Liebe Juenger-Freunde: Da mein letzter Brief guten Anklang fand, habe ich heute ein Thema, das ich in einem Briefaustausch mit Monika Miller-Vollmer behandelte. Ich hatte geschrieben: "Ernst Juenger schreibt:" Der vegetarische Mensch hat komische Angewohnheiten, die meist eine besondere Empfindsamkeit voraussetzen. Diese Eigenschaft ist solchen Figuren guenstig, da sie vor Gefahren warnen. Hysterische Zuege fehlen nicht. Das Bild meiner Mutter ist erstaunlich fuer den lunarischen, somnabulischen Typ." GES. WERKE. Band 11. 272. Wie Sie sehen , Frau Miller-Vollmer, betrachtet Juenger in dieser Passage seine Mutter als "vegetarisch, komisch, hysterisch, lunarisch und somnambulisch." In allen seinen Schriften wird aeusserst wenig ueber die Mutter gesagt. Hat er jemals seine Mutter zu Ihnen erwaehnt? Wissen Sie, ob er sie jemals in der Ostzone besucht hat? Hat er jemals etwas ueber ihren Vegetarismus, Hysterie, komische Angewohnheiten , Somnabulismus und das Lunarische erwaehnt? Im Gegensatz schreibt Friedrich Georg so allerhand ueber die Mutter in den GRUENEN ZWEIGEN UND IM SPIEGEL DER JAHRE.
Frau Miller-Vollmer antwortete:" Ich glaube nicht, dass Frau Juenger Vegetarin war. Wie kommen Sie darauf? Juenger hatte eine sehr liebevolle , enge Beziehung zu seiner Mutter, die ja als Katholikin die Kinder praegte - ich meine damit die Art und Weise zu leben, und zu essen und zu trinken, und also zu geniessen. Ob E.J. seine Mutter nach dem Hausbau nochmals besuchte, weiss ich nicht, - sie starb am 20. Dezember 1950. Ab 1948 wurde die Grenze in die sowietische Besatzungszone dichtgemacht, es war also schwierig nach Sachsen (Leisnig) zu reisen. Der Bruder Wolfgang ging noch rechtzeitig nach West-Berlin, der Bruder Hans jedoch blieb bei der Mutter in Leisnig, sie durften in der Loewenapotheke wohnen bleiben, obwohl die SBZ das Haus beschlagnahmt hatte. Hans starb starb 1976 (geb. 1905) , der Bruder Physikus" schaffte es irgendwie aus der Planwirtschaft abzusondern. Er lebte von Nachhilfestunden und Orgel spielen. Ich erfuhr erst spaeter, dass E.J. seinen Bruder immer finanziell unterstuetzte - auch fuer die Graeber sorgte. Soweit der Briefwechsel. P.S. Ich habe schon monatelang versucht einen Brief an Tobias zu richten - aber jeder Versuch war erfolglos. Selbstverstaendlich erhalte ich alle seine hochinteressanten Beitraege und danke ihm herzlich. Bis demnaechst verbleibe ich im Lande der kirschroten Irokesen. der ziegelsteinroten Abenakis, der glitzernden, sprudelnden Gewaesser, und des maechtigen Manitous - unvergleichlich Heinrich. willi
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