Liebe Jünger-Freunde, in der katholischen DIE TAGESPOST erschien heute eine Rezension von Alexander Pschera zu Andreas Geyers FGJ-Monographie. Beste Grüsse rundum, Ihr / Euer tw
Heimholung des Unheimlichen Andreas Geyers Monographie zu Friedrich Georg Jünger füllt eine Lücke und spinnt einen roten Faden DT vom 08.01.2008 Von Alexander Pschera Während die Literatur zu Ernst Jünger kontinuierlich wächst, ist es um die Auseinandersetzung mit dem dichterischen und essayistischen Werk seines jüngeren Bruders Friedrich Georg Jünger nicht zum Besten bestellt. Ja man könnte beinahe sagen, er ist ein Vergessener, jener Friedrich Georg, der drei Jahre nach Ernst im Jahre 1898 geboren wurde und mit Ernst fast 80 Jahre in symbiotischer Existenzform lebte (man spricht auch immer wieder von geistigen Zwillingsbrüdern). Die biographische und denkerische Nähe erstreckt sich von der Kindheit in der Villa Jünger in Rehburg am Steinhuder Meer über das Schlachtfeld von Langemarck, das die Brüder in einer schicksalshaften Sequenz zusammenschweißt, über die Jahre der inneren Emigration bis hin zur Nachbarschaft der alten Herren im Oberschwäbischen. Immer wieder hat Ernst Jünger betont, wie wichtig menschlich wie intellektuell ihm sein Bruder war. Auch ahnte Ernst voraus, dass das Werk des Bruders in den Schatten des eigenen zu geraten drohte. Die Voraussetzungen für eine Beschäftigung mit dem Werk Friedrich Georgs wären zwar gegeben. Das Oeuvre liegt in einer allerdings philologisch unzureichenden Teilausgabe im Klett-Cotta-Verlag vor. Viele seiner anderen Bücher lassen sich ohne große Mühe antiquarisch erwerben. Dennoch ist es eine Tatsache: Friedrich Georg liest heute kaum einer mehr, weder zum privaten Vergnügen noch aus akademischer Neugier. Warum dem so ist, darüber ließe sich spekulieren. Vielleicht besteht das Schicksal von dichtenden Brüderpaaren darin, dass, wenn sie nicht als Kollektiv schreiben wie die Brüder Goncourt, nur einer von beiden nachhaltig im Bewusstsein der Allgemeinheit verbleibt (wer liest heute eigentlich noch Heinrich Mann?). Bruder eines Großen zu sein, heißt eben auch, im Schatten dieses Großen zu stehen. Bei Friedrich Georg spielt allerdings auch der intellektuelle Typus eine Rolle, den dieser Autor repräsentiert und der einer anderen Zeit angehört. Friedrich Georg war ein konservativer, formbewusster, sentimentalischer, ja im Dichterischen durchaus auch epigonaler Geistesaristokrat, der viel mehr und dies im doppelten Sinn der Zeit verhaftet war als sein Bruder Ernst. Bei Ernst Jünger, dem, wie Hans Blumenberg sagte, wichtigsten Tagebuchschreiber des 20. Jahrhunderts, ist und wird alles Gegenwart. Friedrich Georg, der Phänomenologe der antiken Mythen und archaischen Versmaße, der Erinnerer der Kindheit, wurzelt viel stärker im Vergangenen, auf das er mit Wehmut zurückblickt, um dieser Wehmut dann lyrische oder erzählerische Gestalt zu verleihen. Aus diesem Blickwinkel schrieb er auch zwei Autobiographien (Grüne Zweige, 1951; Spiegel der Jahre, 1958), die übrigens ein guter Einstieg in das Leben der Brüder sind. Doch es gibt ja zum Glück die Gedenkjahre. So war 2007 das Jahr, in dem Friedrich Georg Jüngers dreißigstem Todestag gedacht wurde. Der Wiener Karolinger-Verlag, bekannt für zahlreiche mutige editorische Projekte von Davila über Mosebach (hier erschien die ursprüngliche Fassung der Häresie der Formlosigkeit) bis zu Bloy und Céline, nahm dies zum Anlass, die erste Monographie zum kleinen Jünger auf den Markt zu bringen. Das materialreiche Buch, das eine Reihe unveröffentlichter Fotos enthält, zeichnet den intellektuellen Weg FGJs quellennahe nach und begnügt sich dabei keineswegs mit einer bloßen Nach-Erzählung. Plausibel arbeitet Andreas Geyer heraus, was ein weiterer Grund für die Unterkonturiertheit und rezeptionsästhetische Blässe Friedrich Georgs sein könnte: Die Faszination für Ernst Jünger besteht in seinem intellektuellem Heldentum, den Jünger auch heroischen Realismus nennt, mit dem er das Fremde attackiert. Das Leitmotiv in Friedrich Georgs Werk ist, das zeigt Geyer durch genaue Lektüre des Gesamtwerks, das so noch niemand vor ihm im Zusammenhang gelesen und beschrieben hat, die Heimholung des Unheimlichen (S. 35). Und dieses Unheimliche zeigt sich Jünger im Neuen und Fremden. Sein literarisches Schaffen lässt sich aus der Motivation heraus erklären, dieses fremd-Unheimliche sich anzueignen. Ernst Jünger hätte es als Fremdes beschrieben, hätte sich ihm bis an die Grenzen des Schmerzes und des Nichts ausgesetzt. Friedrich Georg weicht dem Schmerz aus und und bindet das Fremde an Traditionen, an Bekanntes, an bereits Erfahrenes zurück. Das ist selbstredend weniger spektakulär. So lässt sich erklären, dass neben Ernst Jüngers kristallinem Realismus, der eine neue Position in der deutschen Literatur etablierte, sich Friedrich Georgs dichterische und essayistische Heimholungen harmlos ausnehmen. Dies sagt aber noch ganz und gar nichts über die Qualitäten des Werks aus. Andreas Geyer kann zeigen, dass viele Texte Friedrich Georgs zu unrecht vergessen sind. Er arbeitet dabei sechs Werkphasen heraus. Die frühen Jahre der nationalistischen Publizistik erlebte Friedrich Georg zusammen mit seinem Bruder Ernst. Unter der Welle des Aufbruchs Aus dieser Zeit kennt der gelegentliche FGJ-Leser höchstens den martialischen Aufmarsch des Nationalismus (1926), den Ernst Jünger herausgab, oder den Fotoband Das Gesicht der Demokratie (1931). Andreas Geyer hat jedoch in den Archiven gegraben und Texte Friedrich Georgs ans Tageslicht befördert, die diesen auf einem weitaus radikaleren Posten als seinen Bruder zeigen (Dreikanter, 1928), wobei dieser Radikalismus so gar nicht zum weichen Profil des jüngeren Jünger passen will und sich wohl nur als trotzige Übersteigerung und rhetorische Geste deuten lässt. Die zweite Werkphase erstreckt sich von 1934 bis 1940. Es sind dies die Jahre der inneren Emigration, in denen Friedrich Georg vor allem mit seinem regimekritischen Gedicht Der Mohn auf sich aufmerksam machte Thomas Mann schrieb dazu am 30. November 1934 eine vielzitierte Notiz in sein Tagebuch. Die dritte Werkphase, die Jahre des Krieges, sind gekennzeichnet durch eine Rückwendung zur Antike und durch eine Hinwendung zur Technik zwei Bewegungen, die sich im Sinne der Heimholung des Unheimlichen überkreuzen. Nach dem Krieg die vierte Werkphase des Neubeginns erstreckt sich bis 1950, die fünfte umfasst die Jahre zwischen 1950 und 1968 ist Friedrich Georg Jünger drauf und dran, zu einem der wichtigsten Intellektuellen Deutschlands zu werden. Er erhält zahlreiche literarische Preise und referiert neben Heisenberg und Heidegger zu Fragen der Philosophie der Technik. Doch die Welle des Aufbruchs in der Literatur der sechziger Jahre rollt über ihn hinweg und spült ihn als Relikt an den Strand. Das Spätwerk die in der Formulierung ökologischer Fragestellungen visionäre Zeitschrift Scheidewege. Vierteljahresschrift für skeptisches Denken (ab 1971), der große Roman Heinrich March (Geyer nennt ihn treffend die Jüngerschen Buddenbrooks) oder die späte Odyssee-Übersetzung ist hochinteressant und vielgestaltig, aber war schon damals kaum mehr als ein Geheimtip. Geyers Arbeit hat den großen Vorzug, erstmals das Werk Friedrich Georg Jüngers zusamenhängend darzustellen, die Technikreflexion, die Mythen-Analyse, die lyrische Verdichtung, die erzählerische Eleganz und den grünen Skeptizismus aus einem Grundmotiv heraus zu erklären. Das Buch ist detailgenau und quellennahe, hat aber immer den Blick fürs Ganze. Das Biographische kommt sicherlich zu kurz, aber das Buch heißt im Untertitel ja auch Werk und Leben und nicht Leben und Werk. Der größte Vorzug der Monographie aber ist, eine Vielzahl von Lesewegen zu FGJ aufzuschließen. Fragte man den Rezensenten, dann würde er einen Seitenweg nennen: Friedrich Georg Jüngers Versschule Rhythmus und Sprache im deutschen Gedicht (1952). Sie gehört zum Besten, was über Metrik und Versmaß jemals geschrieben wurde. Warum die Wiederentdeckung des kleinen Jünger nicht gleich damit beginnen? Andreas Geyer: Friedrich Georg Jünger. Fremdheit, Technik, Wiederkehr. Werk und Leben. Karolinger Verlag, 320 Seiten, broschiert, ISBN-13: 978-3854181217, EUR 26, -- Tobias Wimbauer | Wimbauer Buchversand Waldhof Tiefendorf Tiefendorfer Str. 66 58093 Hagen-Berchum 02334-502826 http://www.waldgaenger.de/fragebogen.html USt-IdNr.: DE251720280 unsere Angebote (ZVAB, AbeBooks, Amazon, Booklooker, Antbo, Antiquario, Antikbuch24, Guthschrift, Buchfreund und Allstores) finden Sie hier: http://www.waldgaenger.de/wimbauerbuchversand.html http://www.waldgaenger.de/tiefendorf.JPG einen Büchergruß an TW senden: http://www.amazon.de/gp/registry/IBSBOT1B0 Yahoo! 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