MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 16.8.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Winzige Stierskulptur erschaffen 2. Das Handy als Simultanuebersetzer 3. Waerme reguliert Eidechsen-Nachwuchs 4. Unterwassersonde geht durch's Feuer ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Winzige Stierskulptur erschaffen Dass Wissenschaft und Kunsthandwerk sich nicht gegeneinseitig ausschliessen muessen, beweisen jetzt Forscher der Universitaet von Osaka in Japan. Mit einer ausgefeilten Lasertechnologie modellierten sie aus einem winzigen Harztropfen einen Stier in der Groesse eines roten Blutkoerperchens. Langfristig soll die Nanotechnologie nicht der Bildhauerei dienen, sondern vor allem die Entwicklung neuer medizinischer Verfahren ermoeglichen. Als Rohmasse fuer den Mini-Bullen benutzten die Forscher ein spezielles Fluessigharz, das nur dort aushaertet, wo es von zwei Laserstahlen getroffen wird. Mit dieser sogenannten "Zwei-Photonen-Mikropolymerisation" koennen dreidimensionale Strukturen mit einer raeumlichen Aufloesung von 120 Nanometern erzeugt werden, berichten Satoshi Kawata und seine Kollegen in der neuen Ausgabe von "Nature". Das ist etwa tausendmal so duenn wie ein menschliches Haar. Wegen seiner detailreichen Koerperstruktur waehlten die japanischen Wissenschaftler einen Stier als Modell. Ihr winziger Bulle ist die kleinste Tierskulptur, die jemals erschaffen wurde. Die Forscher wollen in der Zukunft Nanomaschinen herstellen, die durch menschliche Blutgefaesse reisen und dort Krankheiten bekaempfen koennen. Allerdings stecke die neuartige Technologie noch in den Kinderschuhen: Die Erschaffung winziger Strukturen im Nanometerbereich sei derzeit noch viel zu zeitaufwaendig. ----Anzeige-------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- EIN VERFUEHRERISCHES ANGEBOT: Sie moechten noch mehr News aus Wissenschaft und Forschung? Mit weiterfuehrenden Informationen und Links? Und Sie moechten, dass die MorgenWelt Zukunft hat? Dann klicken Sie hier: http://www.morgenwelt.de/nachrichten/newsletter.htm ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Das Handy als Simultanuebersetzer Fremdsprachen zu lernen, koennte bald ueberfluessig werden. Im Urlaub benoetigt man nur noch sein Handy und die Telefonnummer von Verbmobil, dem automatischen Simultanuebersetzer. Verbmobil versteht nach Aussage seiner Entwickler gesprochenes Japanisch, Chinesisch, Englisch und Deutsch. Der ins Handy gesprochene Satz soll in wenigen Millisekunden uebersetzt und verlesen werden. "Das System arbeitet mit 90 prozentiger Genauigkeit", berichtet Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrum fuer Kuenstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbruecken. Dies gelte selbst fuer eine grammatisch nicht korrekte Aussprache, die von Hintergrundgeraeuschen ueberlagert werde. Verbmobil versuche nicht, diese Hintergrundgeraeusche herauszufiltern. Denn die Gefahr, dass wichtige Informationen verloren gehen, sei zu gross, meinen die Entwickler. "Das Geheimnis ist, dass wir nicht das eigentliche Signal irgendwie transformieren, um das Hintergrundrauschen loszuwerden", erklaert Wahlster im Magazin "New Scientist". Stattdessen versuche Verbmobil, jedem Geraeusch einen Sinn zu geben und dann unpassende Worte auszufiltern. Dabei kommt dem System ein wichtiger Vorteil der gesprochenen Sprache zugute: Im Gegensatz zum Schriftlichen darf das Gehoerte einige Fehler enthalten, um trotzdem noch eindeutig verstanden zu werden. ------------------------------------------------------------------- Waerme reguliert Eidechsen-Nachwuchs Einige lebendgebaerende Eidechsen-Arten koennen offenbar das Geschlecht ihrer Nachkommen ueber die Temperatur bestimmen. Dies haben Kylie Robert und Michael Thompson von der Universitaet Sydney bei Zuchtversuchen an Eidechsen festgestellt. Ihre Ergebnisse praesentieren sie in der heutigen Ausgabe von "Nature". Bisher ging man allgemein davon aus, dass das Geschlecht bei Wirbeltieren nur durch den genetischen Code oder durch Umweltbedingungen nach der Befruchtung bestimmt wird. Die Temperatur wirkt sich beispielsweise bei Reptilien aus, die Eier legen. Dann bestimmt allein die Temperatur im Nest das Geschlecht der Nachfahren. Den entsprechenden Tieren fehlt der Chromosomsatz, der das Geschlecht schon bei der Befruchtung festlegt. Bei lebendgebaerenden Reptilien ist dagegen dieser geschlechtsbestimmende Chromosomensatz notwendig: Da alle Embryos bei der gleichen, konstanten Temperatur heranwachsen, haetten sie sonst alle dasselbe Geschlecht. Die Forscher untersuchten jetzt eine australische Eidechsenart, die lebende Jungen zur Welt bringt. Sie fanden allerdings keine Anzeichen fuer den geschlechtsbestimmenden Chromosomensatz. Das machte durchaus Sinn: Die untersuchte Population, die nur aus Weibchen bestand, hatte nur maennliche Nachkommen geboren. So wurde das zeitweise aus den Fugen geratene Gleichgewicht der Geschlechter wieder hergestellt. Obwohl die Weibchen in unterschiedlichen Temperaturen lebten, hatten sie waehrend der Traechtigkeit eine Koerpertemperatur von 32 Grad Celsius. Die Eidechsen konnten offenbar aktiv ihre Temperatur und somit das Geschlecht ihrer Nachkommen bestimmen. Bei einer Steuerung ueber die Chromosomen waere das Geschlechterverhaeltnis nicht so schnell wiederhergestellt worden. Die aktive Bestimmung des Geschlechts ueber eine Temperaturregelung ist laut Roberts und Thompson meist bei lebend gebaerenden Arten anzutreffen, die in kuehleren Bergregionen leben. Auf dem flachen Land wuerde es dagegen wegen der groesseren Hitze zu einem ueberschuss an Maennchen fuehren. Dies koennte auch den Berg-Eidechsen bei einer raschen Klimaerwaermung drohen: Die Forscher befuerchten, dass die alpinen Arten sich nicht schnell genug anpassen koennten und durch eine ueberproduktion an Maennchen aussterben wuerden. ------------------------------------------------------------------- Unterwassersonde geht durch's Feuer Von einem aussergewoehnlichen Gluecksfall berichten amerikanischen Geowissenschaftler jetzt. Sie hatten Messsonden in einem Vulkan des mittelozeanischen Rueckens platziert. Kurze Zeit spaeter brach der Vulkan aus, wobei eine der Sonden von Lava erfasst wurde. Das Instrument arbeitete jedoch unbeirrt weiter und lieferte die ersten Live-Daten von einem untermeerischen Vulkanausbruch. Christopher Fox von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in Newport, Oregon, und seine Kollegen beschreiben das Ereignis in der Zeitschrift "Nature". Im Oktober 1997 hatten sie rund 500 Kilometer vor der amerikanischen Westkueste zwei Messgeraete im Krater des Unterwasservulkans "Axial" niedergebracht. Am 25. Januar 1998 zeigte ein Erdbebenschwarm beginnende vulkanische Aktivitaet in der Gegend an. Kurz darauf registrierte einer der Sonden, dass sie angehoben wurde. Binnen fuenf Minuten wurde das Geraet um fast zwei Meter emporgehoben und sank dann um wenige Zentimeter ab. Schliesslich wurde es erneut um etwa einen Meter in die Hoehe gehoben und sank im Verlauf der folgenden Stunden wieder in seine urspruengliche Lage zurueck. Sieben Monate spaeter inspizierten die Forscher das Areal und entdeckten, dass die Aluminiumstelzen der Sonde vollstaendig in erstarrte Lava eingeschlossen waren. Fox und seine Kollegen rekonstruieren das Geschehen wie folgt: Zunaechst breitete duennfluessige Lava sich schnell innerhalb des Vulkankraters aus - aehnlich wie Teig in einer Pfanne. Dabei erfasste sie auch die "unglueckliche" Sonde. Durch den Kontakt mit dem eiskalten Meerwasser bildete sich schnell eine stabile Kruste um den Lavafladen herum. Als weitere Lava aus der Spalte im Meeresboden nachdraengte, blaehte sie diesen Fladen daher foermlich auf. Schliesslich liess die vulkanische Aktivitaet nach, die ausgespieene Lava floss zurueck in die Spalte und die zurueck gebliebene Lavakruste brach in sich zusammen. Die Forscher glauben, dass die Lava anfangs 1,200 Grad Celsius heiss war. Trotzdem registrierte die Sonde waehrend des gesamten Geschehens einen Temperaturanstieg von lediglich vier Grad Celsius. Fox und seine Kollegen fuehren dies vor allem auf die Isolierwirkung des kalten Wassers zurueck. Die Daten deckten sich mit dem wenigen, was man ueber Unterwassereruptionen wisse, so die Wissenschaftler. Nie zuvor sei man unmittelbar Zeuge eines solchen Ereignisses gewesen. "Das Instrument war einfach zur rechten Zeit am rechten Ort", schreiben sie. "Es besass die richtigen Sensoren und war zum Glueck so konstruiert, dass es die Eruption ueberstehen konnte." ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt e.V. Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---- Anzeige --------------------------------------------------------- Teuer ist nicht besser: V@lueMail bringt Ihnen Schn�ppchen und Top Angebote direkt in Ihre Mailbox. Kostenlos. Jetzt abonnieren! http://www.domeus.de/ad3059170/domeus ---------------------------------------------------------------------- Um sich von dieser Gruppe abzumelden, schicken Sie bitte eine leere eMail an: [EMAIL PROTECTED]
