Liebe Liste,

Albert Hofmann, der Schweizer Erfinder der LSD, ist im
Alter von 102 Jahren gestorben. 

Hofman war lange Zeit mit Jünger befreundet. Siehe
auch Jüngers "Annäherungen. Drogen und Rausch".

Anbei ein Nachruf von Spiegel-online.

mit freundlichen Grüßen aus Holland,

Jerker 

Spiegel Online
30. April 2008, 10:14 Uhr

ALBERT HOFMANN

Vater des LSD gestorben
Albert Hofmann, der Entdecker der Droge LSD, ist im
Alter von 102 Jahren in der Schweiz gestorben. Hofmann
hatte die Substanz, die von Künstlern und Musikern in
den sechziger Jahren als halluzinogenes Wundermittel
verherrlicht wurde, 1938 entdeckt. 

Er wurde steinalt - nun ist Albert Hofmann, der "Vater
des LSD", in seinem Haus im schweizerischen Burg im
Kanton Basel-Land gestorben. Hofmann war der Entdecker
der Substanz Lysergsäurediäthylamid, kurz LSD, die als
Wunderdroge galt und vor allem in den sechziger Jahren
auf politischer, gesellschaftlicher und künstlerischer
Ebene enormen Einfluss hatte. 

An jenem Tag im Jahr 1938 hätte sich Albert Hofmann
wohl nicht träumen lassen, was er da für eine
chemische Verbindung entdecken sollte. Hofmann
arbeitete damals für den schweizer Chemiekonzern
Sandoz und war eigentlich auf der Suche nach einer
Substanz, die den Kreislauf stimuliert. Aus
Mutterkorn, einem Getreide, synthetisierte Hofmann
1938 das Lysergsäurediäthylamid. Im Tierversuch
enttäuschte das LSD - es zeigte keinerlei der
gesuchten Eigenschaften. Hofmann verlor das Interesse.


Erst am 16. April 1943 wiederholte Hofmann die
Synthese von LSD und stieß dabei zufällig auf die
erstaunliche Wirkung der Droge: Er hatte während der
Herstellung etwas LSD durch die Haut aufgenommen. Auf
dem Heimweg aus dem Labor erlebte Hofmann den ersten
LSD-Trip der Geschichte: "Alles in meinem Gesichtsfeld
schwankte und war verzerrt wie in einem gekrümmten
Spiegel", berichtete Hofmann. "Eine furchtbare Angst,
wahnsinnig zu werden, packte mich, ich war in eine
andere Welt geraten." 

Eine Nachbarin, die ihm über den Weg lief, erschien
ihm als "bösartige, heimtückische Hexe mit einer
farbigen Fratze", die vertrauten Möbel in seiner
Wohnung "nahmen groteske, meist bedrohliche Formen
an". Gleichwohl konnte der herbeigerufene Hausarzt bei
Hofmann keinerlei Krankheitssymptome feststellen:
Puls, Blutdruck und Atmung waren normal. 

LSD ist eine weiß-kristalline Substanz. Schon geringe
Mengen - ein halbes Mikrogramm je Kilo Körpergewicht -
verändern die Wahrnehmung der Außenwelt für mehrere
Stunden. Wie LSD wirkt, ist sehr individuell: Manche
Menschen erleben Euphorie, andere panische
Angstzustände ("Horror-Trip"). LSD wurde in der
Nachkriegszeit zur Modedroge, gemeinsam mit weiteren
Psychopharmaka. Schriftsteller wie Aldous Huxley oder
Rauschgurus wie der US-Professor Timothy Leary priesen
den LSD-Trip als eine Art Königsweg zu einem neuen,
geläuterten Bewusstsein. Die Beatles widmeten der
Hofmann-Droge mit dem Lied "Lucy in the Sky with
Diamonds", dessen Anfangsbuchstaben die Abkürzung LSD
ergaben, eine Hymne. 

Heute ist LSD wieder interessant 

Ohne LSD, so bekannten Rockmusiker wie beispielsweise
Jimi Hendrix, wäre es ihnen nie gelungen, sich zu
früher ungeahnten kreativen Höhenflügen
aufzuschwingen. Auch Hofmann selbst probierte LSD nach
seinem ersten Trip mehrfach aus. Er war lange Zeit mit
dem Schriftsteller und Philosophen Ernst Jünger
befreundet und nahm mit ihm gemeinsam die Droge.
Jünger schilderte seine LSD-Erlebnisse in seiner
Erzählung "Besuch auf Godenholm". 

Bald allerdings zeigten sich auch die Schattenseiten
der psychedelischen Subkultur. Berichte von
mörderischen Horrortrips häuften sich. Sie handelten
von panisch erregten LSD-Schluckern, die sich etwa im
Wahn, fliegen zu können, von Brücken oder Hochhäusern
zu Tode stürzten. Andere, die sich im Irrgarten ihrer
Halluzinationen verlaufen hatten, waren in der
Psychiatrie gelandet - Grund genug für die Behörden,
die als "Wahnsinnsdroge" gebrandmarkte Chemikalie aus
dem Verkehr zu ziehen: LSD wurde in den sechziger
Jahren verboten. 

Heute ist LSD wieder interessant für Ärzte und
Psychotherapeuten: Die Schweizer Regierung hatte vor
zwei Jahren eine Pilotstudie mit schwer kranken
Patientinnen und Patienten bewilligt. Ziel ist,
herauszufinden, ob LSD einen positiven Effekt für die
Psychotherapie haben kann. Auch soll erforscht werden,
ob LSD ohne Risiko eingenommen werden kann. Vor dem
weltweiten LSD-Verbot waren viele Studien durchgeführt
worden, die erste in der Schweiz 1947. Auch hatten
Forscher aus aller Welt zum 100. Geburtstag Hofmanns
einen Appell für einen unvoreingenommenen Umgang mit
LSD und verwandten Stoffen lanciert.

lub/AP/dpa 
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,druck-550669,00.html




      
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