Liebe Mitleser

zu Bernhard:
Aus SICHERER Quelle, von Firmen, die automatische Spracherkenner herstellen,
und damit die Wortschätze der Population ihrer Zielsprecher genau kennen 
müssen,
damit sie (akustische) Laut-Korpora, Sprach-Korpora und statistische 
Wortlexika
herstellen können, geht folgendes hervor:

Der durchschnittliche Wortschatz eines US-Amerikaners beträgt ca. 800 
Wortstämme
ohne Eigennamen.
(Das sind die Wortkerne ohne Flexion, d.h. Beugung, Deklination, 
Ein/Mehrzahl usw)
Die Flexion bringt etwa einen Faktor 3-4 (zur genaueren Differenzierung 
der Kommunikation).

Der durchschnittliche Wortschatz eines Deutschen beträgt (heute immer 
noch) ca. 4500
Wortstämme (ohne Eigennamen)
Die Flexion bringt im Deutschen einen Faktor von ca. 10,5

Der Gesamtwortschatz einer Muttersprache spielt hierbei keine Rolle. Es 
geht um
die konkreten Sprecher unserer Generation.

- natürlich gibt es gebildete US-Amerikaner, deren Wortschatz bis 15 000 
Wortstämme gehen
kann. Es handelt sich bei den 800 um einen Durchschnittswert.
- das Gleiche gilt für gebildete Deutsche, deren Anteil signifikant 
höher ist, das geht aus
der Statistik hervor.

- der Wortschatz von Goethe betrug ca. 22 000 Wörter, der von Thomas 
Mann ca. 16 000

Den durchschnittlichen US-Wortschatz kann man als "das Globalenglisch" 
bezeichnen,
das alle für " Englisch " halten, insbesondere weniger gebildete Deutsche.

Dieses Globalenglisch ist nicht etwa ein Evolutionsprodukt von 
Ungebildeten, sondern
wurde, ausgehend von Ogden's Basic English von verschiedenen Instituten in
England und USA weiterentwickelt, so daß es eine gewisse Orthogonalität 
und Mächtigkeit
besitzt. Trotzdem ist es eine Sprache, in der man kaum über wirklich 
interessante
Probleme (z.B. Glauben, Kultur, Evolution, Demokratie, Liebe, Politik) sehr
differenziert sprechen kann und so zu Ergebnissen kommen kann, die weit über
Lieschen Müller vor dem Fernseher hinausgehen.

Dieses Globalenglisch ist auch Gegenstand der überwiegenden Mehrzahl der
linguistischen Arbeiten auf der Welt, so daß es eines Tages die Möglichkeit
bietet, automatisch inhaltlich erfaßt zu werden, dann ist mittels www, 
Telefon-
und eMail-Überwachung der total überwachte Mensch Wirklichkeit.
Sind wir nicht alle Freunde?

Dieses Globalenglisch wird vor allem in den "modernen" englischsprachigen
Nationen gesprochen: Kanada, Australien, Indien usw.
Und natürlich von all "unseren" Wissenschaftlern, die sich brüsten,
richtig "Englisch" zu können. Bitte lest den Artikel, den ich meiner
ersten eMail beilegte.

Zu Konrad: Ich habe mit meiner Kritik an der englischsprachigen Konferenz
von Deutschen für Deutsche niemanden verletzen wollen.

Jedoch fordere ich von einer in Deutschland mit  Beteiligung überwiegend
von Deutschen für Deutsche abgehaltenen Konferenz, die genau von diesen
Deutschen bezahlt wird, daß sie in IHRER Muttersprache abgehalten wird.
Unsere Muttersprache ist die beste Wissenschaftssprache der Welt,
und sie bedarf dringend des sprachlichen Engagements ihrer Fachleute
und Wissenschaftler, damit diese Eigenschaft nicht verlorengeht.

Lieber Konrad, deshalb fordere ich von Dir auch Respekt für die
80% im Schlips. Denn genau diese wollen was lernen, und sie bezahlen.
Wahrscheinlich bezahlen von den 20% nicht mal alle.

Wenn ausländische Teilnehmer dabeisind, und uns deren Engagement
wichtig ist, so können diese selbstverständlich
- erstens ihre Vorträge selbst auf Globalenglisch halten (da wird keiner 
was sagen)
- zweitens einen Übersetzerdienst gestellt bekommen

Das war früher auf allen solchen Konferenzen so, und das wäre heute
auch möglich. Wir sind nicht ärmer geworden.

Sonst ist die Mehrzahl der Veranstaltungen "IMHO"  (für die 80%)
(fast) sinnlos.

Wir sind nicht eine so schlechte Informatik- und Linux-Nation, daß
wir jetzt verzückt NUR an den Mündern unserer US-amerikanischen
Götter hängen müßten und sie durch sprachliche Unterwürfigkeit
gewogen machen. Ein Ritual zum Herlocken der Götter?

Es sind sehr viele sehr gute deutsche Spezialisten dabei, deren 
Geheimwissen
aufgrund ihrer unverständlichen Vorträge leider den 80 Schlipsprozent wieder
vorenthalten bleibt.

Viele Grüße von Klaus

Bernhard Schiffner schrieb:
> On Thursday 29 October 2009 10:36:55 Klaus Daessler wrote:
> ...
>   
>> Natürlich können alle Sachsen "richtig Englisch" (außer mir,
>> trotz mehrerer Jahre US-Aufenthalt)!
>> Siehe auch:
>> http://www.adawis.de/admin/upload/navigation/data/FAZ%20zu%20Sprachen%20ohn
>> e%20Grenzen%2023.9.09-2.pdf
>>
>> sie ju nott sehr
>> Klaus
>>     
>
> Eigenes Erlebnis:
> Ein Sachse, der länger in den USA lebte, forderte in einer Druckerei  bei 
> Dayton / Ohio einen Schwarzen auf, die Druckmaschine schneller laufen zu 
> lassen:
>
> "Nu _run_ ä mal die _press_ ä biss'l _faster_!"
> (englische Wörter ausgezeichnet)
>
> Hat wunderbar geklappt. Alle waren zufrieden. Und es wäre eine interessante 
> Diskussion, ob alle englisch formulierende US-Amerikaner sich als _englische_ 
> Muttersprachler bezeichnen dürfen.
>
> Klar ist das mitunter sehr komisch. Trotzdem Respekt und Zurückhaltung.
>
> Herr Torvalds hat sein Diplom(?) wohl auch in Englisch statt Schwedisch 
> gemacht.
>
> Und nebenbei: Wenn Du schon nicht perfekt bist, dann eben ich:
> Nobody is perfect without me!
> :-)
>
> Mit dringender Bitte, die Tatsache der erfolgreichen Kommunikation und deren  
> Ergebnis höher zu bewerten als deren aktuelle Form!
>
> Bernhard
>
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> Lug-dd maillist  -  [email protected]
> https://ssl.schlittermann.de/mailman/listinfo/lug-dd
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