Liebe Jünger-Freunde, nachstehender Leserbrief von F.J. Krömer erscheint morgen in der FAZ. Beste Grüsse rundum, Ihr / Euer tw
Text: F.A.Z., 30.10.2007, Nr. 252 / Seite 8 Leserbrief Mit unmenschlichen Methoden dienen Helmuth Kiesels Leserbrief "Immer ein Blick für die Not der Massen" in der F.A.Z. vom 11. Oktober zu meinem Artikel "Nachbarn am Nichts" vom 2. Oktober über Ernst Jünger und José Ortega y Gasset bedarf einer Erwiderung. Um einem Missverständnis vorzubeugen: Es geht nicht darum, ob Ernst Jünger zu mitleidigen Regungen fähig war. Er attestiert sich selbst in den "Gärten und Straßen" (14. Juni 1940): "Für das Unglück habe ich doch stets ein Herz gehabt - wenn auch zu meinem Missgeschick immer für jenes, das nicht in Mode war." Strittig ist dagegen, ob schon im "Arbeiter" (1932), Jüngers Plädoyer für den totalen Staat, oder erst in seinen Schriften nach 1933 eine Mitleidsethik zum Tragen kommt. Helmuth Kiesel weist darauf hin, dass der "Arbeiter" eine technische Erschließung des Reichtums der Erde zugunsten aller Völker ankündigt. Insofern hat die von mir angegriffene Formulierung aus seiner Jünger-Biographie Berechtigung: das "unterschwellige Anliegen" des "Arbeiter"-Essays sei, "die mit Händen zu greifenden Nöte und Ungerechtigkeiten der Zeit mit technokratischen Mitteln zu beheben" (Seite 398). Zweierlei ist jedoch zu bedenken. Erstens: Jünger umreißt den "Arbeitsstaat" nicht als komfortablen Wohlfahrtsstaat. "Je zynischer, spartanischer, preußischer oder bolschewistischer im Übrigen das Leben geführt werden kann, desto besser wird es sein. . . . Es kommt nicht darauf an, diese Lebensführung zu verbessern, sondern darauf, ihr einen höchsten, entscheidenden Sinn zu verleihen" (Sämtliche Werke, Band 8, Seite 214 f.). Ziel der totalen Mobilmachung ist Herrschaft, "Erzeugung und Verteilung der Güter" gelten als "Fragen zweiten Ranges" (Seite 83). Zweitens: Auf den Einzelnen, der unter die Räder der Mobilmachung gerät, soll keine Rücksicht genommen werden. "Das tiefste Glück des Menschen besteht darin, dass er geopfert wird" (Seite 78). Die "Zustimmung selbst der Leidenden" (Seite 274) setzt Jünger voraus. In dieser Hinsicht ähnelt die Ethik des "Arbeiters" der Ethik von Brechts kurz zuvor verfasster "Maßnahme" (auch Kiesels Biographie zieht diesen Vergleich). Beide Schriftsteller wollen der Menschheit mit unmenschlichen Methoden dienen - wie es damals Mode war. Erst unter dem Eindruck des Dritten Reiches gibt Jünger diese Haltung auf. Sein Spruch, auf den Helmuth Kiesels Leserbrief anspielt: "Immer ein Auge für die Unglücklichen", ist in den "Strahlungen" unter dem 1. Januar 1943 notiert. Felix Johannes Krömer, Berlin -- Tobias Wimbauer | Wimbauer Buchversand Waldhof Tiefendorf Tiefendorfer Str. 66 58093 Hagen-Berchum 02334-502826 http://www.waldgaenger.de/fragebogen.html USt-IdNr.: DE251720280 unsere Angebote (ZVAB, AbeBooks, Amazon, Booklooker, Antbo, Antiquario, Antikbuch24, Guthschrift, Buchfreund und Allstores) finden Sie hier: http://www.waldgaenger.de/wimbauerbuchversand.html http://www.waldgaenger.de/tiefendorf.JPG einen Büchergruß an TW senden: http://www.amazon.de/gp/registry/IBSBOT1B0 Yahoo! Groups Links <*> Besuchen Sie Ihre Group im Web unter: http://de.groups.yahoo.com/group/juenger_org/ <*> Ihre Mail-Einstellungen: Einzelne Mails | Klassisch <*> Wenn Sie die Einstellungen online ändern möchten, gehen Sie zu: http://de.groups.yahoo.com/group/juenger_org/join (Yahoo!-ID erforderlich) <*> Zum Ändern der Einstellungen per Mail: mailto:[email protected] mailto:[email protected] <*> Um sich von der Group abzumelden, senden Sie eine Mail an: [email protected] <*> Mit der Nutzung von Yahoo! Groups akzeptieren Sie unsere: http://de.docs.yahoo.com/info/utos.html
