Hi Christopher,

super Beitrag, Danke für die tolle Zusammenstellung. 

Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen: Federated Authn+Authz ist kritisch 
(ich will nächstes Jahr mal eine Veröffentlichung zu DiD machen). 
ADS ist komplex mit den Beziehungen. SAML als Format ist kritisch [1], MSChap 
ist Murks [2], naja zu oAuth2 und OPIDC will ich nicht viel sagen. 

Und dito mit der Weihnachtszeit!

mfg.
--eh. 

[1] 19. DFN Tagung Hamburg
[2] https://www.youtube.com/watch?v=qjBHTS6BKX4


> Am 19.12.2020 um 14:48 schrieb Christopher J. Ruwe via members 
> <[email protected]>:
> 
> Hi,
> 
> Herr Schneier [1] hat einen ausgesprochen interessanten Link auf ein
> NSA Security Advisory [2] verteilt, das sich direkt auf die Solarwinds
> Orion Problematik bezieht und wegen des sehr spezifischen Fokus auf
> doch sehr direkt benannte on-site SSO-Systeme und deren Anbindung an
> Cloud Systeme einige interssante Anhalts-Punkte bietet.
> 
> Ich greife mal einige Anteile heraus.
> 
>> In the first TTP, the actors compromise on-premises components of a
>> federated SSO infrastructure and steal the credential or private key
>> that is used to sign Security Assertion Markup Language (SAML)
>> tokens.
> 
> Da waren offenbar mehrere (ob Solarwinds auch oder nur deren Kunden
> ist hier für die Überlegung irrelevant) nicht in der Lage, eine selbst
> betriebene Komponente sicher zu betreiben - bitter, wenn es sich dabei
> um _den_ Trust-Anchor für die komplette eigene Infrastruktur handelt.
> 
> Wenn ich an mein kürzliches Erlebnis mit einer mittelständigen Bank
> denke, die einzelne Systeme mit LDAP ohne TLS an das AD angeschlossen
> hatte, vermutlich eher der Standard. Ob mein damaliger Bericht
> diesbezüglich korrekt bearbeitet wurde, kann ich nicht bewerten; wenn
> ich aber gefragt werden würde, vermutete ich angesichts des völligen
> Unverständnisses der Verantwortlichen über die Auswirkungen eines
> solchen Aufbaus eher, daß nicht.
> 
>> Microsoft Active Directory Federation Services (ADFS)® is an
>> identity federation technology used to federate identities with
>> Active Directory (AD)®, Azure Active Directory (AAD)®, and other
>> identity providers, such as VMware Identity Manager.
> 
> Jetzt wissen wir auch, welche Systeme hauptsächlich angegriffen
> werden. Daß die Firma Winzigweich als eine der ersten bereits vor
> einer Woche dazu ausführlich ein Advisory publizierte [3], stützt
> diese meine Vermutung.
> 
>> By abusing the federated authentication, the actors are not
>> exploiting a vulnerability in ADFS, AD, or AAD, but rather abusing
>> the trust established across the integrated components.
> 
> Na ja. Ob ich diesem Abstreiten folgen möchte, weiß ich nicht.
> Unstrittig gehören die Bediener und Nutzer mit zum System. Ich
> selbst habe noch kein AD aufgesetzt, wenn ich aber beobachte, wie
> zusammengeschustert die AD-Systeme bei meinen Kunden aussehen, ist es
> offenbar nicht trivial.
> 
> Man muß sich schon die Frage stellen, ob ich als größerer Software-
> Vendor eine Beurteilung der Komplexität meiner Produkte iVm der
> marktüblichen Fachkompetenz vornehmen müsste. Ich kann auch nicht
> kleinen Kindern hochperformante Elektrofahrräder für deren Schulweg in
> die Hand drücken und dann, wenn sie sich dabei aus Versehen tot
> gefahren haben, rechtfertigen, daß sei ja gar nicht mein Produkt
> gewesen, sondern ein Bedienerfehler.
> 
> Ich bin mir noch unschlüssig, aber aus dem Bauchgefühl heraus waren
> die Sicherheitsvorfälle mit den heftigsten Auswirkungen in den letzten
> Jahren alle mit entweder Microsoft Active Directory, Microsoft
> Exchange oder Microsoft SMB verbunden.
> 
>> Due to the popularity of ADFS, numerous actors target ADFS, as well
>> as other identity providers trusted by ADFS (T1199),to gain access
>> to cloud services,such as Microsoft Office 365.
> 
> Nur wegen deren Popularität oder vielleicht auch wegen des Mismatches
> der Komplexität der AD Federation und der Kompletenz der Bediener? Ich
> habe mal eine AWS-Umgebung an das AD eines Kunden angeschlossen, das
> war ein entsetzliches Hin-und-Her, weil ich erst im dreiunddrölfigsten
> Versuch und nach Eskalation an deren Team-Lead die paar Parameter, die
> ich zur Einrichtung brauchte, bekommen hatte und sich danach niemand
> die Mühe machen wollte, daß mit mir ordnungsgemäß zu testen.
> 
> Ich kann nicht Leuten "nur zur Selbstverteidigung" eine Knifte in die
> Hand drücken, wissend, daß die Mumpel mit hoher Wahrscheinlichkeit in
> deren eigenen Fuß (unangenehm wegen der Knochen) oder im A... (wenig
> problematisch, meistens nur Fleischwunde, es sei denn bei Treffer
> Zielmitte) landen wird. Oder in anderen Unbeteiligten ...
> 
>> Consider using Azure Active Directory as the Authoritative Identity
>> Provider
>> 
>> By consolidating identity and access natively in the cloud, tenants
>> relieve themselves from the burden of managing the federation of
>> authentication and the on-premises service, and gain more of the
>> protections that the cloud provider has in place, including system
>> hardening, configuration and monitoring. The drawback of doing this
>> is that SSO may not work across on-premises and cloud resources and
>> the tenant must trust the cloud provider to host user credential
>> information.
> 
> Schöner Abschluß: Kunden sind zu doof, Software zu betreiben (nix
> Neues). Dann gebt das lieber in die Cloud, selbst wenn das bedeuten
> würde, daß Ihr die Fähigkeit on-premises völlig verliert, und dem
> Cloud-Provider vertrauen müßt.
> 
> Ausgesprochen unangenehm finde ich nun, daß es die NSA ist, die dieses
> Advisory verteilt. Der letzte Absatz klingt für mich fast schon, als
> sei die Aussage "liefert Euch lieber uns aus als den Russen oder Nord-
> Koreanern".
> 
> Ich möchte einen Punkt meiner Ausführungen aus dem November auf-
> greifen, weil ich Christians Frage, ob es Keycloak auch "as a Service"
> gebe, im Fokus meines Vortrags zu eng aufgefaßt habe. Ich kenne zwar
> immer noch nicht "Keycloak as a Service", die ganzen Cloud Identity-
> Systeme gibt es natürlich sehr wohl "as a Service". Im Hintergrund
> verwenden die auch entweder SAML oder OAuth2/OIDC.
> 
> Ungeachtet dieser Korrektur bleibe bei meiner Haltung, die ich auch
> bei meinem Vortrag im November geäußert habe: Authn & Authz gehören
> dann nicht in fremde Hände, wenn die Informationen, die ich damit
> schütze, mehr als nur oberflächlich schutzwürdig sind. Dann muß ich
> halt zu diesem Zweck Kompetenz beschaffen und vorhalten.
> 
> Wenn der Deckungsbeitrag das nicht her gibt, dann ist die Schutz-
> würdigkeit wahrscheinlich doch nicht so hoch.
> 
> Euch allen viele Grüße und eine angenehme Weihnachtszeit,
> --
> Christopher
> 
> [1]: https://www.schneier.com/
> [2]: 
> https://media.defense.gov/2020/Dec/17/2002554125/-1/-1/0/AUTHENTICATION_MECHANISMS_CSA_U_OO_198854_20.PDF
> [3]: 
> https://blogs.microsoft.com/on-the-issues/2020/12/13/customers-protect-nation-state-cyberattacks/
> 
> 

Dr. Erwin Hoffmann | FEHCom | http://www.fehcom.de | PGP Key-Id 7E4034BE







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