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MorgenWelt HEUTE vom 28.6.2001
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1. Benzol: Neues aus dem Untergrund
2. Seeloewen bevorzugen Heringe
3. Unerschlossene Kapazitaet im Glasfaserkabel
4. Rote Blutkoerperchen als Krebskiller
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Benzol: Neues aus dem Untergrund

Bakterien entwickeln sich immer mehr zu wertvollen Verbuendeten im
Umweltschutz. Amerikanische Mikrobiologen entdeckten jetzt zwei
Bakterienstaemme, die einen ausgesprochenen Appetit auf Benzol
entwickeln. Fuer den Benzol-Abbau benoetigen die Mikroben der Art
Dechloromonas nicht einmal Sauerstoff, was sie fuer die Entgiftung
von sauerstoffarmen Bodenschichten und Gewaessersedimenten
praedestiniert.

John Oates und seine Kollegen von der Southern Illinois University in
Carbondale zogen Sedimentproben aus dem Fluss Potomac und aus einem
See auf ihrem Campus. Die Proben inkubierten sie dann unter
Sauerstoffabschluss in einem benzolhaltigen Naehrmedium. Unter diesen
Bedingungen vermehrten sich nur noch wenige Bakterienarten, unter
anderem die zwei Dechloromonas-Staemme.

Den Mikrobiologen gelang es, die Staemme zu isolieren und genauer zu
untersuchen. Wie sie in "Nature" berichten, bauen die als "RCB" und
als "JJ" bezeichneten Staemme Benzol zu Kohlendioxid und Wasser ab.
Fuer ihre Atmung verwenden sie dabei Nitrat anstelle von Sauerstoff.
"RCB" kann statt Nitrat aber auch Perchlorat veratmen, was ihn fuer
die Reinigung von Boeden gleich doppelt interessant macht.

Benzol wurde lange Zeit als Loesungsmittel in der chemischen
Industrie eingesetzt. Mittlerweile hat man zwar Ersatz fuer die
Chemikalie gefunden. Vor allem mit Auspuffabgasen gelangt sie jedoch
immer noch in die Umwelt. Die Substanz loest Krebs aus und schaedigt
das Knochenmark. Unter natuerlichen Bedingungen wird sie nur sehr
langsam abgebaut.

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Seeloewen bevorzugen Heringe

Die Massnahmen zum Schutz der Seeloewen gehen moeglicherweise in die
falsche Richtung, behaupten amerikanische Biologen jetzt. Bislang war
angenommen worden, dass Seeloewen sich waehrend der Wintermonate
hauptsaechlich vom Pazifischen Pollack - besser bekannt als
Alaska-Seelachs - ernaehren. Daher war die Ausbeutung dieser Fische
eingeschraenkt worden, um den bedrohlichen Rueckgang der Seeloewen
aufzuhalten. Nun beobachteten die Forscher jedoch, dass Seeloewen
Heringen den Vorzug geben

Gary Thomas und Richard Thorne vom Prince William Sound Science
Center in Cordova, Alaska, verwendeten dazu Infrarotkameras, wie sie
auch vom Militaer eingesetzt werden. So konnten sie Steller'sche
Seeloewen (Eumetopias jubatus) und ihre potenziellen Beutefische bei
Nacht beobachten. Zu dieser Zeit, berichten die Forscher in "Nature",
gingen die Seeloewen bevorzugt auf Jagd.

Entgegen den Erwartungen wandten die Seeloewen sich nur
Heringsschwaermen zu. Dabei gingen sie erstaunlich planmaessig vor:
So konnten Thomas und Thorne beobachteten, wie die Seeloewen "Seite
an Seite in einer Reihe von 50 oder mehr Tieren den Rand der
Schwaerme entlang schwammen." Vermutlich trieben die Jaeger so die
Beute zusammen. Um Seelachs-Schwaerme kuemmerten sie sich jedoch
nicht.

Moeglicherweise ist dies keine rein geschmackliche Vorliebe der
Seeloewen. Sonarmessungen zeigten, dass die Seelachse sich stets in
grossen Tiefen von bis zu 100 Metern aufhielten. Dagegen waren die
Heringe des Nachts schon in zehn Metern Tiefe anzutreffen. "Obwohl
Seeloewen ueber 250 Meter tief tauchen koennen, ist die bessere
Erreichbarkeit der Heringe bei Nacht vielleicht der bestimmende
Faktor fuer das Fressverhalten der Seeoewen", waegen die Forscher ab.

Mit den Infrarotkameras konnten die Forscher auch andere hungrige
Maeuler ausmachen. Neben den Seeloewen zeigten die Nachtaufnahmen
auch Voegel und einen blasenden Buckelwal, die ebenfalls von den
Heringen angezogen wurden. Mit der Infrarottechnik sollte sich daher
auch das naechtliche Fressverhalten anderer Tierarten erforschern
lassen, schreiben Thomas und Thorne.
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Unerschlossene Kapazitaet im Glasfaserkabel

In Glasfaserkabeln steckt noch wesentlich mehr Kapazitaet, als bisher
erschlossen wurde. In Zukunft koennte fast das Hundertfache an Daten
durch die Leitungen geschickt werden. Dies glauben zumindest zwei
amerikanische Forscher, die die Kapazitaet neu berechnet haben. Ihr
mathematisches Modell stellen sie in der aktuellen Ausgabe des
Magazins "Nature" vor.

Die Berechnung der Kapazitaet ist schwierig, weil die Glasfaser kein
lineares Medium ist: Gleichzeitig gesendete Lichtwellen beeinflussen
einander, was zu UEberlagerungen und Stoerungen fuehren kann.
Moeglicherweise ist dies aber nur eine Frage der Sendetechnik. Nach
dem mathematischen Modell der beiden Forscher muesste die
theoretische Kapazitaet der Glasfaser je Sekunde drei Bit pro Hertz
betragen.

Anders ausgedrueckt: Durch ein Kabel koennten bis zu 150 Terabits pro
Sekunde verschickt werden. Heutige Systeme arbeiten dagegen mit nur
1,6 Terabits. Koennte eines Tages die theoretische Hoechstgrenze
ausgereizt werden, dann liessen sich auf einer Leitung fast zwei
Milliarden Telefonate gleichzeitig fuehren.
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Rote Blutkoerperchen als Krebskiller

Im Inneren von roten Blutkoerperchen koennten Medikamente zielgenau
an ihren Einsatzort im Koerper gelangen. Die entsprechenden Technik
will eine nordirische Firma jetzt entwickelt haben. Dabei werden die
mit Medikamenten beladenen Blutkoerperchen im Zielgewebe durch
Ultraschall zum Platzen gebracht. Auf diese Weise koennten
beispielsweise Krebsmedikamente so verabreicht werden, dass gesunde
Zellen von den aggressiven Wirkstoffen verschont bleiben.

Die Idee, rote Blutkoerperchen als Medikamentenfaehren zu benutzen,
sei zwar nicht neu, so Les Russell von der Firma Gendel Ltd.
gegenueber dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Bislang sei es
jedoch niemandem gelungen, Blutkoerperchen auf Kommando platzen zu
lassen. Dieses Hindernis will seine Firma nun ueberwunden haben.

Bei dem von ihr entwickelten Verfahren werden einem Patienten
Blutkoerperchen entnommen und durch elektrische Felder empfaenglich
fuer Ultraschall gemacht. Durch Poren in der Huelle der
Blutkoerperchen werden die Zellen dann mit Wirkstoffen beladen.
Schliesslich erhaelt der Patient seine Blutzellen zurueck injiziert.

Nach Angaben von Gendel Ltd. koennen die so praeparierten
Blutkoerperchen bis zu vier Monate im Patienten ueberdauern und
jederzeit aktiviert werden. Das Verfahren sei bereits an Schweinen
und Maeuse erfolgreich getestet worden. Die Details will das
Unternehmen erst mit entsprechenden Patentschriften veroeffentlichen.
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