Schwäbische Zeitung, 11. April 2006 
http://www.szon.de/lokales/riedlingen/region/200604110256.html
Riedlingen

Jüngerskulptur steht am Weiher

HEILIGKREUZTAL/WILFLINGEN - Bereits zum achten Male hat der Freundeskreis der 
Brüder Ernst und Georg Jünger zu einem Symposion eingeladen. Ungefähr 160 
Teilnehmer aus ganz Europa waren nach Heiligkreuztal gereist, um sich ein 
Wochenende mit Ernst und Georg Jünger zu beschäftigen.

Von unserer Mitarbeiterin Mechtild Kniele

Abschluss des diesjährigen Symposions war die Enthüllung einer Jünger-Skulptur, 
die der Ertinger Bildhauer Gerold Jäggle geschaffen hat. Gemeinsam mit Georg 
Knapp vom Vorstand des Freundeskreises erzählte Gerold Jäggle die Entstehung 
des Kunstwerkes. Den Kunstbegriff im Lauf der Menschheitsgeschichte beleuchtete 
zunächst Georg Knapp - für Ernst Jünger war Kunst eine "Auferstehung in der 
Zeit", die den Mensch über die Endlichkeit hinwegzuheben vermag.

Gerold Jäggle hat bereits in den Jahren 1988/89 eine Porträtbüste Jüngers 
geschaffen, ein Auftragswerk von Baron Franz Schenk von Stauffenberg. Dem 
Porträt Jüngers folgte einige Jahre später eine kleine Skulptur "Auf subtiler 
Jagd", die ein Geburtstagsgeschenk war. Nun kam vom Freundeskreis die Idee, 
Ernst Jünger in Lebensgröße darzustellen und diese Statue am Wilflinger Weiher 
aufzustellen. Diesen hat Ernst Jünger häufig aufgesucht und sein letzter 
Spaziergang zu Lebzeiten führte ihn dorthin.

Aus vielen Schichten

Nachdem der genaue Standort ausgewählt worden war, nahm Jäggle in seinem 
Atelier in Ertingen die ersten Vorarbeiten vor, die er gemeinsam mit Georg 
Knapp mit vielen Fotos dokumentiert hat. Nicht möglich war es, die bereits 
bestehende kleine Skulptur "aufzublasen", denn der Betrachter nähert sich einem 
Bild anders, wenn es klein ist und von oben betrachtet wird, als wenn er ihm 
gegenübersteht. Dem Bronzeguss voraus geht eine Gipsfigur. Der Künstler hat 
hier die Möglichkeit aufzutragen und abzuschlagen, sodass er sich langsam der 
endgültigen Form nähern kann. "Wie ein Blätterteig" aus vielen Schichten 
entsteht die Gipsform, die dem späteren Bronzemodell entspricht. Zuvor muss 
eine Silikon-Negativ-Form gefertigt werden, diese wird mit Wachs ausgegossen, 
denn die Gussform aus Bronze ist innen hohl. Hände und Kopf hat Jäggle extra 
gegossen und erst später an den Torso angeschweißt.

Eine sehr bewegte Statue hat Gerold Jäggle entstehen lassen: Ein kurzer 
Ausschnitt aus einer längeren Bewegung ist festgehalten. Das Fernglas, welches 
Jünger in der Hand hält, wird zum Auge gehen. Auf dem Fernglas sitzt ein 
kleiner Strandlaufkäfer, passend zum "Entomolog", der gleichzeitig auch Bild 
ist für den Mikrokosmos.

Aufgestellt wurde die Statue, die auf einem Sockel aus Jurakalk steht, bereits 
am 29. März, dem 111. Geburtstag Jüngers. Gemeinsam mit Liselotte Jünger hat 
Gerold Jäggle in einer Feierstunde am Sonntag die Statue enthüllt, und Ernst 
Jünger blickt auf seinen geliebten Weiher in Wilflingen. Gerold Jäggle hat eine 
wunderbare lebendige Skulptur geschaffen, die Jüngers Haltung gegenüber der 
Natur deutlich macht.


-- 
Tobias Wimbauer / Wimbauer Buchversand
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