----- Original Message -----
From: Henry Malon
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Sent: Monday, June 02, 2008 11:49 PM
Subject: [juenger_org] AW:[Jünger-Rundbrief] Fröschle: Baeumler und Jünger
Liebe Juenger-Freunde:
Da seit ein paar Tagen eine himmlische Ruhe im Juenger Lager herrscht,
moechte ich mal etwas Schwung in den Laden bringen. Heute morgen las ich einen
Bericht in der "Welt" ueber Homoeopathie, der mich an einen Gedankenautausch
mit Monika Miller erinnerte. Ich hatte geschrieben:" Ich finde es
erstaunenswert, dass Ernst Juenger fuer 102 Jahre lebte, ueber Drogen schrieb,
- - - - - doch niemals ein einziges Medikament erwaehnt. Da Sie ja so ein
ausgezeichnetes Verhaeltnis mit der Frau Juenger haben, koennten Sie bei der
naechsten Zusammenkunft mit der Dame "nonchalant" - "diplomatisch" -
"hintenrum" mal fischen, welche Medikamente der Herr zu sich nahm."
Monika Miller antwortete:" Ich brauche wegen der Medikamente nicht bei
Liselotte fischen gehen. E.J. waren Medikamente zuwider.Allenfalls
homoeopathische Praeparate waren erlaubt. Alles andere wurde in den Muell
geworfen, falls sich ein Arzt sich nicht von E. J. ueberzeugen liess. Er nahm
manchmal ein Schlafmittel - Rohypnol - ansonsten nur jeden Tag Tebonin , also
ein Ginkgo Praeparat, das gut fuer das Gehirn sein soll. Er war ja gesund - und
wenn er mal eine Erkaeltung hatte, wurde sie mit Hausmitteln auskuriert, denn
eine Erkaeltung dauert mit Medikamenten eine Woche." Tant mieux.
Mit den herzlichsten Gruessen aus dem Land der ziegelsteinroten Irokesen, der
glitzernden Gewaesser und des maechtigen Manitous - Unvergleichlich Heinrich.
Danke für diese Angaben - hochinteressant!
Überrascht bin ich keineswegs; Ernst Jünger war "elementar gesund", um es mal
so zu nennen.
Zufällig bin ich gerade dabei, im "Zweiten Pariser Tagebuch" zu lesen: welch
ein Tiefgang - wie oberflächlich erscheint dagegen ein grosser Teil unserer
Gegenwartsliteratur in ihren kurzgeschlossenen Kreisläufen.
Jedenfalls steht unter Paris, 10.Juli 1943:
"Gefastet. Ich fühle, dass das künstliche Leben dieser Stadt mir auf die
Dauer nicht bekommt"
E.J. nannte das Fasten "Grosse Medizin"
Paris, 13. Juli 1943
Da erfährt er, dass er nicht nach Russland darf und weiterhin in der Stadt
ausharren muss. Dabei hätte er sich gerne "ausgelüftet" wie er sagt, und dass
"Cäsars Rezept der langen Märsche" ihm "nottäten".
E.J. ist viel zu Fuss gegangen und wusste um den gesundheitlichen Aspekt der
langen Märsche.
In irgendeinem Interview zu seinem hundertsten Geburtstag erfuhr ich, dass er
Abschied nehmen wollte von seiner jahrzehntelangen Gewohnheit jeden Morgen,
sommers wie winters, ein Bad zu nehmen in eiskaltem Wasser.
E.J. wusste um die Heilkraft des Wassers, alles was Kneipp wusste.
Ich erinnere mich, der Interviewer hatte ihn beobachtet, als er gerade in den
See stieg um eine Runde zu schwimmen, es war März oder April. Jedenfalls fragte
der Journalist: "Ist das Wasser nicht zu kalt um diese Jahreszeit?"
Typisch Ernst Jünger die Antwort:
"Ich weiss es nicht; ich habe die Temperatur nicht gemessen"
Grüsse an den Grossen Manitou
Richard