Liebe Jünger-Freunde,

Godehard Schramm hat in der aktuellen Ausgabe des RHEINISCHEN MERKUR die beiden 
EJ-Biographien von H.Kiesel und H. Schwilk besprochen. Text nachstehend.

Beste Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw



© Rheinischer Merkur Nr. 45, 08.11.2007

ERNST JÜNGER  
Die Schwermut der Eidechse

Zwei Biografien tauchen tief in Leben und Werk des deutschen Jahrhundertautors 
ein.

Von Godehard Schramm


„Der Einzelne kann die Welt ändern, sei es durch Tat oder Leiden... Er kann ins 
Absolute eintreten.“ Diese Ermutigung aus Ernst Jüngers Strahlungen“ 
(10.6.1945) hat mich als junger Leser ebenso fasziniert wie die Zuversicht, 
dass beim Finden eines Menschen etwas Ähnliches geschehe wie „Ich entdeckte den 
Hymalaya“, denn „ich wandle in seinen Geheimnissen und Weiten und trage Schätze 
aus ihm“ (Paris, 20.1.1942). Die Tatsache, dass dieser Autor zwei Weltkriege 
durchgestanden hat, wertete die Einsichten auf: als einen Existenzialismus, der 
dem „Nichts-Blick“ Sartres ebenso überlegen schien wie Camus' 
„Sisyphos-Absurdität“. Jüngers „abenteuerliches Herz“ vermittelte eine 
souveräne Freiheit.
Wir korrespondierten miteinander; im November 1997 besuchte ich ihn zum letzten 
Mal in Wilfingen. Geraume Zeit nachdem er die „Zollstation“ selbst passiert 
hatte, fragte ich seine Frau Lieselotte, in welchem Bildhauer-Porträt ihr Mann 
am ehesten getroffen worden sei. Ihre Antwort: im Porträt von Hans Wimmer, aus 
dem Jahre 1972. Nun liegen zwei umfangreiche schriftliche Porträts vor, die das 
Phänomen Jünger als Ausnahmegröße der deutschen Literatur bestätigen und 
zugleich dazu beitragen, dass fortan mehr Nuancen aufleuchten zwischen nur 
„Enthusiasten und Gegnern“. Beide Porträts haben ihre eigene Überzeugungskraft.

Falscher Frieden

Helmuth Kiesel, der Heidelberger Literaturwissenschaftler, versteht Jüngers 
Autorschaft als von „auctor“ kommend, also vermehrend; Autor ist demnach einer, 
der den vorhandenen Einsichten „etwas von Belang hinzugefügt hat“. So wird der 
Blick auf die geistige Potenz gelenkt, zumal Kiesel rät: „Man sollte Jüngers 
Einfluss auf den Gang der deutschen Geschichte nicht überschätzen.“ Kiesels 
Biografie ist geprägt von wissenschaftlicher Genauigkeitslust.

Heimo Schwilk, einst Literaturredakteur beim Rheinischen Merkur, mit Jünger als 
Junger seit langem vertraut, 1988 Herausgeber von dessen „Leben und Werk in 
Texten und Bildern“, versteht den Wilfinger Eremiten als mythischen Dichter, 
dessen „Metaphysikverlangen“ und „Heilsgewissheit“ das Werk so gegenwärtig 
machen. Schwilk hat seine 23 Kapitel umfassende Biografie wie eine Wendeltreppe 
angelegt: Die Treppenstufen der Darstellungen vergegenwärtigen die durchmessene 
Lebenszeit – die „Seelenachse“ bilden zitierte Passagen aus Jüngers Werk.

Erstaunlich ausführlich schildert Schwilk familiäre Mitgift und den Hintergrund 
des Ersten Weltkrieges. Nachvollziehbar wird das Erlebnis der Niederlage, des 
„falschen“ Friedens von 1918, die noch reine politische Realität, die sich 
wandelt zum „Mut zur Selbstbehauptung“. Wie unterschiedlich beider Biografen 
Einschätzungen auch ausfallen: In beiden wird eine Spannung erzeugt, die über 
den Schluss bis zu Anhang und Register reicht. Schwilk zeigt, dass Jüngers 
„abgrundtiefe Melancholie“ für manche Haltung ebenso entscheidend ist wie der 
Selbstschutz. Wenn Schwilk Jüngers „Fluchten“ darstellt, meint das nicht 
Ausflucht, sondern Entweichen und Aussteigen, das zum Sich-Hinüberretten wird, 
zur „Anschauung des Wunderbaren“, das überall gelingen kann, wenn sich der 
Einzelne nicht den Draht zur „Transzendenz“ abschneidet. In den auf Deutsch 
leider nicht vorliegenden „Entretiens avec Ernst Jünger“ von Julien Hervier 
(1986) nannte sie Jünger als die „letzte Instanz am Abgrund der Angst“ – im 
Kaukasus hat er 1942 dieses „Zugleich von Tod und Staunen vor einer Blume“ 
geschildert. Schwilk versteht Jüngers Blick auf das Wunderbare als Beschwörung 
des Immergleichen, nicht als Eskapismus. Mag Jünger bei seinen intensiven 
Lebensreisen auch an entferntesten Orten den „Schwund der Ursprünglichkeit“ 
festgestellt haben, da ja überall technische Apokalyptik „unterminiert“: 
getragen von „individueller Heilsgewissheit“ schrieb er sein „Trotzdem“.

Schwilks Darstellungskunst offenbart Jüngers Sehnsucht nach dem 
Bei-sich-selber-Sein – der junge Kriegsfreiwillige, „zum Helden“ geworden, 
erlebte ebenso den „Charme des Bindungslosen“ wie später manche gefährliche 
Begegnung und Lebensgefahr überhaupt. Erfrischend hineingemischt in Schwilks 
Schilderungen ist anekdotisches Aufblitzen; auf die Frage von Felipe González, 
was Jünger vom Stierkampf halte, dessen Antwort: „Besser der Stier stirbt beim 
Kampf in der Arena als im Schlachthaus.“

Schwilk übergeht das Diesseitige, das Profane dabei jedoch keineswegs; zur 
Geschichte von Jüngers Verlagsbeziehungen und Verkaufserfolgen notiert er: 1975 
betrug Jüngers Guthaben bei der Jahresabrechnung 44510 Mark. Auch berichtet er 
vom abgelehnten Versuch von Botschafter Dufner, die Bundesregierung möge Jünger 
für den Nobelpreis vorschlagen. Ebenso erfolglos blieb der Versuch von 
Bundespräsident Carstens, Jünger auch mit dem zivilen „Pour le Mérite“ 
auszuzeichnen.

Verblüffend, dass beide Biografen die Untreue in der Ehe als Schatten erwähnen. 
Helmuth Kiesel betrachtet Jünger in elf originell komponierten Kapiteln mit dem 
präzisen Vergrößerungsglas des Literaturwissenschaftlers, sieht ihn im 
Wettbewerb des Literaturbetriebs, zwischen Erfolg und Außenseitertum, zwischen 
Hochmut und Leutseligkeit. Sein Verdienst ist es, den sich nach und nach 
wandelnden „Kriegsschriftsteller“ darzustellen, dem das kurzzeitige 
Publikationsverbot 1945 zur Reifung diente und der früher ein Grüner war als 
alle Grünen, freilich dabei stets den Schöpfungszusammenhang wahrte und sie 
nicht bloß als Umwelt erlebte.

Mit detektivischer Finesse zitiert Kiesel Golo Manns Jünger-Verteidigung: als 
dem Einzelgänger, der aus lebendiger Erfahrung die Sinnlichkeit von Lebewesen 
darstellt. Und wenn Kiesel lakonisch die von Fritz J. Raddatz unterstellte 
„Herrenreiterprosa“ zitiert, sieht jeder Leser ein, dass diese Argumente 
nirgendwo wirklich stichhaltig sind, dass es ihnen nicht um das gehe, was 
Jünger schreibt, sondern um das, „wofür er einem gängigen Klischee nach zu 
stehen scheint“.

Fortweh und Melancholie

Erstaunlich sind auch die Punkte, an denen sich beide Biografen übereinstimmend 
treffen: Schwilk zeigt Jüngers innige Bezogenheit zu „Krisenkünstlern“ wie 
Kubin, Kiesel erwähnt, wie, im Falle der Zusammenarbeit mit einem Fotografen, 
Jünger oft ideale Konstellationen geradezu anzog. Bei Schwilk wiederum wird 
emotional deutlicher, dass „Jüngers Flucht aus der Zeit in Räume, die 
Zeitlosigkeit versprechen“, sein „Fortweh“ ausmacht, das die Kehrseite seines 
Heimwehs ist – also dorthin, wo das Eigentliche, das Elementare sich ereignet. 
So gesehen können diese Biografien auch einen Impuls zur Edition aller 
Jüngerschen Texte zu Sardinien in einem Band anregen – einer heißt ja 
„Sardische Heimat“.

Es ist für den Leser anregend, dass Schwilk Jüngers bisweilen „bewusste 
Zweideutigkeit“ ebenso zur Sprache bringt wie dessen ersten Frau Grethas „Ekel“ 
vor zahlreichen Liebschaften; auch geht er auf den Vorbehalt ein, dass Jünger, 
bei mancher Überarbeitung und Kürzung für die beiden Gesamtausgaben, die 
„Authentizität der Zeitgenossenschaft“ beeinträchtigt habe. Nun, dem Leser 
stehen dafür ja schließlich die greifbaren Erstausgaben zur Verfügung.

Verstehen heißt ja nicht nachbeten, sondern nachvollziehbar machen. So 
irritiert bei Kiesel des Öfteren sein bloßes Vermuten; zu einem Fotoband heißt 
es, dass es „allerdings unklar“ sei, ob Jünger eine Retuschierung veranlasst 
oder nur übernommen habe. An anderer Stelle geht es um die Frage, ob Jünger an 
Emigration dachte – „auszuschließen“ sei es nicht, aber ein Beleg hierfür 
fehlt. Vermisst habe ich dort den intensiven Bezug Jüngers zur geistigen Welt 
Russlands – keiner der oft gelesenen Autoren taucht im Register auf. Dagegen 
ist es Kiesels Gründlichkeit nicht entgangen, dass die argentinische Armee 1923 
„etwa eine Million Mark“ für die Übersetzungsrechte an den „Stahlgewittern“ 
bezahlte. Auch dies macht neugierig auf den Fortgang der Jüngerschen 
Briefausgaben: besonders auf die lebenslange Korrespondenz mit dem Bruder 
Friedrich Georg.

Beide Biografen schöpfen aus der Fülle intensiver Beziehungen Jüngers zu 
anderen Menschen; zuweilen wurden sie zu Spannungsverhältnissen. Der lange Zeit 
hoch geschätzte Schüler Gerhard Nebel etwa wurde eines Tages dann doch wegen 
seiner Kapriolen zur „Persona non grata“ erklärt: von Frau Gretha.

In Jüngers Tagebüchern finden sich nachhaltige Spuren von einem dreimaligen 
Ganz-Lesegang durch die Bibel – sie in einem Buch zusammenzustellen könnte eine 
erhellende Aufgabe sein. Dass der Sohn einer katholischen Mutter und eines zwar 
evangelischen, aber nicht gläubigen Vaters im späten Alter zur 
römisch-katholischen Kirche konvertierte, stellen beide Werke dar. Ein Motiv 
des späten Konvertiten liegt wohl auch in seinem zweimaligen Heimatverlust 
innerhalb der Armee. Beide Erzähler weisen nach, dass dem „Erlöser Christus“ 
bei Jünger nicht die zentrale Bedeutung zukommt, sondern die immerwährende 
Kraft der Liturgie. In dem Spätwerk „Prognosen“ (1993) hat Jünger dies noch 
einmal bekannt; diese Geborgenheit verehrte er: „Der Kult ist umso 
ergreifender, je überzeugender er dieses Wissen in Festen und Kunstwerken 
zelebriert.“

Bei Heimo Schwilk gerät die durchgängige Lebens-Identität dieses 
„abenteuerlichen Herzens“ stärker in den Blick. Er schließt mit der anrührenden 
Totenfeier, vergegenwärtigt noch einmal das Labyrinthische und die assoziative 
Spiritualität Jüngers. Im Schlussblick auf das Jüngerhaus in Wilfingen heißt 
es: „Jedes Zimmer ein kleiner Kosmos, eine Eigenwelt, die ihr Geheimnis fest 
umschließt.“ Anstatt Zimmer könnte hier auch Buch stehen: Beide Biografien sind 
eine Einladung zum Wiederlesen eines Werkes, in dem zur „wunderbaren 
Vielfältigkeit der Welt“ auch deren „gefährliche Abgründigkeit und 
Bösartigkeit“ (Kiesel) gehört.

Heimo Schwilk: Ernst Jünger. Ein Jahrhundertleben. Piper Verlag München 2007. 
623 Seiten, 24.90 Euro.

Helmuth Kiesel: Ernst Jünger. Die Biografie. Siedler Verlag, Berlin 2007. 715 
Seiten, 24,95 Euro.

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