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MorgenWelt HEUTE vom 29.6.2001
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1. Wie Gluehwuermchen blinken
2. Milben brauchen keine Maenner
3. Kosmologie: Licht wird nicht muede!
4. Mit Akupunktur gegen Verspannungen
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Wie Gluehwuermchen blinken

Dass Gluehwuermchen blinken, verdanken sie einem kleinen Gasmolekuel.
Dies fanden amerikanische Forscher jetzt heraus. Sie identifizierten
Stickstoffmonoxid als Vermittler zwischen Nerven und Leuchtorgan der
Kaefer. Wenn vom Gehirn der Befehl zum Einschalten kommt, kurbelt das
Gas die biochemische Lichterzeugung an.

Wie Barry Trimmer von der Tufts University und seine Kollegen in
"Science" berichten, wird dies durch den trickreichen Aufbau des
Leuchtorgans moeglich. Die lichtproduzierenden Zellen, Photocyten
genannt, sind darin jeweils um eine Trachee angeordnet, die sie mit
Sauerstoff versorgt. Ihre Kraftwerke, die Mitochondrien, liegen auf
derjenigen Zellseite, die der Trachee zugewandt ist.

Diese Anordnung macht Sinn, benoetigen die Mitochondrien doch
reichlich Sauerstoff fuer die Energieproduktion. Ihr Sauerstoffkonsum
verhindert aber, dass das Gas weiter ins Zellinnere vordringt, wo die
lichtproduzierende Reaktion stattfindet. Da diese nur mit Sauerstoff
funktioniert, bleibt das Leuchtorgan im Normalbetrieb dunkel.

Sobald vom Gehirn das Nervensignal "Licht einschalten" kommt,
produzieren die Photocyten Stickstoffmonoxid (NO). Dieses kleine
Molekuele setzt voruebergehend die Mitochondrien ausser Betrieb.
Damit erhaelt nun auch das Zellinnere genuegend Sauerstoff: Die
lichtproduzierende Reaktion kann ablaufen und das Leuchtorgan blinkt
auf.

Diesen Mechanismus konnten Trimmer und seine Mitstreiter auf einfache
Weise demonstrieren. Wenn sie Gluehwuermchen Luft atmen liessen, die
geringe Mengen von Stickstoffmonoxid enthielt, leuchteten die Tiere
permanent.

"Wir wussten, wie Gluehwuermchen leuchten", erlaeutert Trimmer. "Aber
nun haben wir das fehlende Puzzlestueck, das erklaert, wie sie den
Schalter umlegen."

Gluehwuermchen nutzen ihr Licht zur Partnerfindung. Jede Art und
manchmal sogar jedes Geschlecht verfuegt ueber ein individuelles
Blinkmuster und laesst die Tiere auch im Dunkeln zu einander finden.

Und nicht nur bei Gluehwuermchen spielt Stickstoffmonoxid eine
wichtige Rolle. Auch fuer Menschen ist das Gas von zentraler
Bedeutung. Es ist an Lernvorgaengen im Gehirn beteiligt und reguliert
die Weite der Blutgefaesse. Dementsprechend beeinflusst das
Medikament Viagra die Peniserektion, indem es in diesen
Regulierungsmechanismus eingreift.
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Milben brauchen keine Maenner

Die Weibchen brasilianischer Milben koennen sich ohne Maennchen
fortpflanzen. Ihr Nachwuchs kommt ausserdem nur weiblich zur Welt,
wenn die unbefruchteten Eier von Bakterien infiziert wurden.
Niederlaendische und tschechische Biologen entdeckten diese
ungewoehnliche Fortpflanzung bei der Falschen Spinnmilbe (Brevipalpus
phoenicis). Die Tierchen sind auf brasilianischen Kaffeeplantagen
anzutreffen.

"Milben waren immer sehr erfolgreich, sind weltweit verbreitet und
koennen auf ueber hundert verschiedenen Pflanzen leben", sagt der
Forscher Andrew Weeks von der Universitaet Amsterdam. Er uns seine
Kollegen hatten ueberrascht festgestellt, dass die brasilianische
Variante praktisch ohne maennliche Tiere auskommt. Die Forscher sind
sich sicher, dass ein noch nicht naeher bestimmtes Bakterium fuer die
asexuelle Fortpflanzung verantwortlich ist.

Die Bakterien sollen dafuer sorgen, dass aus infizierten Eiern nur
Weibchen schluepfen. Im Magazin "Science" schreiben die Biologen,
potentiell maennlicher Nachwuchs werde auf weiblich umprogrammiert.
Dies folgern die Forscher aus Versuchen mit infizierten Milben.
Nachdem sie die Tiere mit Antibiotikum behandelten und die Bakterien
so toeteten, konnten sich in den Eiern auch wieder Maennchen
entwickeln.

Die Maennchen koennten von den Bakterien gezielt ausgeschaltet worden
sein, weil sie fuer deren eigene Fortpflanzung unwichtig sind. Die
Erreger benoetigen nur die Eier der weiblichen Milbe.
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Kosmologie: Licht wird nicht muede!

Elektromagnetische Strahlung - Licht ebenso wie Radiowellen -
ermuedet nicht bei seiner Jahrmilliarden waehrenden Reise durch den
Kosmos. Das bestaetigt jetzt eine neue Untersuchung der beiden
amerikanischen Astronomen Allan Sandage und Lori Lubun. Die beiden
Wissenschaftler haben untersucht, wie sich die Helligkeit von
Galaxien in Abhaengigkeit von der Entfernung verhaelt.

Zwar herrscht unter den Astronomen inzwischen weitestgehende
Einigkeit darueber, dass unser Kosmos vor rund 14 Milliarden Jahren
in einem heissen Urknall enstanden ist und sich seither ausdehnt.
Eine kleine Minderheit von Forschern haelt jedoch an der These fest,
die Rotverschiebung des Lichts ferner Galaxien werde nicht durch die
Expansion des Kosmos, sondern vielmehr durch eine Ermuedung des
Lichts verursacht.

Bereits vor vier Jahren zeigte jedoch eine Untersuchung an
explodierenden Sternen, so genannten Supernovas, dass die Theorie der
Lichtermuedung nicht zu halten ist. Bei den Supernovas zeigte sich
naemlich, dass nicht nur ihre Strahlung mit zunehmender Entfernung
langwelliger wird, sondern dass zusaetzlich die Explosion langsamer
abzulaufen scheint. Dieses Phaenomen laesst sich nur durch die
Streckung des Lichtsignals durch die Ausdehnung des Raumes verstehen.

Sandage und Lurin konnten jetzt mit einem gaenzlich anderen Verfahren
das Todesurteil ueber die Lichtermuedungstheorie noch einmal
bestaetigen. Ferne Galaxien, so zeigte sich naemlich in ihrer
Untersuchung, erscheinen wesentlich lichtschwaecher als es die
Lichtermuedung vorhersagt. Die Ausdehnung des Raumes fuehrt
gewissermassen zu einer "Ausduennung" der Lichtteilchen, dadurch
erscheinen die Sternsysteme dunkler als allein unter dem Einfluss der
Rotverschiebung ihres Lichts.
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Mit Akupunktur gegen Verspannungen

Kann chronische Nackenverspannung mit Hilfe der Akupunktur gelindert
werden? Ja und nein, sagen Forscher aus Muenchen. In Versuchen mit
177 Patienten fanden sie heraus, dass die Behandlung mit Nadeln
kurzfristig Entspannung bringt. Allerdings haelt der Erfolg nicht
lange vor. Ausserdem erzielte ein Placebo-Versuch eine vergleichbar
gute Wirkung, schreibt Dominik Irnich von der Ludwig-Maximilians
Universitaet im "British Medical Journal".

Die Patienten mit chronischen Nackenschmerzen wurden in drei etwa
gleich grossen Gruppen jeweils fuenfmal behandelt. Die Forscher
schickten die Teilnehmer der Studie entweder zur Nadelakupunktur, zur
Massage oder zur Laserakupunktur. Letztere wurde allerdings nur
vorgetaeuscht.

Eine Woche nach dem letzten Termin fuehlten sich die
Akupunktur-Patienten deutlich entspannter als jene, die massiert
worden waren. Als sehr wirkungsvoll erwies sich auch die
vorgetaeuschte Laser-Akupunktur, die von den Betroffenen ebenfalls
als schmerzlindernd empfunden wurde.

Das gute Gefuehl hielt allerdings nicht lange an: Nach drei Monaten
meldeten sich bei allen Patienten die chronischen Schmerzen zurueck.
Trotzdem sehen die Forscher in der Akupunktur keine Sackgasse. Diese
Behandlung sollten ihrer Meinung nach jene Patienten ausprobieren,
die schon ueber fuenf Jahre vergeblich mit anderen Therapien
behandelt wurden.
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