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MorgenWelt HEUTE vom 15.8.2001
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1. China baut eigene Magnetschwebebahn
2. WWWasserwelt: Flossenschlag im Netz
3. Menschenklonen leicht gemacht
4. Aeltesten chinesischen Orakelstein entdeckt
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China baut eigene Magnetschwebebahn

Der erste chinesische Magnetschwebezug ist am Dienstag in einer
Automobilfabrik im Nordosten des Landes fertig gestellt worden. Das
berichtet die chinesische Tageszeitung "People's Daily" heute.
Demnach will China sich beim Ausbau seines Schienenverkehrs nicht
allein auf auslaendische Technologie verlassen.

Das jetzt vorgestellte chinesische System entspricht einem
Schienenbus fuer den Nahverkehr: Die Wagen sind rund elf Meter lang
und haben 28 Sitzplaetze. Die Reisegeschwindigkeit betraegt 60
Kilometer pro Stunde.

"Bei Testfahrten wurden Spitzengeschwindigkeiten von 100 Kilometern
pro Stunde ereicht", sagt Ma Shukun, Praesident der Changchun
PKW-Fabrik in der Provinz Jilin. Dem Zeitungsbericht zufolge soll der
Zug in Kuerze den regulaeren Betrieb aufnehmen.

Erst im Januar diesen Jahres hatte das deutsche Transrapid-Konsortium
den Auftrag erhalten, eine 30 Kilometer lange Transrapid-Strecke
zwischen der Stadt Shanghai und ihrem Flughafen zu errichten. Auf
dieser Strecke sollen Magnetschwebezuege mit Geschwindigkeiten von
ueber 400 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Die Fertigstellung
des rund zwei Milliarden Mark teuren Projekts ist fuer das Jahr 2003
geplant.

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WWWasserwelt: Flossenschlag im Netz

Schon bald koennten Fischschwaerme im Internet ihre Bahnen ziehen,
hofft eine kalifornische Firma. In ihren Augen stellt das
weltumspannende Netzwerk eine Art riesigen Ozean dar - mit den
angeschlossenen Rechnern als Lebensraeumen. Diesen Ozean will die
Firma mit virtuellen Fischen bevoelkern.

Wie die BBC berichtet, koennen Computerbesitzer die von der Firma
DALi entwickelte Java-Software kostenlos auf ihren Rechnern
installieren. Hobby-Aquarianer koennen damit eigene Schuppentiere
erschaffen und im Internet aussetzen. Die Fische - selbststaendige
Programme - wechseln dann nach Lust und Laune den Rechner. Die
Verknuepfung der Rechner untereinander erfolgt nach dem
peer-to-peer-Prinzip, aehnlich wie bei der Musiktauschboerse Napster.

Welche Wesen sich gerade im eigenen Rechner tummeln, kann jederzeit
ueber das digitale Gegenstueck zur Aquariumsscheibe verfolgt werden.
Optische und oekologische Vorlage ist die tropische Unterwasserwelt
Indonesiens. Jeder Fisch verfuegt zudem ueber eine Art Reisepass, der
seine Herkunft und seine bisherige Reiseroute anzeigt. Demnaechst
sollen sich auch kurze Briefe per Fisch verschicken lassen - aehnlich
wie mit einer Flaschenpost.

Bislang sind erst 200 Computer an den virtuellen Ozean unter
http://www.daliworld.net/ angeschlossen. Die Firma hofft aber, dass
die Zahl der Computer-Aquarianer noch weiter steigt, damit das
kuenstliche Oekosystem waechst und gedeiht.
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Menschenklonen leicht gemacht

Menschen koennten wesentlich leichter zu klonen sein als Schafe oder
Rinder. Davon ist eine Gruppe amerikanischer Genetiker ueberzeugt.
Ihr Argument: Menschen und Primaten besitzen gegenueber anderen
Saeugern einen genetischen Vorteil, der das uebermaessige Wachstum
des Embryos verhindert. Dieses unkontrollierbare Wachstum, das auch
die Entstehung von Krebs beguenstigt, gilt unter Genetikern als eine
der Hauptrisiken beim Klonen. Der Mensch sei aber durch sein Erbgut
davor gefeit, schreiben jetzt die Forscher um Keith Killian von der
Duke University in North Carolina im Magazin "Human Molecular
Genetics".

Die Schluesselrolle spielt das Gen IGF2R (Insulin-like growth factor
II receptor), das ein Embryo von beiden Elternteilen - also in zwei
Kopien - vererbt bekommt. Bei manchen Tierarten kann aber im
Gegensatz zu Primaten eine der Kopien ausgeschaltet werden. Dann wird
ein spezieller Wachstumsfaktor nicht mehr richtig gebildet; das
Wachstum geraet ausser Kontrolle und endet meist mit dem Tod des
Embryos.

Beim Klonen tritt das Problem besonders haeufig auf: Bei Schafen etwa
nistet sich ueberhaupt nur jede 300. geklonte Eizelle in der
Gebaermutter ein. Weil Menschen ueber zwei intakte Kopien von IGF2R
verfuegen, sei diese Gefahr ausgeschlossen, glauben die Forscher. "Es
handelt sich um den ersten genetischen Hinweis, dass das Klonen beim
Mensch leichter sein koennte als beim Schaf", sagt Killian.

Die Rolle von IGF2R muss auch bei der Entwicklung neuer Medikamente
beruecksichtigt werden. Fuer das Erproben der Praeparate werden
naemlich zu 90 Prozent Maeuse und Ratten verwendet. Sind diese
Labortiere geklont, besitzen sie grundsaetzlich ein hoeheres
Krebsrisiko. Die Entstehung von Krebs sei aber in der Vergangenheit
oft faelschlich den getesteten Praeparaten zugeschrieben worden,
sagen die Forscher.
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Aeltesten chinesischen Orakelstein entdeckt

Chinesische Archaeologen haben einen 5.300 Jahre alten Orakelstein
gefunden, der den aeltesten Beleg fuer die chinesische Logik
darstellt. Zhang Jingguo vom Archaeologischen Forschungsinstitut der
Provinz Anhui stellte jetzt auf einem Fachkongress in Beijing den
Fund zur Diskussion.

Der Orakelstein besteht aus zwei Jade-Platten in Form von
Schildkroetenschalen, die auf der einen Seite miteinander verbunden
sind. Sie wurden in einem Dorf im Osten der Provinz Anhui bei
Ausgrabungen entdeckt, wie die Zeitung "People's Daily" berichtet.

In die eine, rechteckige Platte sind zwei konzentrische Kreise
eingeschnitten. Der Aussenkreis ist mit den vier Ecken des Steins in
einem Muster verbunden, das dem Schriftzeichen "gui" (kuei) aehnelt.
Dem inneren Kreis ist ein Viereck eingeschrieben, das von
achtzackigen Sternen umgeben ist. Der Raum zwischen den beiden
Kreisen ist in acht gleiche Abschnitte unterteilt, die das
Gui-Zeichen enthalten, dessen genaue Bedeutung nicht bekannt ist.

Zhang Jingguo sieht in dieser Abbildung eine Darstellung des
Universums: Die Kreise symbolisierten die Geschlossenheit des Kosmos,
waehrend das Viereck fuer die Erde stehe. Der kleinere Kreis mit den
achtzackigen Sternen koennte die Sonne repraesentieren, waehrend die
Verteilung der Schriftzeichen nach den Himmelsrichtungen auf die
Jahreszeiten verweist. Dieselbe Anordnung magisch-symbolischer
Zeichen wird erstmals fuer die "Tafel vom Gelben Fluss" beschrieben,
einen Vorlaeufer des beruehmten "Buchs der Wandlungen" (I Ging).

Nach 500 v. Chr. berichtet das "Buch der Urkunden" (Shangshu) ueber
den legendaeren Kaiser Fuhsi, der eines Tages am Ufer des Gelben
Flusses meditierte. Eine Schildkroete tauchte aus den Fluten auf, die
Orakelzeichen auf ihrem Ruecken trug. Sie verhiessen dem Kaiser
Glueck und Erfolg, so dass er auf der "Tafel vom Gelben Fluss" fest
hielt, was er gesehen hatte.

Spaeter wurden diese Symbole in das I Ging aufgenommen, das seit der
Dschou-Zeit um 1121 v. Chr. zum fuehrenden Orakelbuch aufstieg. Es
diente wie die "Tafel vom Gelben Fluss" der Bestimmung des richtigen
Zeitpunkts und der richtigen Umstaende einer geplanten Handlung. Die
Gegenueberstellung und Kombination von zwei Reihen aus jeweils acht
Grundzeichen regten Gottfried Wilhelm Leibniz 1679 zur Aufstellung
einer zweiwertigen (binaeren) Logik an, die noch heute
Computerprozesse steuert.

Die Anfaenge der abendlaendischen Logik sind dagegen einem Zufall zu
verdanken: Der Platon-Schueler Aristoteles (384-322) neidete dem
Mathematiker Speusippos die Nachfolge in der Leitung der Akademie und
uebertrug mathematische Schlussverfahren auf sprachliche Aussagen.
Damit hatte er nachhaltigen Erfolg. Doch erst die Vereinfachung der
Schlusslehre durch Leibniz ermoeglichte ihre uebertragung auf
elektronische Schaltkreise.
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Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke
Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser
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