MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 21.6.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Fluessige Murmeln 2. Wie die Fruchtfliege mit der Nase hoert 3. Huygens: Landung auf Titan verschoben 4. Go west: Mikroben reisen mit dem Wind ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Fluessige Murmeln Ein einfaches Pulver kann Wassertropfen bemerkenswerte Eigenschaften verleihen, berichten zwei franzoesische Physiker jetzt. Sie behandelten Baerlapp-Sporen mit einer Silizium-Verbindung und gaben dann etwas Wasser hinzu. Dabei entstanden vollstaendig von dem Pulver umhuellte Tropfen, die kugelgleich ueber eine Oberflaeche rollten, anstatt sie zu benetzen. Wie Pascale Aussillous und David Qu�r� vom Coll�ge de France, Paris, in "Nature" berichten, verhielten sich diese "fluessigen Murmeln" wie "weiche Festkoerper und zeigten eine dramatisch reduzierte Adhaesion zu einer festen Oberflaeche." So erreichten die Tropfen Geschwindigkeiten von bis zu einem Meter pro Sekunde, als Aussillous und Qu�r� sie eine schraege Flaeche hinunter rollen liessen. Dabei wurde die Zentrifugalkraft in ihrem Innern schliesslich so gross, dass sie sich zu einem Ring verformten und wie ein Autoreifen ueber die Unterlage rollten. Wie die Forscher schreiben, konnten sie die Troepfchen auch durch schwache elektrische und magnetische Felder in Bewegung versetzen. Die verblueffend einfache Herstellung der Kuegelchen und ihre geringe Haftreibung machen sie daher vor allem fuer die Mikrotechnik interessant. So koennten sie als Kugellager fuer Maschinen von der Groesse eines Stecknadelkopfes dienen. Und auf Silizium-Chips fuer die Analyse winziger Fluessigkeitsmengen koennten die beschichteten Troepfchen problemlos durch haarfeine Kanaele gleiten. ------------------------------------------------------------------- Wie die Fruchtfliege mit der Nase hoert Die Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) dreht ihre Nase, um zu hoeren. Dies berichten zwei Schweizer Zoologen jetzt. Sie entdeckten, dass Schallwellen die Antennen der Tiere in Rotation versetzen. Die Antennen oder Fuehler der Fruchtfliege bestehen aus drei Segmenten, wobei das aeusserste Segment zusaetzlich eine kleine, federartige Struktur traegt. Mit Hilfe von Laserlicht konnten Martin Goepfert und Daniel Robert von der Universitaet Zuerich zeigen, dass Schallwellen diesen Federbaum hin und her schwingen lassen. Die Kraft uebertraegt der Federbaum auf das aeussere Antennensegment und versetzt es dadurch in Rotation. Am Verbindungspunkt zum Nachbarsegment formt dieses Segment einen Haken, der sich abwaerts biegt. Die eigentlichen Hoerzellen liegen zu beiden Seiten dieses Hakens. Dreht sich das aeusserste Segment und damit der Haken, werden diese Sinneszellen abwechselnd gedehnt und gestaucht und so erregt. Wie die Forscher in "Nature" schreiben, sei dieser Mechanismus mit einem Schluessel vergleichbar, der sich im Schloss dreht: Der Federbaum sei der Schluesselgriff, das aeussere Antennensegment die Schluesselachse und der Haken der Bart des Schluessels. Auf dem aeussersten Antennensegment sitzen gleichzeitig auch hunderte von Sinneshaerchen, mit denen die Fruchtfliege Gerueche wahrnimmt. Die Antennen sind also Nase und Ohr zugleich. "Da das Hoeren auf Rotation beruht, koennen diese beiden Sinnesmodalitaeten nebeneinander bestehen, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen", schreiben Goepfert und Robins. "Dies ist eine elegante Loesung der Evolution." ------------------------------------------------------------------- Huygens: Landung auf Titan verschoben Die europaeische Raumsonde Huygens soll nun erst im Februar 2005 auf dem Saturnmond Titan landen. Urspruenglich war die Landung bereits fuer Dezember 2004 vorgesehen. Huygens befindet sich gegenwaertig "huckepack" auf der amerikanischen Sonde Cassini auf dem Weg zum Saturn. Mit der Verschiebung der Landung hoffen die Raumfahrtexperten von Nasa und Esa Kommunikationsprobleme zwischen den beiden Sonden auszugleichen. Tests im vergangenen Dezember hatten naemlich ergeben, dass der in Europa entwickelte und gebaute Titan-Lander mit einem ebenso banalen wie fatalen Fehler behaftet ist. Dieser Fehler koennte dazu fuehren, dass Huygens beim Landeanflug auf Titan erheblich weniger Daten als geplant an Cassini uebertragen kann. Da sich Huygens und Cassini nach ihrer Trennung mit hoher Geschwindigkeit relativ zueinander bewegen, verschiebt sich die Frequenz der von Huygens ausgesendeten Signale. Dieser so genannte Dopplereffekt wird von den Forschern auch genutzt, um die Geschwindigkeit von Huygens zu messen. Wie sich bei den Tests im Dezember herausstellte, hat der Empfaenger an Bord von Cassini, ebenfalls von den Europaeern gebaut, jedoch eine zu geringe Bandbreite, um die frequenzverschobenen Signale zu empfangen. Durch die Aenderung der Bahnen der beiden Sonden soll nun der Geschwindigkeitsunterschied und damit der Dopplereffekt soweit verringert werden, dass eine moeglichst optimale Uebertragung der Daten gewaehrleistet ist. ------------------------------------------------------------------- Go west: Mikroben reisen mit dem Wind Eine Milliarde Tonnen afrikanischen Sand tragen die Winde jedes Jahr nach Nordamerika. Wenn die Staeube dort niedergehen, machen sie Asthmatikern und Lungenkranken das Leben schwer. Die uebrigen Amerikaner glaubten sich bislang nicht gefaehrdet. Jetzt warnen Geologen aus Florida, die afrikanischen Winde koennten auch Bakterien auf den nordamerikanischen Kontinent bringen. Dale Griffin und seine Kollegen vom Center for Coastal Geology hatten seit langem der These misstraut, nach der der Sand in der Atmosphaere durch die UV-Strahlen der Sonne sterilisiert werde. In der Regel brauchen die Winde fuenf bis sieben Tage, um die Strecke von Afrika nach Nordamerika zurueckzulegen. Potentielle Krankheitserreger koennen diesen Zeitraum unbeschadet ueberstehen, sagen die Forscher. Sie verweisen auf Sandproben, die sie auf St. John, einer zu den USA gehoerenden Jungferninsel oestlich vor Puerto Rico, gesammelt haben. Der aus Afrika stammende Sand wurde teils mikroskopisch untersucht, teils in Naehrloesung kultiviert. Dass sie bei ihrer Suche schliesslich auf lebende Mikroorganismen stiessen, ueberraschte die Forscher nicht. "Ich habe nie daran gezweifelt, dass Mikroben fuenf bis sieben Tage in der Atmosphaere ueberleben koennen", sieht sich Griffin bestaetigt. Er vermutet, dass die Organismen auf ihrer Reise durch hoehere Sand- oder Wolkenschichten vor den toedlichen UV-Strahlen geschuetzt werden. Der afrikanische Sand, der auf der Insel niederging, enthielt zwar keine unmittelbar gefaehrlichen Erreger. Zehn Prozent der gefundenen Organismen koennten aber bei Menschen mit geschwaechtem Immunsystem Krankheiten ausloesen, schreiben die Forscher im Magazin "Aerobiologia". In jedem vierten Mikroorganismus wollen die Geologen zudem einen potentiellen Pflanzenschaedling ausgemacht haben. Um auszuschliessen, dass die Erreger aus der naeheren Umgebung stammen, sollen jetzt weitere Proben in der gesamten "Einflugschneise" gesammelt und auf ihren afrikanischer Ursprung hin untersucht werden. ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt Media GmbH Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---------------------------------------------------------------------- Arbeit kann Nerven kosten. 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