Ich wüsste noch gerne mehr zur Genese des Projekts:
Wie hat er angefangen ? Wie kamen  Leute dazu ?
Hat es schon eine Grüße erreicht, so dass sich das Projekt ohne ihn 
selbst trägt ?
Wie ist die Gruppe, die das Projekt trägt,  strukturiert ?
Welche Modi der Zusammenarbeit gibt es: ist alles indirekte Kommuniktion 
oder gibt es
Face2Face-Treffen der beteiligten.

Herzliche Grüße,
Thomas


Benni Bärmann schrieb:
> Hallo!
>
> Hier die ersten Antworten von Rolf. Er hatte es zwar auch CC an die 
> Liste geschickt, aber das funktioniert ja nicht von aussen, deshalb 
> nochmal von mir. Interessant sind vielleicht noch ein paar Nachfragen 
> zum Finanzierungsmodell. Habt ihr sonst noch Ideen? Er benutzt ein paar 
> Fachwörter, aber die können wir einfach verlinken, denke ich und müssen 
> die nicht im Interview extra ausklamüstern.
>
> Grüße, Benni
>
> -------- Original-Nachricht --------
> Betreff:      Re: Interview
> Datum:        Mon, 12 Nov 2007 19:09:47 +0100 (CET)
> Von:  Rolf Sander <[EMAIL PROTECTED]>
> An:   Benni Bärmann <[EMAIL PROTECTED]>
> CC:   [email protected]
> Referenzen:   <[EMAIL PROTECTED]>
>
>
>
> Hallo Benni,
>
>> unsere Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen.
>
> Äh, wie du siehst, bin ich auch nicht besonders schnell :-(
>
>> Mal gucken, wie oft es hin-und-her-geht, ich werd dann am Schluß
>> nochmal eine Zusammenfassung machen mit Vorspann und so und die von
>> Dir autorisieren lassen.
>
> Ja, das klingt gut. Hier sind schon einmal ein paar Antworten:
>
>> Achja, nochwas. Hast Du vielleicht ein Foto von Dir was wir dazu 
>> veröffentlichen können? Möglichst schon digital natürlich.
>
> Hmm. Ich werde mal was passendes heraussuchen...
>
>> - Seit wann gibt es das Projekt, wie kam es zur Gründung und was ist
>> das Hauptziel?
>
> Unsere Zeitschrift "Atmospheric Chemistry and Physics" (ACP) gibt es
> seit 2001. Bei der Gründung kamen 2 Ideen zusammen: Erstens wollten wir
> eine open access Zeitschrift, und zweitens wollten wir mehr Transparenz
> im Gutachterprozess. Ich nehme an, mit open access kennt ihr euch ja gut
> aus. Aber bei dem traditionellen Gutachterprozess in den
> Naturwissenschaften vielleicht nicht. Also hier ein paar Infos, wie es
> bisher war:
>
> 1) Der Autor reicht ein Manuskript ein.
> 2) Der Editor sendet es an ca. 2 anonyme Gutachter.
> 3) Diese schreiben Gutachten, die nur der Editor und evtl. der Autor zu
>     sehen bekommen.
> 4) Der Editor entscheidet, ob das Manuskript publiziert oder abgelehnt
>     wird.
>
> Bei ACP dagegen sind die Gutachten und auch das ursprüngliche Manuskript
> öffentlich. Dadurch wird verhindert, dass nichtwissenschaftliche Aspekte
> eine Rolle spielen bei der Bewertung des Manuskriptes. Schliesslich
> traut sich nur selten jemand, öffentlich dubiose Behauptungen
> aufzustellen. In nichtöffentlichen Briefen zwischen Editoren,
> Gutachtern, und Autoren ist das schon eher möglich.
>
>> - Wie funktioniert das Projekt praktisch, kannst du einen normalen
>> Ablauf beschreiben?
>
> Vom Einreichen des Manuskriptes bis zur Veröffentlichung des endgültigen
> Artikels passiert Einiges. Das ist hier recht ausführlich beschrieben:
>
> http://www.atmospheric-chemistry-and-physics.net/review/index.html
>
>> Was läuft gut, was weniger gut?
>
> ACP ist inzwischen sehr gut angenommen in den Atmosphärenwissenschaften.
> Dies zeigt sich zum Beispiel an dem hohen "Impact Factor", der zur Zeit
> bei 4.362 liegt.
>
> Ein Problem ist im Moment, dass wir sehr viele Manuskripte zugeschickt
> bekommen, und nicht in jedem Fall schnell ein Editor dafür zur Verfügung
> steht.
>
>> - Seht ihr euer Projekt als Teil von etwas Größerem, dass vielleicht
>> auch irgendwann einmal in anderen Bereichen der Gesellschaft
>> Veränderungen herbeiführen könnte?
>
> In den Naturwissenschaften geht der Trend (langsam aber sicher)
> eindeutig zu open access. Ob das auch auf andere Bereiche der
> Gesellschaft zutrifft, kann ich nicht sagen.
>
>> - Plant ihr den weiteren Ausbau des Projektes?
>
> 2001 haben wir in den Atmosphärenwissenschaften mit ACP angefangen, und
> seitdem sind von der Europäischen Geophysikalischen Union (EGU) noch
> etliche weitere Zeitschriften hinzugekommen, die nach dem gleichen
> Prinzip arbeiten. Siehe:
>
> http://www.copernicus.org/EGU/publication_overview.html#OpenAccessJournals
>
>> - Wie kann man sich an eurem Projekt beteiligen?
>
> Alle Atmosphärenwissenschaftler können sich beteiligen, indem sie als
> Autor Manuskripte einreichen, oder als Gutachter diese eingereichten
> Manuskripte bewerten.
>
>> - Habt ihr Kooperationen mit anderen Open-Access-Zeitschriften?
>
> Mit den anderen Zeitschriften der EGU (siehe oben) arbeiten wir eng
> zusammen. Schon alleine deshalb, weil wir ja auch alle beim selben
> Verlag sind (Copernicus-Verlag).
>
>> - Wie seht ihr insgesamt die Entwicklungstendenz von Open Access?
>
> Ich denke, es ist ein zwar langsamer Prozess, der aber einmal begonnen
> wurde und jetzt nicht mehr aufzuhalten ist. Zuerst waren einige Autoren
> skeptisch, weil sie für die Veröffentlichung ihrer Arbeit zahlen müssen
> (bei einigen Zeitschriften, die über Bibliotheks-Abos finanziert werden,
> kann man kostenlos veröffentlichen). So langsam aber wird allen klar,
> dass das Geld, das die Bibliotheken dadurch sparen, auch der Forschung
> wieder zugute kommen kann.
>
>> - Gibt es Reaktionen von konventionellen Zeitschriften auf euch oder
>> auf Open Access allgemein?
>
> Einige versuchen, als Trittbrettfahrer auf den rollenden Zug
> aufzuspringen, zum Beispiel mit dem "open-choice" Modell. Das scheint
> mir aber nicht sehr Erfolg versprechend zu sein.
>
>> - Hat eure Zeitschrift oder Open Access allgemein das Klima in der
>> Wissenschaftlergemeinde verändert? Wenn ja, wie? Gibt es mehr
>> Konkurrenz oder weniger? Mehr Zusammenarbeit oder weniger?
>
> Es ist vielleicht noch zu früh, das zu beantworten. Aber ich glaube, es
> ist mit open access einfacher, auch Wissenschaftler aus
> Entwicklungsländern mit einzubeziehen, die zwar einen Internetanschluss
> haben, aber nicht das Geld, teure Zeitschriften zu abonnieren.
>
>> - warum sind im Diskussionsforum nur so verdammt wenige Beiträge?
>
> Man darf das nicht mit dem "typischen" Internet-Forum vergleichen,
> sondern mit dem, was in den Wissenschaften sonst üblich war. Früher
> schrieben in der Regel zu jedem Manuskript 2 Gutachter ihre Meinung.
> Auch in ACP gibt es oft nur 2 Kommentare. Aber alles, was darüber
> hinausgeht, ist bereits eine Verbesserung der wissenschaftlichen
> Diskussion im Vergleich zu vorher.
>
>                  Viele Grüße
>                        Rolf

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