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MorgenWelt HEUTE vom 15.6.2001
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1. Dritte Welt: Immer mehr gefaelschte Arzneimittel
2. Europa: Leben ohne Sonnenlicht
3. Thermalkraftwerk fuer billigen Sonnenstrom
4. Fernsehwerbung weckt Kinderwuensche
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Dritte Welt: Immer mehr gefaelschte Arzneimittel

In den Entwicklungslaendern kommen immer mehr gefaelschte Medikamente
in Umlauf. Die hohe Zahl falscher oder qualitativ schlechter
Praeparate sei besorgniserregend, warnen zwei internationale Studien
im Fachmagazin "The Lancet".

In der ersten Studie untersuchten britische und thailaendische
Forscher Medikamente gegen Malaria und Tuberkulose sowie eine Reihe
von Antibiotika. Dabei stiessen sie unter anderem auf wirkungslose
Faelschungen und auf Ware, die durch falsche Lagerung unbrauchbar
geworden war. Die Praeparate wurden bei Recherchen in Burma,
Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam entdeckt.

Die Untersuchungen ergaben, dass durchschnittlich 38 Prozent der
angeblichen Malaria-Medikamente wirkungslos waren. In Thailand
stiessen die Forscher auf 11 Prozent Faelschungen, in Vietnam waren
fast Zweidrittel (64 Prozent) aller Praeparate unbrauchbar. Das
Problem wurde erst durch die hohen Sterberaten der Patienten bekannt.

Im zweiten Fall untersuchten schottische Forscher 581 Proben von 27
verschiedenen Arzneimitteln in Afrika. Die Malaria- und
Tuberkulose-Praeparate waren in Lagos and Abuja in Nigeria erworben
worden. Nur rund Haelfte der Praeparate entsprach internationalen
Standards. Die andere Haelfte (48 Prozent) enthielt nicht die
angegebene Menge an Wirkstoffen. Es wurden sowohl UEber- wie
Unterdosierungen festgestellt.

Die Autoren der Studie bemaengeln, dass die Herstellung von
Arzneimitteln in Entwicklungslaendern meist unzureichend ueberwacht
werde. Durch derartige Produkte werde einerseits die Gesundheit der
Patienten gefaehrdet, andererseits die Bildung resistenter Erreger
beschleunigt, sagen die Forscher.
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Europa: Leben ohne Sonnenlicht

Kann es Leben geben an Orten, wo niemals die Sonne scheint? Diese
Frage stellt sich den Astrobiologen angesichts des unter einem
kilometerdicken Eispanzer verborgenen Ozeans auf dem Jupitermond
Europa. Christopher Chyba und Kevin Hand vom SETI Institute in
Kalifornien beantworten diese Frage jetzt mit einem eindeutigen "Ja".
In der juengsten Ausgabe des Magazins "Science" beschreiben die
beiden Forscher, welche Energiequellen etwaigen Lebensformen in der
ewigen Dunkelheit von Europas Ozean zur Verfuegung stehen koennten.

Auf der Erde steht fuer fast alle Lebensformen die Umwandlung von
Licht in chemische Energie am Anfang der Nahrungskette. Doch das
Licht der - ohnehin fernen - Sonne kann den Eispanzer Europas nicht
durchdringen. Wie Chyba und Hand in ihrer Arbeit zeigen, koennten
hochenergetische Teilchen, beschleunigt im gigantischen Magnetfeld
Jupiters, die Aufgabe des Sonnenlichtes uebernehmen.

Die Partikel bombardieren den Eispanzer und erzeugen in ihm
molekularen Sauerstoff (O2) und Wasserstoffperoxid (H2O2). Diese so
genannten Oxidantien werden auf der Erde durch die Photosynthese
erzeugt.

Die Stoffe koennen dann, so Chyba und Hand, durch das Eis in die
Ozeane wandern und dort als Energielieferanten zur Verfuegung stehen.
Allerdings, so Chyba, "koennen wir nicht sicher sein, dass die
Oxidantien wirklich den Weg bis in das Wasser schaffen, selbst ueber
geologische Zeitraeume."

Doch es gibt auch noch andere Energiequellen, so die Forscher. Zum
Beispiel den Zerfall eines radioaktiven Kalium-Isotops, welches
sowohl im Eis als auch im fluessigen Wasser Europas vorkommt. Auch
bei diesem Prozess werde wieder O2 erzeugt - zwar weniger, als durch
die hochenergetischen Teilchen, aber genuegend, um die Biosphaere des
Jupitermondes zu versorgen.
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Thermalkraftwerk fuer billigen Sonnenstrom

Strom aus Sonnenenergie muss schon heute nicht mehr teurer als
herkoemmlich erzeugte Elektrizitaet sein. Diese Ansicht vertritt die
belgische Firma Solarmundo. Auf einer internationalen Pressekonferenz
stellte das Unternehmen diese Woche ein neu entwickeltes
solarbetriebenes Thermalkraftwerk vor. Vor allem in suedeuropaeischen
Laendern wie Spanien und Griechenland, so das Unternehmen, sei es
eine unerreicht guenstige Alternative fuer die Stromerzeugung.

Das Kraftwerk beruht auf einer Technik, die seit vielen Jahren
erfolgreich in Kalifornien eingesetzt wird. Das Sonnenlicht wird in
sogenannten Fresnelspiegeln eingefangen und auf einen Absorber
geleitet. Durch diesen Absorber, der bis zu 600 Grad Celsius heiss
werden kann, wird unter Druck Wasser geleitet und verdampft. Mit dem
Dampf wiederum wird dann einen Turbine angetrieben. In mehrjaehriger
Entwicklungsarbeit, so das Unternehmen, sei es gelungen, diese
Technologie zu einem aeusserst leistungsfaehigen und gleichzeitig
einfachen Stromerzeugungssystem weiterzuentwickeln und zu testen.

Bei einer derartigen Anlage in Aegypten erreichte das Unternehmen
Stromerzeugungskosten zwischen 4 und 7,5 Eurocents pro kWh. Damit, so
die Kraftwerkbauer, koenne die Sonnenenergie erstmals mit
herkoemmlich erzeugter Elektrizitaet konkurrieren. Als naechster
Schritt ist jetzt die Konstruktion eines 50 MW-Sonnenkraftwerks
geplant. Noch fehlen allerdings die Investoren, mit denen das
Unternehmen das Projekt verwirklichen kann.
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Fernsehwerbung weckt Kinderwuensche

Viele Produkte der modernen Warenwelt hat vor ihrer Markteinfuehrung
niemand vermisst. Aber zum Glueck gibt es die Fernsehwerbung! Sie
sagt uns heute, was wir uns morgen unbedingt kaufen wollen. Das
funktioniert schon bei Kindern: Wenn sie weniger Werbespots sehen,
wuenschen sie sich auch weniger neue Spielsachen. Hinweise darauf
wurden jetzt in den USA, der fuehrenden Fernsehnation, gesammelt.

Der durchschnittliche Jung-Amerikaner sieht rund 40.000 Werbespots
jaehrlich - das sind schon doppelt so viele, wie US-Kids in den 70er
Jahren ueber sich ergehen lassen mussten. Die Haelfte der
Werbefilmchen fuer das junge Publikum sind dem Spielzeug gewidmet.

Wie diese Werbeflut wirkt, haben Wissenschaftler der Universitaet von
Stanford an 200 Grundschuelern der 3. und 4. Klasse herausfinden
wollen. In mehreren Schulstunden konnten der Forscher Thomas Robinson
und sein Team die Schueler dazu ueberreden, ihren Fernseh-, Video-
und Computerspiel-Konsum stark einzuschraenken. Die beteiligten
Kinder sollten erst zehn Tage lang den elektronischen Medien ganz
entsagen und sich danach auf sieben Stunden Konsum pro Woche
beschraenken - fuer den Durchschnitts-Amerikaner eine echte
Herausforderung.

Am Ende der Studie wurden die Kinder gefragt, welche Spielsachen sie
im Fernsehen gesehen und sich von ihren Eltern gewuenscht hatten.
Begleitend wurden die Eltern gefragt, wieviel Spielzeug-Nachschub der
Nachwuchs angefordert hatte. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe,
die weiter ungebremst fernsehen durfte, konnten sich die enthaltsamen
Schueler tatsaechlich an weniger neue Produkte erinnern und hatten
weniger Wuensche formuliert.

Was die Hersteller beruhigen duerfte: Die Eltern hatten nach eigener
Einschaetzung die gleiche Menge Spielwaren gekauft wie vor dem
Experiment. Allerdings geben die Forscher zu bedenken, dass die
Versuchsgruppe zu klein gewesen sein koennte, um ein repraesentatives
Ergebnis zu erhalten. Rund 30 Prozent der Eltern nahmen zudem an der
telefonischen Befragung nicht teil. Um die widerspruechlichen
Ergebnisse zu ueberpruefen, sollen die Versuche in einem groesseren
Rahmen wiederholt werden.
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