kriegsfreiwilliger > meldete (als Achtzehnjähriger) und 1926 sein erstes > Buch mit dem Titel Der Aufmarsch des Nationalismus > erschien sowie dass er in dieser Zeit einige Artikel > für nationalrevolutionäre (ja, das Nationale war > auch einmal revolutionär - man glaubt es kaum) > Zeitschriften verfasste. 1934 erschienen in Ernst > Niekischs Widerstands-Verlag mit großem Erfolg seine > "Gedichte". Ernst Niekisch (Ettikett: > Nationalbolschewist) wurde 1937 verhaftet und der > Verlag geschlossen. > > Friedrich Georg Jünger, im Ersten Weltkrieg schwer > verwundet, wird im Zweiten Weltkrieg nicht zur > Wehrmacht eingezogen und verbringt die Kriegsjahre > in ländlicher Abgeschiedenheit in Kirchhorst und > Überlingen. Zweimal wird er in diesen Jahren von der > Gestapo verhört. Als nach dem Krieg für jeden Autor > dessen politische Unbedenklichkeit durch den > Nachweis des Entnazifizierungsverfahrens erbracht > werden musste, gelingt das nicht ohne > Schwierigkeiten. Sein Verleger, Vittorio > Klostermann, schreibt: "Bei Friedrich Georg Jünger, > in den zwanziger Jahren bekannt wegen seiner > national-konservativen Haltung ( . . .) bedurfte es > umfänglicher, vom Verlag eingebrachter > gutachterlicher Stellungnahmen - z. B. des > Hinweises, dass er nicht der Reichsschrifttumskammer > angehört hatte -, bis der Veröffentlichung seiner > Werke zugestimmt wurde. Es war nicht leicht, den > Behörden 1945 inexplizite Widerstandshaltungen > während der Nazizeit zu verdeutlichen, wie sie etwa > in dem berühmten Gedicht "Der Mohn" und in seinem > Buch Die Perfektion der Technik enthalten sind." > > Die Perfektion der Technik gilt als Friedrich Georg > Jüngers wichtigstes Buch. Es hätte 1942 erscheinen > sollen, jedoch wurde einmal der bereits fertige Satz > und ein anderes Mal die gesamte gedruckte Auflage > bei einem Bombenangriff vernichtet. Es ist > mittlerweile in der siebten Auflage erschienen und - > seltsam genug - in seiner (Technik-)Kritik aktuell > wie kaum ein dieser Tage erscheinendes Buch. Der > Autor weist in diesem Buch darauf hin, "daß der > rationale und schließlich global-totalisierende > Einsatz der technischen Mittel irrationale Folgen > zeitigt, den Raubbau an der Natur ebenso wie den an > genuin menschlichen Qualitäten. (. . .) Der > technische Progress bedeutet zugleich eine > menschliche Regression (homo crepitans), der die > Wirtschaft und die Politik gleichermaßen vernichtet" > (Vittorio Klostermann). > > Wenn hier von Kritik die Rede ist, dann muss bemerkt > werden, === message truncated === ____________________________________________________ Start your day with Yahoo! - make it your home page http://www.yahoo.com/r/hs _______________________________________________ Juenger-list mailing list [email protected] http://www.pairlist.net/mailman/listinfo/juenger-list
