MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 8.8.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Ein kurzer Blick ersetzt bald Geheimzahlen 2. Einzeller als Goldgraeber 3. Dunghaufen zeugen von Klimaveraenderungen 4. Fliegen und Froscheier erschnueffeln Marzipan ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Ein kurzer Blick ersetzt bald Geheimzahlen Um vom Geldautomaten Bares zu erhalten, genuegt schon bald ein Blinzeln: Britische Mathematiker entwickelten jetzt ein Verfahren, das aus Videoaufnahmen der Iris des menschlichen Auges faelschungssichere digitale Signaturen erzeugt. Die Iris ist ein einzigartiges Erkennungsmerkmal fuer die Identitaet einer Person. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei der digitalen Codes gleichen, liege bei eins zu sieben Milliarden, so die Forscher. Es sei schier unmoeglich, das Iris-Erkennungs-System zu taeuschen. Sogar genetisch identische Zwillinge oder das rechte und linke Auge einer Person liefern unterschiedliche digitale Codes. Biometrische Erkennungsverfahren wie Fingerabdruecke oder Irismuster seien deshalb viel sicherer als Geheimzahlen oder Passwoerter, meinen die Forscher. In einem Testlauf kommt die neue Technologie ab Oktober am Londoner Flughafen Heathrow zum Einsatz. Passagiere, die haeufig fliegen, koennen sich bei der Passkontrolle dann mit dem schnellen Blick in eine Kamera ausweisen. ----Anzeige-------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Die GESCHENKIDEE fuer jeden Anlass: Original-Zeitung vom Tag der Geburt ----------------------------------- Sie erhalten aus unserem Zeitungsantiquariat eine echte, alte Zeitung genau vom Geburtstag des Beschenkten. Das persoenliche und originelle Geschenk fuer Freunde, Bekannte, Kollegen/innen, mit Geschenkmappe und einer persoenlichen Geschenkurkunde. papyrus Zeitungsantiquariat http://www.geschenkzeitung.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Einzeller als Goldgraeber Generationen von Alchemisten versuchten ohne Erfolg, Gold aus unedlen Metallen herzustellen. Den Stein der Weisen haben Wissenschaftler der University of Massachusetts auch nicht entdeckt, aber immerhin fanden sie Mikroben, die geloestes Gold in seine feste und damit wertvolle Form umwandeln. Die entdeckten Mikroorganismen koennten durch ihre Aktivitaet einige der Goldlagerstaetten auf der Erde geschaffen haben. Der Fund erklaert moeglicherweise, warum Gold in zwei Aggregatzustaenden an voellig unterschiedlichen Standorten auf der Erde vorkommen kann. Festes Gold kommt vor allem in Lagerstaetten der Erdkruste vor. Aus heissen Quellen und Heisswasserschloten im Meer gelangt ein Teil davon auch in geloester Form an die Oberflaeche. In einem Experiment ahmte die Forschergruppe um Derek Lovley die Umweltbedingungen solcher Extremstandorte nach. Sie beobachteten dann die Aktivitaet von Mikroben, die normalerweise Eisen umwandeln. Tatsaechlich nahmen diese Mikroorganismen auch geloestes Gold auf und schieden es in fester Form wieder aus. Schon laenger sind Bakterien und urtuemliche Mikroorganismen fuer ihre Faehigkeit bekannt, Metalle von einem Aggregatzustand in den anderen zu ueberfuehren. Dass Mikroorganismen auch Gold umwandeln koennen, ist aber neu. Die Entdeckung der Wissenschaftler duerfte jedoch keine neue Goldgraeberstimmung hervorrufen. "Das geloeste Gold tritt nur extrem verduennt in riesigen Wasservolumina auf", erklaert Lovley. Eine profitable Produktion des Edelmetalls durch Mikroben komme daher nicht in Frage. ------------------------------------------------------------------- Dunghaufen zeugen von Klimaveraenderungen Der Sueden der arabischen Halbinsel war nicht immer eine trockene Felswueste. Noch vor 2.500 Jahren war die Region feucht genug, um dort Landwirtschaft zu betreiben. Neue Belege fuer diese Annahme praesentierten amerikanische Oekologen jetzt. Aus den fossilen Dunghaufen kleiner Saeugetiere konnten sie ablesen, wie sich das Klima Suedarabiens in der Vergangenheit veraendert hat. Kenneth Cole vom Geologischen Dienst der USA in Flagstaff, Arizona, und seine Kollegen suchten im Jemen nach Kotansammlungen von Klippschliefern (Procavia capensis). Klippschliefer aehneln rein aeusserlich Murmeltieren und lieben ebenfalls felsiges Gelaende, stellen jedoch eine eigene Saeugetierordnung dar. In muehevoller Kleinarbeit nahmen die Wissenschaftler die Jahrtausende alten Exkrementansammlungen auseinander und identifizierten darin konservierte Pflanzen- und Tierreste. Wie sie auf der diesjaehrigen Versammlung amerikanischer Oekologen berichten, konnten sie so die wechselhafte Klima- und Kulturgeschichte Suedarabiens rekonstruieren. Demnach war das Klima der Region vom 7. bis zum 4. Jahrtausend v.Chr. genuegend feucht, um fruehen Bauern ein Auskommen zu ermoeglichen. Dann folgte eine rund 3.000 Jahre waehrende Trockenperiode, die Landwirtschaft unmoeglich machte und die Menschen zur Abwanderung zwang. Erst ab dem 5. Jahrhundert v.Chr. fielen wieder genuegend Niederschlaege, so dass zahlreiche Feldfruechte und auch Weihrauchpalmen angebaut werden konnten. In einem der Dunghaufen, den die Forscher auf das Jahr 59 n.Chr. datierten, fand sich neben Leinenresten und Bernsteinperlen auch ein menschlicher Fingerknochen. Vermutlich hatten sich einige Klippschliefer ihre Hoehle mit einer Mumie teilen muessen, spekulieren Cole und seine Kollegen. Heute ist der Sueden Arabiens wieder eine Wuestenlandschaft. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist dies nicht nur auf eine erneute Veraenderung des Klimas zurueckzufuehren, sondern vor allem auf die Ueberweidung durch Ziegen und Kamele. ------------------------------------------------------------------- USA: Neue Funde in der groessten Indianerstadt Zufaellig wurde das zweitgroesste Versteck zeremonieller Beilklingen der Cahokia-Kultur in den USA entdeckt: In der Naehe eines Hausfundaments stiess ein 19jaehriger Archaeologiestudent auf einen Hort von Steinbeilen, die vor 900 Jahren dem Erdreich uebergeben worden waren. Die Klingen sind mit grosser Kunstfertigkeit aus hartem Granitmaterial hergestellt, das ueber mehrere hundert Kilometer aus einem Steinbruch in den Ozark-Bergen herangeschafft worden war. Die Beile waren nicht fuer den praktischen Gebrauch bestimmt, sondern sollten den Wohlstand und sozialen Status seines Besitzers demonstrieren. Eine der Klingen ist etwa 45 Zentimeter gross. Die Cahokia-Kultur gehoerte zu einem lockeren Verband von Haeuptlingsstaedten der so genannten Huegelbauerkultur, die ein halbes Jahrtausend lang die hoechste Stufe der Kulturentwicklung im Gebiet der heutigen USA repraesentierte. Zwischen 900 und 1400 legten diese indianischen Ackerbauern mehrere Palisadenstaedte am Unterlauf des Mississippi an. Der Anbau von Mais, Kuerbis und Bohnen, die Jagd auf Wildtiere, eine hoch entwickelte Toepferei und die Herstellung von Steinwerkzeugen aus den verschiedensten Materialien fuehrten zu einem raschen Anstieg der Bevoelkerungszahl. Um das Jahr 1100 war Cahokia am Zusammenfluss des Mississippi und des Missouri mit ueber 20.000 Einwohnern die groesste Siedlung Nordamerikas. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts erreichte eine amerikanische Stadt wieder eine vergleichbare Bevoelkerungsdichte. Cahokia wurde von einer mehrstufigen Erdpyramide ueberragt, deren Grundflaeche die der aegyptischen Cheops-Pyramide um ein Viertel uebertrifft. Auf der Plattform in dreissig Metern Hoehe residierte der religioese Herrscher von Cahokia in einem 15 Meter hohen Langhaus. Ein Holzzaun aus 15.000 Baumstaemmen grenzte die Stadt von den umliegenden Doerfern ab, in denen die Bauern und Handwerker lebten. Bisher nahm die Forschung an, dass eine Kultur dieser Groessenordnung weitreichende Handelsbeziehungen unterhielt, um ihren Reichtum zu sichern. Als Beweis galten Pfeifenkoepfe aus einem roten Sandstein, der in Minnesota im Bereich der Grossen Seen abgebaut wurde. Der Archaeologe Thomas Emerson und der Geologe Randall Hughes von der Universitaet von Indiana in Urbana-Champaign haben diese Hypothese einem Test unterzogen. In der neusten Ausgabe der Zeitschrift "Plains Anthropologist" berichten sie ueber das Ergebnis einer spektroskopischen Analyse dieser Pfeifenkoepfe. Danach steht fest, dass ausschliesslich quarzhaltiger Sandstein aus oertlichen Lagerstaetten verwendet wurde. Das Material gelangte also wie das der Beilklingen nicht durch Handel, sondern durch eigenstaendigen Abbau nach Cahokia. "Im wesentlichen lautet unser Argument," schreiben die Forscher, "dass eine komplexe politische und soziale Ordnung nicht automatisch oekonomische Netzwerke eines groesseren Massstabs zur Folge hat." An ihrer Selbstbezogenheit scheint die Cahokia-Kultur zugrunde gegangen zu sein: Weil vor allem oertliche Ressourcen ausgebeutet wurden, schwanden die Waelder in unmittelbarer Naehe der Stadt durch starken Holzeinschlag und mit ihnen das jagdbare Wild. Nach 1200 ging die Bevoelkerungszahl in dieser groessten Indianerstadt Nordamerikas zurueck, bis Cahokia um 1500 von seinen Bewohnern verlassen wurde. ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt Media GmbH Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---- Anzeige --------------------------------------------------------- '6% Rendite im halben Jahr!' 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