MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 18.7.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Mars: Globale Erwaermung im Zeitraffer 2. Lincoln: Quecksilber-Vergiftung durch "Blue Mass" 3. Selbstverteidigung fuer Kaengurus 4. Melodie kommt vor Akkorden ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Mars: Globale Erwaermung im Zeitraffer Auf der Erde schreitet die globale Erwaermung so langsam voran, dass einige Experten immer noch daran zweifeln, dass sie ueberhaupt stattfindet. Auf unserem Nachbarplaneten Mars dagegen konnten amerikanische Forscher nun eine globale Erwaermung im Zeitraffertempo beobachten. Innerhalb eines Monats erwaermte sich der Rote Planet um 30 Grad! Die Ursache des rasanten Klimawechsels ist ein Staubsturm, der Mitte Juni zunaechst als lokales Phaenomen begann, inzwischen aber nahezu den ganzen Planeten einhuellt. "Der Staub speichert die Sonnenwaerme und hat so zunaechst lokal die Atmosphaere erwaermt", erklaert Planetenforscher Philip Christensen von der Arizona State University den Vorgang. "Die warme Luft ist dann in Regionen abgeflossen, in denen die Luft noch kaelter war - und hat so Winde erzeugt, die wieder weiteren Staub aufgewirbelt haben." Die Marsforscher erwarten nun aber eine baldige Umkehr der Klimaentwicklung. "Die Umhuellung des ganzen Planeten mit Staub wird wahrscheinlich zu einer deutlichen Abkuehlung der Marsoberflaeche fuehren", meint Christensen. Es war uebrigens die Beobachtung eines aehnlichen Staubsturms auf dem Mars in den siebziger Jahren, die Carl Sagan und andere Forscher auf die Idee des "nuklearen Winters" brachte. Christensen warnt allerdings davor, den Ablauf des Klimawandels auf dem Mars einfach auf die Erde zu uebertragen: "Die Marsatmosphaere ist ein erheblich einfacheres System als die irdische - sie ist viel duenner und es fehlt das Wasser, das Energie speichert und so den Wandel daempft." ------------------------------------------------------------------- Lincoln: Quecksilber-Vergiftung durch "Blue Mass" Abraham Lincoln, der 16. Praesident der USA, war bis zu seinem Amtsantritt fuer wiederholte Ausbrueche von Aggressivitaet beruechtigt. Einen politischen Gegner soll er einmal so heftig geschuettelt haben, dass Augenzeugen um das Leben des Opfers fuerchteten. Diese aggressiven Schuebe sollen nach Meinung amerikanischer Forscher auf quecksilberhaltige Pillen zurueckzufuehren sein. Das Praeparat namens "Blue Mass" nahm der Politiker regelmaessig gegen seine Depressionen ein. Wissenschaftler aus Chicago und Boston haben nun das Pillen-Rezept aus dem 19. Jahrhundert ausfindig gemacht und die Herstellung von "Blue Mass" nachvollzogen. Demnach bestand das Praeparat aus Suessholzwurzel, Rosenwasser, Honig, Zucker, Rosenblaettern und Quecksilber. Die Forscher mixten den Cocktail im Labor nach und formten wie damals Pillen daraus. Die kleinen blauen Pillen enthielten demnach jeweils etwa 375 Mikrogramm des Metalls. Der Grenzwert, ab dem die Aufnahme von Quecksilber als gesundheitsgefaehrdend eingestuft wird, liegt bei 21 Mikrogramm taeglich. Lincoln soll zeitweise zwei bis drei Pillen am Tag konsumiert haben. Er duerfte den Quecksilber-Grenzwert also um etwa das 40fache ueberschritten haben, schaetzt Norbert Hirschhorn von der Universitaet Chicago. Dass ihm sein Antidepressivum schlecht bekam, hat der Politiker selbst gemerkt. Einige Monate nach der Wahl zum Praesidenten setzte er die Pillen ab. Er galt seitdem als ruhiger Mensch mit grosser Selbstbeherrschung. ------------------------------------------------------------------- Selbstverteidigung fuer Kaengurus Ausgestopfte Fuechse sollen kleinen Kaengurus das Fuerchten lehren. Australische Wissenschaftler haben dazu ein spezielles Trainingsprogramm entwickelt. Sie wollen so Tieren, die in Gefangenschaft aufgewachsen sind, den natuerliche Respekt vor Todfeinden beibringen. Dabei geht es vor allem um das so genannte Wallaby, ein nur huefthohes Kaenguru, das kurz vor dem Aussterben steht. Fuer Fuechse, die erst Anfang des 19. Jahrhunderts nach Australien importiert wurden, sind Wallbies eine besonders beliebte Beute. Heute werden die seltenen Wallabies in Tierparks wieder nachgezuechtet, um sie in freier Wildbahn neu ansiedeln zu koennen. Doch wie bringt man den Beuteltieren bei, ihre Feinde zu erkennen? Die Wissenschaftler konfrontierten die Kaengurus mit ausgestopften Fuechsen und jagten sie dann mit Fangnetzen durch das Gehege. Mit Erfolg: Die Kaengurus werden alarmiert, wenn sie eine Fuchsattrappe erblicken. Allerdings sind die Wallabies durch ausgestopfte Ziegen nicht zu beeindrucken, selbst wenn sie bei deren Erscheinen gejagt werden. Das spricht dafuer, dass die Kaengurus eine intuitive Vorstellung von Raubtiere haben. Ob der Selbstverteidigungskurs fuer die Wallabies in der freien Natur wirklich helfen wird, wissen selbst die Forscher noch nicht. Sollten sie jedoch erfolgreich sein, dann liesse sich das Angstraining auch auf andere gefaehrdeten Tierarten ausgeweiten, die den Respekt vor ihren natuerlichen Feinden verloren haben. ------------------------------------------------------------------- Melodie kommt vor Akkorden Wenn geuebte Pianisten ein Stueck spielen, erklingt die Melodie oft einige Tausendstel Sekunden vor den zugehoerigen Akkorden. Dies liegt aber nicht daran, dass die entsprechenden Tasten frueher angeschlagen werden, entdeckte ein oesterreichischer Musikwissenschaftler. Vielmehr ist das verfruehte Ertoenen der Melodie ein unausweichlicher Nebeneffekt der Klaviermechanik. Das Phaenomen der vorgezogenen Melodietoene ist schon seit geraumer Zeit bekannt. In der Regel betraegt der "Vorsprung" der Melodielinie rund 30 Tausendstel Sekunden - zu wenig, um bewusst wahrgenommen zu werden. Dennoch traegt er dazu bei, dass die Melodie sich deutlich von den Akkorden abhebt. Ueber die Entstehung des Phaenomen herrschte bislang Unklarheit. Eine Hypothese ging davon aus, dass die Pianisten die Melodie bewusst vorziehen, eine andere sah in der Zeitdifferenz lediglich einen Nebeneffekt des spielerischen Ausdrucks. Um die Frage zu klaeren, lud Werner Goebl, Forscher am Oesterreichischen Forschungszentrum fuer Kuenstliche Intelligenz in Wien und selbst ausgebildeter Konzertpianist, ein Riege von 22 erfahrenen Pianisten ein, auf einem mit Sensoren gespickten Fluegel Werke von Chopin zu intonieren. Wie das Internetmagazin "Nature Science Update" berichtet, ergaben die Messungen Verblueffendes: Zwar schlugen die Pianisten Melodie- und Akkordtoene stets gleichzeitig an. Im Innern des Fluegels trafen die Haemmer jedoch zeitlich versetzt auf die entsprechenden Saiten. Dieser Zeitunterschied war umso groesser, je mehr Ausdruck die Pianisten in ihr Spiel brachten. Goebl sieht daher die zweite Hypothese bestaetigt, wonach die Zeitverschiebung ein unbeabsichtigter Nebeneffekt ist. Der Effekt laesst sich einfach erklaeren: Da die Pianisten die Melodielinie betonen, schlagen sie die entsprechenden Tasten staerker an. Der zugehoerige Hammer wird dadurch staerker beschleunigt und trifft etwas frueher auf seine Saite. Dennoch spielt die Interpretation durch den Musiker nach wie vor eine Rolle, betont Goebl. Gut ausgebildete Musiker haetten auch minimale zeitliche Verschiebungen zwischen den Stimmen sehr wohl unter Kontrolle und koennten diese gezielt einsetzen. ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt Media GmbH Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---- Anzeige --------------------------------------------------------- Kostenlose Warenproben, Schn�ppchen und Produktinfos! 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