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MorgenWelt HEUTE vom 27.7.2001
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1. Mehr Zwillinge durch Folsaeure? Nicht unbedingt!
2. Batterie aus dem Drucker
3. Erste Erdkruste schon vor 4,4 Milliarden Jahren
4. Roentgenstrahlen entdecken Dinosaurier
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Mehr Zwillinge durch Folsaeure? Nicht unbedingt!

Die Einnahme von Folsaeure vor der Schwangerschaft koennte die
Wahrscheinlichkeit von Zwillingsgeburten erhoehen. Das behaupten
skandinavische Forscher in der neuen Ausgabe von "Twin Research". In
ihrer Studie verglichen sie Aufzeichnungen aus dem offiziellen
Geburtsregister in Schweden. Demnach empfingen Schwangere, die schon
frueh Folsaeure-Praeparate schluckten, doppelt so haeufig Zwillinge.

Die schwedischen Wissenschaftler glauben, dass die Einnahme von
Folsaeure mehr Schaden als Nutzen bringen koennte. Eine hoehere Rate
an Zwillingsschwangerschaften fuehrt naemlich zu vielen Problemen.
Zwillingsbabys sind oft fruehreif, haben ein niedriges Geburtsgewicht
und ein erhoehtes Risiko von Gehirnlaehmungen.

Folsaeure ist ein wasserloesliches Vitamin und spielt eine wichtige
Rolle in der Embryonalentwicklung. Mangelzustaende waehrend der
Schwangerschaft koennen die Schliessung des sogenannten Neuralrohrs
beim Embryo verhindern. Als Folge treten Missbildungen der
Wirbelsaeule auf. Frauenaerzte verschreiben aus diesem Grund
Folsaeure an Schwangere. Wenn moeglich, sollte Folsaeure schon vor
der Empfaengnis eingenommen werden. In den USA werden deshalb einige
Lebensmittel per Gesetz mit dem Vitamin kuenstlich angereichert.
Seitdem sind dort Neuralrohrdefekte um 19 Prozent zurueckgegangen.

Die schwedischen Wissenschaftler moechten mit ihrer Studie erreichen,
dass der moegliche Nutzen von Folsaeure gegen die potenziellen
Schaeden abgewogen wird. Insbesondere in Laendern, in denen es an dem
Vitamin nicht mangelt, sollte die zusaetzliche Versorgung mit
Folsaeure ueberdacht werden. Eine gesunde Ernaehrung kann einer
Unterversorgung vorbeugen. Folsaeure ist in Gemuese, Kartoffeln und
Fruechten reichlich vorhanden.

Durch eine stark verkuerzte Pressemitteilung sorgte die schwedische
Studie in der internationalen Presse fuer Verwirrung. Sogar ein
renommiertes britisches Fachmagazin erweckte den Eindruck, als sei
der Zusammenhang zwischen Folsaeure und vermehrten Zwillingsgeburten
nahezu gesichert.

Die schwedischen Forscher sehen das selbst jedoch kritischer. In
ihrem Beitrag in der Zeitschrift "Twin Research" raeumen sie ein,
dass ihre Untersuchung einige Schwaechen aufweist: Folsaeure kann nur
dann einen Einfluss auf die Zwillingsbildung haben, wenn es bereits
vor der Schwangerschaft eingenommen wurde. Aus den Aufzeichnungen des
schwedischen Geburtsregisters ist aber nicht ersichtlich, ob das
Vitamin schon vor der Empfaengnis vermehrt geschluckt wurde.

Die Wissenschaftler verweisen lediglich auf Ergebnisse einer Umfrage,
die sie bei 2.000 Schwangeren durchgefuehrt haben. Demnach hatte
etwas mehr als die Haelfte der Frauen mit dem Folsaeure-Konsum schon
vor der Schwangerschaft begonnen. Angaben darueber, ob diese vermehrt
Zwillinge gebaren, finden sich in der Studie allerdings nicht.

Gesicherte Aussage ueber den Zusammenhang zwischen Folsaeure und
Zwillingsgeburten sind ohne genauere Untersuchungen noch nicht
moeglich. Neben eindeutigen Daten ueber den Zeitpunkt der
Folsaeure-Einahme sollten auch andere Faktoren beruecksichtigt
werden, die Zwillingsgeburten beguenstigen koennen. Zum Beispiel
muesste geklaert werden, wie sich Behandlungen zur Steigerung der
Fruchtbarkeit auswirken.

Die Ergebnisse der schwedischen Forscher koennen aber durchaus als
Indiz gewertet werden. Es waere jedoch unverantwortlich, so John
Grounds von der britischen Initiative "Action Research", den Frauen
aufgrund der schwachen Beweislage von der Folsaeure-Einnahme
abzuraten. Er warnt Schwangere vor einer Absetzung des Vitamins: "Die
Folgen fuer die Frauen waeren desastroes". Gerade in der
Schwangerschaft bestehe ein deutlich hoeherer Bedarf an dem Vitamin.
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Batterie aus dem Drucker

Einen extrem flachen Batterie-Typ, der auf Papier oder Chipkarten
aufgedruckt werden kann, hat die israelische Firma "Power Paper Ltd."
entwickelt. Die Batterie ist lediglich einen halben Millimeter dick.
Bei einer Spannung von 1,5 Volt hat sie eine Energiekapazitaet von 20
Milli-Amperestunden pro Quadratzentimeter Flaeche. Dies reicht aus,
um Grusskarten ebenso wie Kreditkarten oder elektronische Etiketten
zu betreiben.

Die Batterie besteht aus drei uebereinander liegenden Schichten. Die
aeusseren Schichten enthalten Zink und Mangandioxid (Braunstein), wie
herkoemmliche Batterien auch. Das eigentliche Geheimnis liegt in der
mittleren Schicht. Laut "New Scientist" huetet die Firma die
Zusammensetzung dieser Schicht jedoch wie ihre "Coca-Cola-Formel".
Bislang lasse sie lediglich verlauten, diese Schicht bestehe aus
ungiftigem und nicht-korrosivem Material. Es ermoegliche, die
Batterie einfach in die gewuenschte Form zu schneiden, ohne dass
Chemikalien auslaufen. Daher komme die Batterie auch ohne besonderes
Gehaeuse aus.

Nach Informationen des "New Scientist" setzt eine deutsche Firma die
neue Batterie bereits ein, um die Temperatur von Blutkonserven zu
ueberwachen. Dabei klebt auf jeder Konserve ein kleiner Chip, der
laufend die Temperatur misst und drahtlos an einen Computer
uebermittelt. Weitere Anwendungen koennten Displays auf Chipkarten
sein. Zukuenftig koennte die Stromquelle auch direkt in Chips
integriert werden.
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Erste Erdkruste schon vor 4,4 Milliarden Jahren

Die erste kontinentale Kruste der Erde entstand wahrscheinlich
frueher als bisher geschaetzt. Mineralogen der Universitaet Muenster
haben nachgewiesen, dass zur Datierung herangezogene Zerfallsprozesse
radioaktiver Isotope bisher falsch berechnet wurden. Die "geologische
Uhr" muss deshalb um mehr als vier Prozent nachgestellt werden,
berichten die Forscher im Magazin "Science".

Den Geologen stehen fuer Zeitmessungen mehrere "Uhren" zur
Verfuegung, die auf dem Zerfall von natuerlich vorkommenden
radioaktiven Isotopen beruhen. So zerfaellt etwa das Isotop 238 Uran
mit der Zeit zu dem stabilen Isotop 206 Blei oder das Isotop 176
Lutetium zum stabilen 176 Hafnium. Durch Messungen der Mengen von
Uran und Blei oder Lutetium und Hafnium in einem Mineral oder Gestein
kann auf diese Weise die Zeit festgestellt werden, die seit seiner
Bildung vergangen ist. Jedes Mineral und Gestein enthaelt seine
eigene innere Uhr, die bei der Bildung des Minerals oder Gesteins zu
ticken beginnt.

Die "geologische Uhr" kann nur richtig abgelesen werden, wenn die
Zerfallsgeschwindigkeit der radioaktiven Isotope exakt berechnet
wird. Dafuer muss die so genannte Halbwertszeit zunaechst kalibriert
werden. Erik Scherer, Carsten Muenker und Klaus Mezger vom
Mineralogischen Institut der Universitaet Muenster haben jetzt eine
solche geologische Uhr, das "Lutetium-Hafnium-Isotopensystem", neu
kalibriert. Sie fanden heraus, dass die Zerfallsrate von Lutetium um
mehr als vier Prozent kleiner ist als bisher angenommen. Demnach
liegen die aeltesten geologischen Prozesse, die mit dieser Uhr
gemessen werden, entsprechend weiter zurueck.

Bisher glaubte man, die 4,56 Milliarden Jahre alte Erde haben die
ersten 500 Millionen Jahre keine feste Kruste besessen. Nach der
Neukalibrierung ist jetzt davon auszugehen, dass sich schon nach etwa
200 Millionen Jahren erste Kontinente bildeten. Dies laesst sich aus
Zirkon herauslesen, dem aeltesten Mineral der Erde, schreibt der
schweizer Forscher Jan Kramers in einem begleitenden Artikel in
"Science". Zirkon findet sich in Granit, der seinerseits nur in der
kontinentalen Kruste vorkommt. Das aelteste Gestein - nach
herkoemmlicher Methode auf ein Alter von 3,7 bis 4 Milliarden Jahre
geschaetzt - findet sich im westlichen Groenland, in Kanada und im
Westen Australiens. Es koennte zu einem "Flickenteppich" frueher
Kontinente gehoert haben, die nach neuer Rechnung vor 4,3 bis 4,4
Milliarden Jahren entstanden.

Die Neudatierung ist erstaunlich, weil sowohl Erde als auch Mond in
der ersten 500 Millionen Jahren von grossen Meteoritenschauern
bombardiert wurden, die eigentlich jede feste Kruste und fruehes
Leben zerstoert haben sollten. Diese Annahme muss nun nach Ansicht
der Muensteraner Mineralogen zumindest teilweise revidiert werden:
Die aeltesten Kontinente der Erde haben wohl das
Meteoritenbombardement im fruehen Sonnensystem ueberlebt. Somit
koennte bereits zu dieser Zeit einfaches Leben auf der Erde existiert
haben.
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Roentgenstrahlen entdecken Dinosaurier

Saurierknochen, die sich in Steinplatten verstecken, bleiben nicht
laenger unentdeckt. Fraunhofer-Forscher aus Nuernberg haben erstmals
nachgewiesen, dass die so genannte Volumen-Computertomographie
geeignet ist, Gestein nach Fossilien zu durchleuchten. Ein in der
Region Eichstaett entdecktes, etwa 151 Millionen Jahre altes
Dinosaurier-Skelett konnte mit Hilfe der speziellen Roentgentechnik
teilweise sichtbar gemacht und genau lokalisiert werden.

Anfang Juli hatte der freie Fernsehjournalist und Redakteur Herbert
Bieber, der den Fund des Sauriers verfilmen wollte, den Kontakt zum
Entwicklungszentrum fuer Roentgentechnik EZRT hergestellt. Dort wurde
dann das Stueck Solnhofener Plattenkalk aus der Naehe von Eichstaett
ins Visier genommen.

In der von aussen unscheinbaren Steinplatte entdeckten die
Fraunhofer-Forscher die von den Palaeontologen vermuteten ueberreste
eines bisher unbekannten Landsauriers. Dazu Randolf Hanke, Leiter des
EZRT: "Das Roentgen macht die Arbeit der Praeparatoren wesentlich
einfacher. Sie wissen nun genau, ob in einem Stein Knochen zu finden
sind und an welcher Stelle sie mit ihrer akribischen und aeusserst
aufwendigen Feinarbeit beginnen koennen."

Roentgenstrahlen erlauben einen relativ unkomplizierten Einblick in
Materialien. Mit ihrer Hilfe koennen Fehler entdeckt und Formen
vermessen werden. Im Gegensatz zu anderen Pruefverfahren,
beispielsweise der Ultraschalltechnik, arbeitet die Roentgentechnik
beruehrungslos und ist nicht auf bestimmte Materialien begrenzt. Sie
kann sowohl zur Untersuchung von Metall und Kunststoff als auch von
Holz eingesetzt werden. Selbst massive Steine werden durch
Roentgenstrahlen durchsichtig.

Fuer den Blick auf das versteinerte Dinosaurier-Skelett setzten die
Fraunhofer-Wissenschaftler auf die Volumen-Computertomographie CT.
Bei diesem Verfahren nehmen Roentgensensoren das Objekt aus jedem
Winkel auf. Dabei entstehen bis zu 1.200 Durchscheinbilder. Aus den
Flaechenprojektionen wird dann das Objekt rekonstruiert. "Die
schwachen Absorptionsunterschiede zwischen Fossil und Stein, die in
einfachen Durchstrahlungsbildern nicht mehr sichtbar sind, lassen
sich mit CT verstaerken", erlaeutert Dr. Hanke.

Guenter Viohl, Direktor des Eichstaetter Jura-Museums, war zunaechst
skeptisch, ob die Fraunhofer-Technik Erfolg bringen wuerde. Er hatte
das fragliche Steinstueck bereits roentgentechnisch untersuchen
lassen - ohne Erfolg. Deshalb schickte er zunaechst einen Stein mit
einem eingeschlossenen Fischskelett in die Roentgenkammer.

Nachdem Hanke und seine Kollegen den Fisch innerhalb kuerzester Zeit
sichtbar machten, rueckte der Museumsdirektor das etwa 50 mal 50
Zentimeter grosse und drei Zentimeter dicke Steinstueck heraus, in
dem er die Dinosaurierer-ueberreste vermutete. Nach bereits drei
Stunden waren die von der Gesteinsschicht verborgenen Knochen zu
erkennen.

Allerdings sind nur wenige Teile des gesamten Skeletts in der Platte
zu entdecken. Dies legt die Vermutung nahe, dass der restliche
Saurier in noch nicht gefundenen Steinplatten liegt. Ein
sensationeller Fund ist es allemal: Die Knochen stammen vermutlich
vom Jungtier einer bisher nicht bekannten Theropoden-Art.
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Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser
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