MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 22.6.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Bluttest zur TB-Frueherkennung 2. Antibiotikum aus Viren 3. Das Sprachensterben greift um sich 4. Ohne Moertel: Bauen mit Pyramiden ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Bluttest zur TB-Frueherkennung Tuberkulose kann kuenftig schon erkannt werden, bevor die ersten Symptome auftreten. Moeglich wird die fruehe Diagnose durch einen Bluttest, den Wissenschaftler der Universitaet Oxford entwickelt haben. Das Verfahren soll den herkoemmlichen Tuberkulin-Hauttest ersetzen. Dieser Test liefert hin und wieder falsche Ergebnisse, wenn Patienten beispielsweise mit Tuberkulose-aehnlichen Bakterienstaemmen in Beruehrung gekommen sind. Das Verfahren aus Oxford ist genauer, weil es nach TB-Antikoerpern im Blut der Infizierten sucht. Diese werden nur dann von den Abwehrzellen gebildet, wenn das Immunsystem das spezielle Tuberkulose-Protein ESAT-6 registriert. Die Wirksamkeit des Bluttests wurde bereits an 50 gesunden Freiwilligen in einer Londoner Klinik nachgewiesen, schreiben die Forscher im Fachblatt "The Lancet". Die Kandidaten waren von Ajit Lalvani und seinem Team kontrolliert mit Tuberkulose in Kontakt gebracht worden. Der Bluttest soll kuenftig vor allem Aerzten, Pflegern und Angehoerigen von TB-Patienten sagen koennen, ob sie sich infiziert haben. Nach Schaetzungen der Forscher koennte schon jeder dritte Mensch weltweit mit Tuberkulose angesteckt sein. Die Krankheit bricht allerdings nur bei einer Minderheit der Infizierten aus und ist gut zu behandeln, wenn sie erkannt wird. Trotzdem sterben an der Tuberkulose jaehrlich etwa zwei Millionen Menschen. ------------------------------------------------------------------- Antibiotikum aus Viren Aus einem kleinen Virus koennten sich wirksame Antibiotika gegen resistente Bakterien entwickeln lassen, glauben texanische Molekularbiologen jetzt. Sie untersuchten ein auf Bakterien spezialisiertes Virus namens Q-beta. Dieser Bakteriophage befaellt E.coli-Bakterien, die fuer eine Reihe von Erkrankungen wie zum Beispiel Lebensmittelvergiftungen verantwortlich sind. Der Bakteriophage programmiert die Bakterien so um, dass sie neue Viren herstellen. Damit die neu produzierten Viren ins Freie gelangen und neue Bakterien infizieren koennen, sprengen sie die Zellwand ihres Wirtes. Dabei gehen sie oekonomisch und subtil zugleich vor, berichten Thomas Bernhardt und seine Kollegen von der Texas A&M University in "Science". Wo andere Bakteriophagen ein eigens fuer den "Ausbruch" konzipiertes Protein besitzen, nutzt Q-beta eines der Proteine aus seiner Schutzhuelle. Geraet ein Bakterienenzym fuer die Zellwand-Synthese in Kontakt mit der Virushuelle, wird es blockiert. Dadurch spart Q-beta nicht nur ein Protein ein, sondern stellt gleichzeitig sicher, dass die Bakterienzelle nicht vorzeitig aufbricht. Denn erst dann, wenn das Bakterium eine bestimmte Virus-Menge hergestellt hat, kommt seine Zellwand-Synthese vollstaendig zum Erliegen. Schon waehrend ihrer Experimente konnten die Forscher die Entstehung von resistenten Bakterien beobachten. Solche Bakterien produzierten zwar die Virusproteine, fuhren aber mit der Zellwand-Synthese fort. Dennoch koennte das Virusprotein der Ausgangspunkt fuer neue Antibiotika werden, glauben die Bernhardt und seine Kollegen. Proteine lassen sich naemlich auf einfache Weise immer wieder veraendern. Daher koennte das Protein so modifiziert werden, dass es auch gegen andere Bakterien als E.coli wirkt. Und gleichzeitig koennte die Pharmaindustrie stets mit aufkommenden Resistenzen Schritt halten. ------------------------------------------------------------------- Das Sprachensterben greift um sich Droht der Menschheit am Ende dieses Jahrhunderts die Sprachlosigkeit? Linguisten rechnen damit, dass bis zum Jahr 2100 zwischen 50 und 90 Prozent aller Sprachen aussterben werden. Die Sprachstatistik des "Summer Institute of Linguistics" erfasst 6.809 Einzelsprachen, die zur Zeit noch in Gebrauch sind. Etwa die Haelfte davon wird von weniger als 2.500 Menschen gelernt und weitergegeben. Halten die derzeitigen Trends an, werden in den naechsten Jahrzehnten zwischen 3.400 und maximal 6.120 Sprachen untergehen, wie Payal Sampat in der Zeitschrift "World Watch" berichtet. Etwa alle zwei Wochen geht ein ganzes Universum an Gedanken und Woertern unter. Die Ausbreitung der Verkehrswege und des Kommunikationsnetzes bedrohen die Ausdrucksvielfalt und den Reichtum menschlicher Kultur. Immer mehr Menschen wenden sich den grossen Sprachen zu, die haeufig nicht mehr als Muttersprache, sondern als Zweitsprache erlernt werden. Die vier groessten Sprachen sind das Mandarin-Chinesisch mit 885 Millionen Sprechern, Spanisch und Englisch mit jeweils etwa 330 Millionen und Bengali und Hindi mit jeweils ueber 180 Millionen Sprechern. Die groesste Sprachvielfalt ist zur Zeit noch in den Entwicklungsregionen der Erde anzutreffen. Nicht mehr als acht Laender stellen die Haelfte aller lebenden Sprachen: Papua Neuguinea, Indonesien, Nigeria, Indien, Mexiko, Kamerun, Australien und Brasilien. Ein Blick auf die regionale Verteilung bestaetigt, dass der gesellschaftliche Fortschritt die Zahl der Sprachen verringert: Waehrend in Europa nur noch 64 Einzelsprachen gezaehlt werden (in China sind es 51 Sprachgemeinschaften), schaetzt man die Zahl der afrikanischen Sprachen auf etwa 1.250. Fuer die suedamerikanischen Eingeborenenvoelker nimmt man etwa 2.100 Sprachen an. Die Ursachen fuer den Sprachentod sind vielfaeltig. Der Voelkermord an den Juden liess das Jiddische um 90 Prozent zurueckgehen. Fast um dieselbe Rate schwand jedoch auch die Zahl der Irisch-Sprechenden, weil ihre Muttersprache an Attraktivitaet als Verstaendigungsmittel verloren hatte. Gleichzeitig entstehen neue Sprachen: 79 Kreolen- oder Pidgin-Sprachen werden mittlerweile gezaehlt. Waehrend viele Laender immer noch restriktiv gegen kleine Sprachen vorgehen, haben Foerderprogramme dazu gefuehrt, dass fast vergessene Sprachen wieder zum Leben erweckt wurden: Nach Einfuehrung eines muttersprachlichen Schulunterrichts hat sich die Zahl der Hawaiianisch-Sprechenden inzwischen etwa verzehnfacht. Ohne die Sprachenvielfalt waere die Zukunft der Menschheit trotz verbesserter Kommunikation sehr viel aermer. ------------------------------------------------------------------- Ohne Moertel: Bauen mit Pyramiden Eine neues Architekturkonzept hat ein internationales Ingenieursteam jetzt vorgestellt. Dabei kann auf Moertel vollstaendig verzichtet werden. Die Technik arbeitet naemlich mit wenige Zentimeter grossen Tetraedern, Pyramiden mit dreieckiger Grundflaeche, die so angeordnet sind, dass sie sich gegenseitig an Ort und Stelle halten. Die einzelnen Bauelemente muten dabei wie die Steine eines dreidimensionalen Puzzles an, das in einen Metallrahmen gespannt ist. Die Eigenschaften eines solchen Puzzles ergeben sich allein aus der raeumlichen Anordnung der Elemente. "So koennte beispielsweise auf dem Mond ohne Moertel ein Bauwerk zusammengesetzt werden, das dem Einschlag grosser Meteoriten standhaelt", erlaeutert Juri Estrin, Werkstoffkundler an der Technischen Universitaet Clausthal. Wenn man eine Holzplatte mit geraden Schnitten zerteilt, entstehen einige "Schluesselelemente". Sofern diese an ihrer Position festgehalten werden, kann kein einziges der uebrigen Schnittstuecke verrutschen. Den Entwicklern des neuen Konzeptes ist es nun gelungen, dreidimensionale Strukturen zu finden, bei denen es keine solche "Schluesselelemente" gibt - jeder Baustein wird daher durch seine benachbarten Steine arretiert. Nur in den Randbereichen ist ein Ausbrechen moeglich, weshalb die Struktur von einem Stahlrahmen umschlossen wird. Die Forscher testeten die Festigkeit eines solchen Puzzles, das aus 100 Tetraedern mit einer Kantenlaenge von je einem Zentimeter bestand, indem sie mit einem Stempel eine immer staerkere Kraft auf die Struktur ausuebten. "Selbst wenn ein Element heraus gedrueckt wird, verliert die Konstruktion nicht ihre Stabilitaet", so Estrin. "Und je weiter der Stempel in die Konstruktion hinein gedrueckt wird, desto staerker wird der Widerstand gegen die Verformung." Besonders interessant an dem topologischen Konzept ist, dass es auf verschiedenen Groessenskalen anwendbar ist - von der makroskopischen Skala wie etwa im Bauwesen bis hin zur mikroskopischen Skala bei neuartigen Verbundwerkstoffen. ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt Media GmbH Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---------------------------------------------------------------------- Arbeit kann Nerven kosten. 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