MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 9.8.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Schachgrossmeister: Aus Erfahrung gut 2. Vom Huendischen ins Menschliche 3. Digitaler Broker: Schoene neue Boersenwelt 4. Militaersatelliten in "falschen" Umlaufbahnen? ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Schachgrossmeister: Aus Erfahrung gut Den Schluessel zur ueberlegenheit von Schachgrossmeistern entdeckten jetzt Wissenschaftler der Universitaet Konstanz. In der neuen "Nature"-Ausgabe berichten sie, dass Schachgenies waehrend einer Partie andere Hirnregionen aktivieren als weniger erfahrene Spieler. Grossmeister ziehen vor allem ihr Langzeitgedaechtnis in der vorderen und mittleren Region der Hirnrinde zu Rate. Amateure nutzen hingegen Areale in der Schlaefenregion. Dort werden neue Informationen verarbeitet. Gegenueber Amateuren haben Grossmeister somit einen entscheidenden Vorteil: Sie koennen auf Erfahrungen aus oft ueber hunderttausend Partien zurueckgreifen. Anhand der Figurenpositionen auf dem Brett erkennen die Experten Spielsituationen, die sie schon einmal erlebt hatten. Fortan passen sie ihre Strategie an Erinnerungen aus vergangenen Partien an und vermeiden so Fehler. Amateure hingegen sind waehrend des Schachspiels immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert. Sie muessen versuchen, den weiteren Spielverlauf vorauszusehen, ohne auf Erfahrungen aus aehnlichen Situationen zurueckgreifen zu koennen. Die Forscher stuetzen mit ihren Ergebnissen die Behauptung, dass der Wissensschatz von Experten auf Informationseinheiten beruht, die im Langzeitgedaechtnis abgelegt werden. Der Leiter der Studie, Thomas Elberts, vergleicht das Sammeln von Erfahrungen mit dem Lernen einer Sprache. "Allerdings liegt der Schluessel zur Genialitaet in der Art wie die Informationseinheiten miteinander vernetzt sind", erklaert Elbert. "Schliesslich reicht die Kenntnis vieler Woerter nicht aus, um eine Sprache sprechen zu koennen." ------------------------------------------------------------------- Vom Huendischen ins Menschliche Wer das Gebell eines Hundes nicht deuten kann, sollte eigentlich kein solches Haustier halten. Japanische Ingenieure sehen das allerdings anders. Sie konstruierten einen Uebersetzer, den die Vierbeiner um den Hals tragen sollen. Das Geraet besteht aus einem 60 Gramm schweren Mikrofon, dessen Aufnahmen von einem Uebersetzermodul in der Groesse eines Palm-Computers ausgewertet werden. Aus dem Gebell soll das Geraet rund 200 Gefuehlsregungen herauslesen koennen, berichtet das Magazin "New Scientist". Die Hundesprache wird dann in menschliche Begriffe wie "Spass", "Aerger" oder "Langeweile" uebersetzt. Der Computer erstellt auf Wunsch auch ein Hunde-Tagebuch. Kommt der Halter abends nach Hause, kann er auf dem integrierten Bildschirm die Regungen seines Tieres abrufen. Handy-Besitzer koennen sich die verbalen Aeusserungen ihres Hundes auch schon bald in Echtzeit aufs Display schicken lassen. Nach Aussage der Entwickler ist die entsprechende Software bereits in Arbeit. Das Unternehmen Takara Toys will den Uebersetzer ab 2002 fuer umgerechnet 230 Mark (12.800 Yen) auf den Markt bringen. ------------------------------------------------------------------- Digitaler Broker: Schoene neue Boersenwelt Auch das noch: Erst besiegt der Schachcomputer "Deep Blue" den Grossmeister Garri Kasparow und jetzt sollen Roboter auch die besseren Boersenmakler sein. Ein Forschungsteam von IBM hat nach Angaben des britischen Wissenschaftsmagazins "New Scientist" einen Computer-Haendler entwickelt, der auf dem Parkett sieben Prozent mehr Cash macht als seine menschlichen Kollegen. Sieben Broker traten an einer simulierten Boerse gegen die gleiche Anzahl Computer an und sollten mit dem Handel von virtuellen Guetern moeglichst viel Profit erzielen. Die Roboter uebertrafen die Menschen, weil sie die besseren Preise aushandelten, so die Forscher. Zwar finde der Boersencomputer noch immer seinen Meister in erfahrenen Haendlern, doch bessere Algorithmen sollen das schon bald aendern. Jeffrey Kephart von IBM glaubt, dass die elektronischen Broker dann menschliche Haendler ersetzen koennten: "Unsere computergesteuerten Makler werden auf dem Boersenparkett handeln, waehrend ihre menschlichen Kollegen das Geschehen aus leitenden Positionen beaufsichtigen." ------------------------------------------------------------------- Militaersatelliten in "falschen" Umlaufbahnen? Die Regierung der Vereinigten Staaten veroeffentlicht systematisch falsche Daten ueber die Umlaufbahnen ihrer Satelliten, glaubt ein amerikanischer Astronom. Seiner Meinung nach unterlaufen die USA mit dieser Geheimhaltungspolitik zumindest den Geist einer UN-Konvention von 1975. In dieser verpflichten sich die beteiligten Staaten, saemtliche Weltraumobjekte und deren genaue Umlaufbahnen registrieren zu lassen. Auf diese Weise sollen Kollisionen zwischen Satelliten vermieden und im Falle eines - gewollten oder ungewollten - Zusammenstosses die Eigentuemer ermittelt werden koennen. Der Nutzen der Daten ist jedoch ohnehin begrenzt, da die Konvention lange Fristen bei der Veroeffentlichung der Daten gewaehrt und die Nationen nicht zur Angabe der endgueltigen Bahn eines Raumflugkoerpers zwingt. Daher beschraenken sich die gesammelten Informationen meist auf den Anfangsorbit eines Satelliten. Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center fuer Astrophysik in Cambridge, Massachusetts, hat die Diskrepanzen zwischen den veroeffentlichten und den tatsaechlichen Daten untersucht und erhebt nun schwere Vorwuerfe gegen die US-Regierung. Wie er gegenueber dem Magazin "New Scientist" sagte, sei beispielsweise der Start eines amerikanischen Militaersatelliten im Jahr 1989 niemals registriert worden. Und fuer lediglich zwei von zehn Satelliten, die zwischen 1999 und 2000 gestartet worden waren, laegen korrekte Angaben vor. Auch Charles Fick von der Federation of American Scientists in der US-Hauptstadt Washington wirft der US-Regierung vor, aus militaertaktischen Gruenden einer oeffentlichen Kontrolle auszuweichen. Ein Sprecher des US-Raumfahrtkommandos sagte dagegen gegenueber dem Magazin, die USA handelten in voller Uebereinstimmung mit der Konvention. Zu den beobachteten Abweichungen aeusserte er sich nicht. Die fehlerhaften Angaben koennten weitere Sorgen ueber George W. Bushs Plaene fuer ein Abwehrsystem im Weltraum schueren, schreibt der "New Scientist". Wenn man den Daten heute schon nicht trauen koenne, wie wolle man dann in Zukunft die Zahl weltraumgestuetzter Waffen kontrollieren? ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt Media GmbH Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---- Anzeige --------------------------------------------------------- Exklusive Top Angebote ohne langes Suchen im Internet: V@lueMail bringt sie Ihnen direkt in Ihre Mailbox. 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