Liebe Jünger-Freunde,

im "Marburger Forum" (Marburger Forum. Beiträge zur geistigen Situation der 
Gegenwart  Jg. 9, 2008, Heft 1) erschien jüngst nachstehende Rezension zu 
Schwilks EJ-Biographie von Timo Kölling.
Beste Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw


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 Heimo Schwilk: Ernst Jünger. Ein Jahrhundertleben. Die Biografie, Piper 
Verlag, München 2007. 623 Seiten, ISBN 978-3-492-04016-7, 24,90 €

»Ein Jahrhundertleben« nennt Heimo Schwilks Biographie die fast 103 Lebensjahre 
des Schriftstellers Ernst Jünger (1895-1998). Damit ist zweierlei - 
zweifelsohne Richtiges - behauptet. Zum einen: ein künstlerisch produktives, 
mit einem Lieblingswort Jüngers gesagt: »Gestalt« gewordenes Leben von solcher 
Erfahrungsfülle und -intensität ist im Deutschland des 20. Jahrhunderts selten, 
wenn nicht einmalig. Zum zweiten: wie kein anderes ist dieses Leben zum 
Ausdruck des Jahrhunderts selbst geworden, seiner inneren Entwicklung, seines 
Geistes wie seines Ungeistes. Vor allem letzterer Umstand - das Leben als 
Spiegel eines zwiespältigen und in vielerlei Hinsicht noch rätselhaften 
Jahrhunderts - dürfte für das stetig wachsende Interesse an Ernst Jünger 
hauptsächlich verantwortlich sein. Immerhin erstaunlich: wer heute noch, 
scheinbar einem oder dem »Zeitgeist« huldigend, Ernst Jünger als einen 
»umstrittenen« Autor kennzeichnet, ist offenbar bereits im »heillosesten« Sinne 
»von gestern«. So dubios das »Heil« auch sein mag, das der Geist der Zeit zu 
spenden beansprucht - es gäbe ja Gründe genug, immer dagegen zu sein -: in 
diesem einen Fall hat er zweifelsohne einmal recht. Denn es war und ist die 
Sprache der Gewalt, das heißt: die verheerendste aller Sprachlosigkeiten, die 
mythische, mit Beiwörtern wie »umstritten« etwas ein für allemal erledigen und 
in das böse Schweigen der Vergessenheit stoßen zu wollen. Gegenüber dieser 
offenbar jahrzehntelang vorherrschenden Stumpfheit die Sprache des Verstehens 
für etwas zu finden, das ja erst im Verstandenwerden seiner - falls vorhandenen 
- Gefahr beraubt würde, ist das zeitgemäße und rundum lobenswerte Anliegen der 
beiden fast zeitgleich im letzten Herbst erschienenen Jünger-Biographien. (Das 
Konkurrenzunternehmen von Helmuth Kiesel ist bereits vor einiger Zeit an dieser 
Stelle besprochen worden.)

Was war überhaupt das »Umstrittene«? Zweifelsohne Ernst Jüngers sogenannte 
»Kriegs«- oder »Gewaltverherrlichung«. Ich selbst war siebzehn oder achtzehn - 
das ist noch gar nicht so lange her -, als ich zu »In Stahlgewittern« griff und 
mich auf ein kriegsverherrlichendes Buch freute. Es konnte gar nicht 
»umstritten« genug sein. Zu meiner Ernüchterung fand ich von dem Erhofften fast 
nichts. Hatten die Journalisten ein anderes Buch gelesen, oder am Ende 
überhaupt keines? Ich lag friedlich lesend auf einer Wiese, und war dann ganz 
froh, von einer solchen vom »Vaterland« angeordneten Schmutz-, Kot- und 
Vertierungsorgie verschont geblieben zu sein und voraussichtlich auch zu 
bleiben. Wem »In Stahlgewittern« noch nicht deutlich genug ist, der sollte zu 
John Kings Studie »Wann hat dieser Scheißkrieg endlich ein Ende?« greifen. Der 
»kriegsverherrlichende« Frontsoldat Ernst Jünger schrieb den Satz in eines der 
Notizbücher, auf die er bei der Niederschrift der »Stahlgewitter« 
zurückgegriffen hat.

Im eigentlichen Sinne Kriegs- und Gewaltverherrlichendes - dann aber auch in 
einem Ausmaß, das heute befremden, ja erschrecken muß - verfaßte Jünger erst 
einige Jahre später, als er damit begann, sein schriftstellerisches Talent in 
fanatischer Weise dem »neuen Nationalismus« der Weimarer Rechten zur Verfügung 
zu stellen. Der junge, eigentlich aber schon nicht mehr ganz so junge Autor, 
der 1924 immerhin bereits in seinem dreißigsten Jahr stand, konnte dank des 
großen Erfolges von »In Stahlgewittern« damit rechnen, Gehör zu finden. Er 
entschied sich für ein Leben als freier Schriftsteller und wurde eine der 
Leitfiguren der radikalen Rechten, auch wenn sein Einfluß nicht überschätzt 
werden sollte. Die teilweise an Radikalität kaum zu überbietenden Aufsätze 
jener Jahre sind jahrzehntelang kaum zugänglich gewesen, denn Jünger nahm davon 
nur weniges, noch dazu stark überarbeitet, in die Werkausgaben auf. Erst 2004 
sind die Texte gesammelt unter dem Titel »Politische Publizistik« 
wiederveröffentlicht worden. Sie bieten der Beschäftigung mit Ernst Jüngers 
Frühwerk ein hochinteressantes, kontroverses und freilich noch längst nicht 
abschließend durchmessenes Feld. So ist denn auch durchaus verständlich, daß 
beide Biographien den Schwerpunkt der Darstellung auf die Jahre zwischen den 
Weltkriegen legen - es gibt hier noch viel zu entdecken und zu deuten. Die 
beiden Biographen Heimo Schwilk und Helmuth Kiesel scheuen nicht davor zurück, 
den Autor, der einerseits von dem sprachlosen Stigma einer nicht weiter 
hinterfragten »Umstrittenheit« befreit und in seinem Rang als bedeutender 
europäischer Schriftsteller gewürdigt werden soll, andererseits mit dem ganzen 
Umfang seiner unentschuldbaren Äußerungen aus der Zeit des »neuen 
Nationalismus« zu konfrontieren, und posthum ihm die Frage zu stellen: Wie war 
das überhaupt möglich? Perspektive und Methode, die Schwilk und Kiesel aus 
dieser ihnen gemeinsamen Fragestellung gewinnen, könnten allerdings 
unterschiedlicher nicht sein.

Helmuth Kiesel legt, wie vor einiger Zeit hier dargestellt, den Schwerpunkt 
seiner Analyse in überzeugender Weise auf die objektiven historischen Prozesse, 
in die das Subjekt immer schon eingebunden ist. Die neue Historiographie, so 
Kiesel mit Bezug auf die Zeit zu Beginn des ersten Weltkriegs, sei »genötigt, 
ein geradezu pathologisch wirkendes Szenarium zu beschreiben, in welchem in 
einem Klima der Unverantwortlichkeit ein ideologisch oder mentalitätsmäßig 
begründeter Zwang herrschte und einen Automatismus entstehen ließ, der die 
politischen Akteure (...) gleichsam zu Marionetten machte und große Teile der 
Bevölkerung applaudieren ließ.« Die ideologische Radikalität des frühen Ernst 
Jünger entspricht demnach einer hemmungslosen Ideologisierung des Lebens 
selbst, die geradezu als eines der Grundereignisse des 20. Jahrhunderts 
beschrieben werden kann.

Heimo Schwilks »einfühlende« Darstellung findet demgegenüber die Antwort in 
einem Zug von Ernst Jüngers Persönlichkeit, welcher schon während der 
traumatischen Jahre als leistungsschwacher und undisziplinierter Schüler 
ausgeprägt gewesen sei: »Er liebt die Ordnung und durchbricht sie zugleich. 
Dieser Wesenszug wird bestimmend für sein weiteres Leben. Er bleibt letztlich 
immer der Einzelgänger, der Anarch, der sich nicht in eine Gruppe einbinden 
lässt.« (S.49) So werden der spätere Radikalismus, der Traum von der Nation als 
einer das Individuum aufhebenden Ganzheit, sowie der zur stilistischen Manier 
weiterentwickelte Drang zur teilnahmslosen Beobachtung des Widrigen, Brutalen 
und Obszönen psychologisch als Kompensationsprogramm entzifferbar, - ohne daß 
Schwilk dabei der »reduktionistischen« Versuchung der psychologischen 
Perspektive erliegt, auf billige Weise über ihren Gegenstand triumphieren zu 
wollen, indem sie ihn (tot-)erklärt. Schwilks Leistung ist es, psychologisch 
feinfühlig, und gerade darin über jeden bloßen Psychologismus erhaben, die 
mögliche Fruchtbarkeit gerade des Defekten, des vermeintlich Krankhaften, des 
Abnormen und gesellschaftlich Funktionsuntüchtigen aufzuzeigen. Ernst Jüngers 
»Fehler« waren auch seine »Tugenden«, ohne daß hier feinsäuberlich zu trennen 
wäre.

Die »seelischen Verletzungen ... , die zugleich Voraussetzungen seiner 
Autorschaft sind: die Distanz, die Kälte, die Skepsis, der Beobachtungszwang« 
(S.513) - darauf kommt Heimo Schwilk immer wieder zurück. Gerade, so Schwilk, 
die »kühle, selbstschützende Distanz, die immer wieder als Gefühlskälte 
missverstanden wurde, wird ihn als Autor zu jenem teleskopischen Blick 
befähigen, mit dem es gelingt, die emotional dominierte Nahperspektive ins 
Phänomenale zu weiten.« (S.109) Derselbe Wesenszug, der dafür verantwortlich 
war, daß Jünger sich zeitweise an die Gewalt- und Umsturzphantasien des neuen 
Nationalismus verlor, hätte ihn demnach also auch befähigt, den neuen 
Nationalismus schrittweise zu überwinden - ein Prozeß, von dem die in dem Band 
»Politische Publizistik« gesammelten Aufsätze gleichsam Zeugnis ablegen. Es 
sind vor allem der Essay »Die totale Mobilmachung« von 1930 und das Buch »Der 
Arbeiter« von 1932, in denen - bei aller politischen Fragwürdigkeit im 
einzelnen und im ganzen - Ernst Jüngers Perspektive sich vom »Nationalen« ins 
»Phänomenale« weitet. Jünger entdeckt für sich die Prinzipien der Distanz zum 
Zeitgeschehen, der objektiven Erkenntnis. Während dieser Zeit entwickelt Jünger 
sich auch zum entschiedenen Gegner Hitlers und der Nationalsozialisten. An der 
scharfsinnigen Diagnose der Moderne, die die Texte dieser Zeit enthalten, hat 
Jünger auch später festgehalten; sie hat zudem entscheidend auf die spätere 
Technikkritik Martin Heideggers eingewirkt - und ist schon insofern in ihrer 
Bedeutung für die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts kaum zu überschätzen.

Worunter Ernst Jünger einerseits litt - die sein ganzes Leben begleitende 
Erfahrung von Vereinzelung und Entfremdung -, war ihm andererseits zugleich ein 
notwendiger Schutzwall. Seine »Ich-Verschlossenheit« ermöglichte ihm ungeheure 
künstlerische Produktivität inmitten eines immer wieder neu als fremd und 
feindlich erfahrenen Jahrhunderts. In dieser »Lebensmelodie«, wie es an zwei 
oder drei Stellen etwas kitschig heißt, hat Heimo Schwilks Darstellung ihre 
erklärte Mitte. Die Ambivalenz der Eigenarten Jüngers wird zu keinem Zeitpunkt 
unterschlagen; die »Defekte« als Voraussetzung seines Künstlertums werden zu 
keinem Zeitpunkt heroisiert, werden vielmehr gerade auch in ihren 
Schattenseiten beschrieben. So liest Schwilk Ernst Jüngers Leben insgesamt als 
einen Prozeß der andauernden Selbstbehauptung gegenüber einer Kette von 
Gefährdungen, die den »Ich-Panzer« zu durchbrechen drohen. Dazu gehört die 
Erschießung eines Deserteurs, die Ernst Jünger im Jahr 1941 zu leiten hatte, 
und deren Hergang er in seinem Tagebuch scheinbar kühl beobachtend, in Wahrheit 
aber aufs äußerste verstört nachzeichnete. Dazu gehören auch der Tod des Sohnes 
Ernstel im Jahr 1944 und der Tod seiner ersten Frau Gretha im Jahr 1960, die 
mehr als jeder andere unter Ernst Jüngers »Ich-Verschlossenheit« zu leiden 
hatte, und die in Schwilks liebevoller Beschreibung als »eigentliche Heldin« 
(S.431) kenntlich wird.

Aber freilich ist Heimo Schwilks Buch nicht nur Lebens-, sondern auch 
Werkgeschichte, auch wenn in ersterem seine eigentliche Stärke liegt. Die 
Schwergewichte sind deshalb anders verteilt als in Helmuth Kiesels Buch, dessen 
biographische Darstellung zugleich ein grandioses Ideenpanorama bietet. Das 
schöpferische Subjekt wird von Kiesel in brillanter Weise in die übergeordneten 
Zusammenhänge und Diskurse eingebettet, in denen es sich bewegt, und die es auf 
bewußte und unbewußte Weise sich aneignet und fortschreibt. Diese Art der 
Darstellung ist die zurecht in vollem Umfang gezogene Konsequenz der Einsicht, 
daß es nun einmal das künstlerische und denkerische Werk ist, worin dieses uns 
interessierende Leben sich vor allem manifestiert. Es gibt ja kein Leben als 
Gegenstand einer Biographie, das »an sich« erzählenswert wäre. Erzählenswert 
wird es erst durch die Bedeutung, die wir mit ihm verknüpfen. Das Leben, das 
uns etwas bedeutet, und das auf diese Weise sich als erzählenswert erweist, 
liegt niemals unmittelbar vor. Denn die Bedeutung, nicht das von ihr 
abstrahierte Leben ist das Unmittelbare. Das gälte sogar noch für den in der 
Realität nicht vorkommenden Fall ihrer schlechthinnigen Identität: dann wäre 
zwar das Leben, werklos, unmittelbar das Bedeutsame, aber eben nicht als Leben 
»an sich«, sondern als Bedeutung »für uns«.

Es waren vor allem die beiden Fassungen seines Buches »Das abenteuerliche Herz« 
(1929/38) und der allgemein als »Widerstandsroman« und als Zeugnis der »inneren 
Emigration« anerkannte Roman »Auf den Marmorklippen« (1939), worauf Ernst 
Jünger nach 1945 aufbauen konnte, um seinen Ruf als deutscher und europäischer 
Schriftsteller zu befestigen und auszubauen. Nachdem die Schranken des 
Publikationsverbots gefallen waren, veröffentlichte er unter dem Titel 
»Strahlungen« die während des zweiten Weltkriegs entstandenen 
Tagebuchaufzeichnungen, die seinen Weg zum »Glauben«, zur »neuen Theologie« 
dokumentieren. Nach dem utopischen, von theologischen und 
geschichtsphilosophischen Motiven durchzogenen Roman »Heliopolis« folgte 
während der fünfziger Jahre eine Reihe geschichtsphilosophischer Essays, die 
zum Teil als direkte Fortsetzung des »Arbeiters« von 1932 gedacht sind. Auch 
weitere Erzählungen werden veröffentlicht, so der mystische, von 
Drogenexperimenten beeinflußte »Besuch auf Godenholm«. Von 1959 bis 1970 gab 
Jünger zusammen mit dem rumänischen Religionswissenschaftler Mircea Eliade die 
Zeitschrift »Antaios« heraus. Als eigentliches Hauptwerk des späten Ernst 
Jünger gelten die den Zeitraum von 1965 bis 1996 umfassenden Tagebücher 
»Siebzig verweht«, mit denen er seinen Ruf als »Begleiter des 20. Jahrhunderts« 
befestigte. Mit seinem Spätwerk »Die Schere«, der Summe seiner »neuen 
Theologie«, gewann er sogar die Aufmerksamkeit von Papst Johannes Paul II.. 
Ernst Jüngers »letztes Werk« war kein Buch, sondern die - erst nach seinem Tod 
bekannt gewordene - Konversion zur katholischen Kirche, im Alter von 101 Jahren.

Heimo Schwilk beschreibt Ernst Jüngers Weg nach 1945 zurecht als einen 
»Sonderweg«, der Folge seines Selbstverständnisses als »mystischer Dichter« 
sei. Als solcher »versuchte Ernst Jünger, die Gegenwart des Mysteriums sichtbar 
zu machen durch Naturbilder, Gleichnisse, Verweise. Sein ganzes Werk keist um 
die Frage nach dem ›élan vital‹, nach jener Kraft, die das Lebendige in immer 
neuen Formen schafft.« (S.16) Indem er mit seinem Werk Unvergängliches zu 
bezeugen sucht, »meldet Jünger seinen Anspruch an, mehr als nur ein 
Schriftsteller zu sein: Er sieht sich selbst als Protagonisten einer 
priesterlichen, apokalypseresistenten Kunst. Dass ihn dies zum Außenseiter 
einer Literaturszene machen muss, die mit Autoren wie Heinrich Böll, Martin 
Walser, Helmut Heißenbüttel und Günter Grass dabei ist, sich der 
gesellschaftlichen Wirklichkeit der prosperierenden Bundesrepublik mit 
sozialkritischen, psychologischen, sprachexperimentellen oder satirischen 
Mitteln zu nähern, kann auch ihm selbst nicht verborgen bleiben. Seine 
Autorschaft versteht sich nicht als ›littérature engagée‹, er will die Welt 
nicht zeigen, wie sie sein soll, sondern wie sie ist.« (S.491)

Dem »Mystischen« gilt Schwilks Faszination. Hier aber zeigt sich leider die 
große Schwäche des Buches: sie liegt im Theoretischen, im Begrifflichen. Sobald 
an die Stelle des von der Bedeutung abstrahierten Lebens das für uns 
unmittelbar Bedeutsame, das Werk, zu treten hat, erliegt Schwilk seiner größten 
Gefahr: der Phrase. Sie verdirbt viel. Wann immer von der »Gewissheit, dass das 
Leben ein Geheimniszustand sei« (S.15), die Rede ist, von Ernst Jüngers Frage 
»nach jener Kraft, die das Lebendige in immer neuen Formen schafft« (S.16), von 
»Gestalten von zeitloser Gültigkeit«, in denen sich »für ihn die mythische 
Tiefenstruktur der Geschichte« manifestiere (S.235), vom »Unaussprechlichen« 
als »Mysterium des Absoluten« (S.453), wann immer ein »magischer Innenraum der 
Seele« beschworen wird, »wo die verborgene Harmonie der Dinge aufscheint« 
(S.312) - es bleibt bei bloßem Phrasengeklapper, bei abstrakten 
Wortgespenstern, kein einziger Inhalt wird von innen heraus entwickelt, 
nachgezeichnet, in seinem Werden dargestellt und verständlich gemacht. Das ist 
umso befremdlicher, als »Einfühlung« hier ja der Universalschlüssel zu sein 
behauptet. Vor dem Werk versagt sie offenbar peinlich, und das ist kein Wunder: 
denn in Gedanken kann man sich nicht »einfühlen«. »Intuition« nennt sich das 
beliebte Surrogat, auf das sich auch Schwilk beruft. Wenn aber Ernst Jünger 
»jene Intuitionen ... , mit denen sich die kriegerische Philosophie ins 
Ganzheitlich-Kosmische weiten lässt«, hat walten lassen - sein Biograph darf es 
noch lange nicht. Denn er hat, worin Ernst Jünger sich als in seinem Element 
bewegte, Gedanke und Sprache werden zu lassen. Bei Heimo Schwilk wird daraus 
das leere Postulat eines Mitvollzugs, der ob seiner Gedankenarmut gar nicht 
anders kann, als dauernd sich seiner schlechthinnigen Irrationalität zu 
versichern.

Es liegt in der Natur der Phrase, keine Grenzen des Verständnisses anerkennen 
zu können. Von dem Ernst Jünger, der uns auf den Seiten dieses Buches 
zweifelsohne sehr menschlich entgegentritt, ist nichts zu lernen, weil wir 
alles schon wissen. An seinen Werken gibt es nichts zu verstehen, weil - dem 
Leser schmeichelnd - alles schon verstanden ist. Der Begriff der »Gestalt« ist 
ein gutes Beispiel. Während Helmuth Kiesel immer wieder auf ihn zurückkommt, 
ihn als eines der Grundwörter Ernst Jüngers kenntlich macht, ihn 
problematisiert, einordnet, befragt, vor allem aber: betont, daß dieser 
wichtige Begriff zu den noch unaufgehelltesten Elementen des jüngerschen Werkes 
gehört, glaubt Schwilk, mit zwei Sätzen ihn »in der Tasche« zu haben: »Mit der 
Gestalt ist ein die Wirklichkeit organisierendes Prinzip gemeint, das alles 
durchdringt und einem einheitlichen Stil unterwirft: Gestalten können nicht 
begriffen, sie können nur gesehen werden.« (S.354) Damit ist das Wort für 
Schwilk »erledigt«. Zahlreiche weitere Beispiele ließen sich anführen. Anstatt 
zu zeigen, welche Stellung das Postulat einer »totalen Mobilmachung« in Ernst 
Jüngers Gedankenwelt zu Anfang der dreißiger Jahre einnimmt, woran es 
anschließt, und wohin es führt, begnügt Schwilk sich mit der Feststellung, 
Jünger bringe »die Bewegungsprinzipien des 20. Jahrhunderts auf eine prägnante 
Formel - eine Fähigkeit, die auch seine weiteren geschichtsphilosophischen 
Arbeiten auszeichnen wird«. (S.352) Als müsse jeder Leser sofort bescheid 
wissen, müsse wissen, was »die Bewegungsprinzipien des 20. Jahrhunderts« sind. 
Es ist Heimo Schwilks »Masche« - es ist wirklich eine -, sich die Arbeit des 
Denkens zu ersparen, indem er sich und dem Leser ein Verständnis suggeriert, 
das an vielen Stellen bloß behauptet, nicht realisiert wird.

Nur eine einzige Stelle sei noch zitiert. Schwilk versucht hier Jüngers 
Begriffe des »Ungesonderten« und der »Annäherung« näher zu bestimmen. Mit dem 
»Ungesonderten«, so Schwilk »ist etwas Grund-Legendes gemeint, etwas, das 
hinter alle Sonderungen zurückgreift und für das Jünger weitere Begriffe wie 
das Unvermessene, das Namenlose, das Unfaßbare oder das Eine geprägt hat. Er 
stellt sich damit in die Tradition des Plotinismus, der den göttlichen Geist 
als Urgrund begreift, aus dem alle Erscheinungen hervorgehen. Es gehört zur 
Methodik der Stereoskopie, sich dieses Ungesonderte als etwas Bildhaftes, als 
optisches Phänomen vorzustellen. Dieser Optik eignet jedoch immer auch eine 
temporale Qualität, das Wahrgenommene wird aus dem Zeitfluss gelöst und 
angehalten, wobei das Abbild für einen blitzartigen Moment den Blick auf sein 
Urbild freigibt. Diesen Vorgang der Überblendung von Oberfläche und Tiefe nennt 
Jünger Annäherung, ein transzendentaler Vorgang, weil er hinter die Erfahrung, 
hinter die Kategorien von Raum und Zeit zurückgreift. Annäherung beschreibt 
religiöse und künstlerische, aber auch existenzielle Erfahrungen - letztlich 
das Mysterium des Todes.« (S.504) Hier zeigt sich deutlich das trügerische 
Gesicht der Phrase: nichts an ihr ist falsch, und trotzdem scheppert es an 
allen Ecken und Enden.

Nun könnte man sagen, daß zwischen Heimo Schwilk und Helmuth Kiesel eine Art 
unbewußte Arbeitsteilung stattgefunden hat. Das Wissenschaftliche, 
Theoretische, Begriffliche sei eben eher die Sache des Germanisten Kiesel, das 
Einfühlsame, Menschliche, Lebensnahe dagegen die Sache des Journalisten 
Schwilk. Diese Rechnung geht aber nicht restlos auf. Um nur ein Beispiel zu 
geben: im ersten Kapitel spricht Schwilk von Jüngers Überzeugung, »dass der Tod 
nur eine Durchgangspforte sei und hinter der Zeitmauer eine Widerbegegnung mit 
den Verstorbenen stattfinden werde« (S.24). Bei dieser Gelegenheit schildert 
Schwilk einen Traum Ernst Jüngers, der auch in Helmuth Kiesels Buch Erwähnung 
findet. »Da wird plötzlich die Tür zu seinem Schlafzimmer aufgestoßen. Zwei 
kräftige Burschen treten ein und bieten ihm mit roten Kaviar belegte Brote an. 
Dann betritt Jünger das Badezimmer und sieht mit Entsetzen seine vor 
Jahrzehnten verstorbene Frau Gretha in einem Badezuber liegen. Das Wasser 
reicht ihr bis zum Mund. Jünger reißt sie aus dem Wasser und beginnt sie wie 
eine Ertrunkene zu beatmen.« Es ist der Wissenschaftler Kiesel, der jetzt 
Feingefühl beweist und die noch folgende Traumszene schlicht »erschütternd« 
nennt. Mehr bedarf es wirklich nicht. Schwilk hingegen macht mit einem völlig 
unpassenden literarischen Vergleich alles kaputt: »Bald schlägt sie zu seiner 
Freude die Augen auf. Er sagt: ›Ich will dich wärmen, komm ins Bett.‹ Sie aber 
lockt ihn wie die Nixe in Goethes Ballade vom Fischer in ihr Reich und verheißt 
dort eine Wiederbegegnung mit dem im Krieg gefallenen Sohn Ernstel: ›Komm du zu 
mir. Dort ist auch der Sohn.‹« Hier - wie an einigen anderen Stellen - wirkt 
die Kommentierungswut, im Theoretischen die Folge des selbstgenügsamen 
Scheinverständnisses der Phrase, auch auf jene »menschliche« Sphäre zurück, in 
der doch eigentlich tatsächlich - das sei zum Abschluß noch einmal 
hervorgehoben - die Stärke dieses lesenswerten Buches liegt.

Timo Kölling 

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