liebe jünger-freunde, zwar nicht 'direkt' jünger, aber doch nah dran. und als 
ergänzung zum dickleibigen briefwechsel gewiß von nutzen. schöne grüße rundum, 
tw


Junge Freiheit, Nr. 06/06 vom 03. Februar 2006 , S. 16 LITERATUR
 
 Erik Wasmund : „Geselle Dich zur kleinsten Schar“
 Zwei Bücher über den „deutschen Evola“ Friedrich Hielscher und seinen Kreis


Führt ein Weg vom „Nationalrevolutionär“ Friedrich Hielscher zum 
„Antideutschen“ Joschka Fischer? Nein, kein Weg, aber ein hauchdünner Faden. 
Unter Hielschers Anhängern waren nicht wenige Wanderer zwischen den politischen 
Welten, die sich nach 1945 sozialdemokratisch engagierten oder wenigstens die 
SPD wählten. Unter ihnen ein braves Forstmeister-Ehepaar, das, in der 
antikapitalistischen Tradition des Hielscher-Kreises handelnd, dem eigenen Sohn 
Unterschlupf gewährte, um ihn der Strafverfolgung zu entziehen, da er 
„gemeinsam mit Fischer“ Frankfurter Häuser besetzt hatte. 

Dieses Histörchen aus der Geschichte der „deutschen Ideologie“ (Marx/Engels) 
weiß Ina Schmidt in ihrer Biographie über den 1990 achtundachtzigjährig 
verstorbenen Friedrich Hielscher zu erzählen. Wie es der Zufall wollte, hat 
diese Zentralfigur der Konservativen Revolution nicht nur die Hamburger 
Doktorandin und mit spaßigem Kleinschrifttum („Die 
Matriarchats-Patriarchats-Geschlechteregalitätsdiskussion unter 
NationalsozialistInnen“) ausgewiesene Feministin angezogen, sondern 
gleichzeitig den an „religiösen und ethnischen Minderheiten sowie an den 
verborgenen Unterströmungen in der europäischen Ideengeschichte“ 
(Verlagswerbung) interessierten Mainzer Historiker Peter Bahn. Nimmt man noch 
den im vorigem Jahr veröffentlichten, von Ina Schmidt und ihrem Doktorvater 
Stefan Breuer edierten Briefwechsel des „Reichsideologen“ mit Ernst Jünger 
hinzu (JF 43/05), möchte man fast von einer Hielscher-Konjunktur sprechen. 

Dabei haben die Monographien von Schmidt und Bahn zunächst einmal gemeinsam, 
daß sie ein Segment politischer Ideengeschichte beleuchten, das abgetan ist. 
Hielscher, sein Werk, sein „Glaube“ und seine „Kirche“ sind allein von 
historisch-antiquarischem Belang. Bahn mag sich damit zwar weniger abfinden als 
Schmidt, aber die möglichen Anknüpfungspunkte, die er – an der „Schwelle des 
dritten Jahrtausends“ – aufzählt, werden von ihm selbst mit skeptischer 
Zurückhaltung präsentiert. Ob Hielscher als „Vordenker“ von „Ethnopluralismus 
und Regionalismus“ im 21. Jahrhundert die richtige Adresse ist, mag nicht 
allein deswegen bezweifelt werden, weil die von Bahn rekonstruierte bisherige 
Rezeptionsgeschichte abstoßend sektiererische Züge aufweist. 

Bahn arbeitet präziser als Schmidt heraus, daß Hielschers „Reichslehre“ mit 
ihren zahllosen Modifikationen selbst von extrem esoterischem, jede breitere 
Wirkung verhindernden Zuschnitt ist. Die „neuheidnische Suche jenseits von 
Christentum und Atheismus“ dürfte daher so wenig anschlußfähig sein wie seine 
„Zivilisationskritik im Zeitalter der Globalisierung“. Schon die von Hielscher 
1949 gegründete Unabhängige Freikirche, die auf jede Missions- und 
Werbetätigkeit verzichtete, kam nie über sechzig Anhänger hinaus, und konnte 
sich nach einer in solchen Zirkeln üblichen „Spaltung“ zuletzt in Hielschers 
Wohnzimmer versammeln. 

Der weit über die Grenzen gerade noch unterhaltsamer Skurrilität hinausgehende, 
von Bahn aufgezeigte Dogmatismus und Unfehlbarkeitsanspruch des zum „Absoluten 
und Unbedingten“ neigenden Sektenoberhaupts Hielscher tut ein übriges, um von 
jeder Aktualisierung dieser Ein-Mann-Weltanschauung abzuschrecken. Ein 
„deutscher Evola“, wie Bahn meint, mag Hielscher mit seiner intellektuellen 
Potenz vielleicht gewesen sein, aber vor Musealität schützt ihn das nicht. 

Der Hang zu sektenartiger „Kreis“-Bildung, das Goethesche „Geselle Dich zur 
kleinsten Schar“ als Leitmotiv religiös-weltanschaulicher Vergemeinschaftung, 
das elitäre Bewußtsein von „Menschen des unsichtbaren Kerns“, die einander 
„entdecken“ und die sich als Vorboten einer neuen „seelischen Seinsform“ 
verstehen, die das materialistische „Seelentum des Westens“ überwinden, werden 
von Bahn und Schmidt gleichermaßen in ihrer politischen Irrelevanz erkannt. 
Während Bahn den Schwerpunkt auf eine Phänomenologie des esoterischen Werkes 
legt, erfaßt Schmidt, die Hielschers „Glauben“ etwas hilflos mit der von ihrem 
Lehrer Breuer „ideologiekritisch“ aufbereiteten Religionssoziologie Max Webers 
zu Leibe rückt, viel gründlicher das gesamte, allein von freundschaftlichen und 
soweit die Ehefrauen einbezogen waren, auch verwandtschaftlichen Beziehungen 
geknüpfte Netzwerk des „Kreises“. 

Aufgrund zahlreicher persönlicher Befragungen hochbetagter Hielscher-Freunde, 
die Schmidt noch Mitte der neunziger Jahre durchführen konnte, bringt sie vor 
allem Licht in die teils nur legendär überlieferten Widerstands-Aktivitäten des 
kompromißlosen NS-Gegners Hielscher. Vor allem widerlegt sie Michael H. Katers 
Versuche, den Anteil von Wolfram Sievers am Widerstand des Hielscher-Kreises zu 
relativieren. Sievers, ein enger Hielscher-Anhänger und als Geschäftsführer des 
„Ahnenerbes“ der SS der einzige, der wie ein „trojanisches Pferd“ in eine 
Schlüsselstellung des NS-Regimes aufrückte, war ungeachtet seiner Verwicklung 
in tödliche Medizinerversuche, die ihn nach 1945 den Kopf kosteten, bis zuletzt 
ein „Diversant“. 

Diese Widerstandstätigkeit, die im wesentlichen Hilfe für Verfolgte war, die 
aber bei Hielscher selbst ins konspirative Umfeld des „20. Juli“ reichte, ist 
als eigentliche politische Wirkung des Kreises zu werten, während das Ende der 
Weimarer Republik von den als Atheisten und Materialisten verachteten 
pragmatischen „Realpolitikern“ der NSDAP mit herbeigeführt wurde – und nicht 
vom „Nationalrevolutionär“ Hielscher und seinen Gesinnungsfreunden unter der 
Fahne ihres primär religiös fundierten Glaubens an „das Reich“. 

  

Ina Schmidt: Der Herr des Feuers. Friedrich Hielscher und sein Kreis zwischen 
Heidentum, neuem Nationalismus und Widerstand gegen den Nationalsozialismus. 
SH-Verlag, Köln 2004, 335 Seiten, gebunden, Abbildungen, 29,80 Euro. 

Peter Bahn: Friedrich Hielscher 1902–1990. Einführung in Leben und Werk. 
Bublies-Verlag, Schnellbach 2005, 416 Seiten, 19,80 Euro.  

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