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MorgenWelt HEUTE vom 6.9.2001
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1. Holztaefelchen berichten von roemischer Besatzung
2. Babys plappern zum Spracherwerb
3. Fliegendes Luftgewehr schiesst Satelliten ins All
4. Wie wirkt das Ozonloch auf antarktische Pflanzen?
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Holztaefelchen berichten von roemischer Besatzung

Im roemischen Reich bestanden zwischen Hausherren und Sklaven oft
bemerkenswert gute Beziehungen. Das ergab die Analyse antiker
Holztaefelchen aus dem Norden Englands. Die Dokumente werfen
ebenfalls ein neues Licht auf die roemischen Besatzer. Anscheinend
traten sie nicht als brutale Bezwinger auf, sondern unterhielten enge
Kontakte zur lokalen Bevoelkerung.

Die Taefelchen waren bereits in den 70er Jahren in der Naehe des
nordenglischen Hadrianswalls entdeckt worden. Urspruenglich waren sie
mit einer duennen Wachsschicht ueberzogen, in die Schriftzeichen
eingeritzt wurden. Dabei wurde auch die Holzunterlage leicht
eingedrueckt, so dass zumindest einige der Dokumente rekonstruiert
werden konnten, nachdem die Wachsschicht schon laengst zerfallen war.

Mike Brady und Alan Bowman von der Universitaet Oxford nutzen dazu
ausgefeilte Bildanalysetechniken. Mit schraeg einfallendem Licht
machen sie die feinen Rillen in der Holzoberflaeche sichtbar. Im
Computer subtrahieren sie dann die Holzmaserung und fahnden in dem
verbliebenen Netz von Vertiefungen nach Buchstaben. Bereits im Maerz
dieses Jahres hatten sie auf diese Weise das altroemische Gegenstueck
eines Einkaufszettels entdeckt. Darauf waren unter anderem die Preise
verzeichnet, die ein roemischer Soldat fuer waermende Kleidung
bezahlen musste.

Auf dem diesjaehrigen "Festival of Science" in Glasgow berichteten
Brady und Bowman jetzt von einem anderen Dokument. "Es ist Teil eines
Briefes, in dem es um einen Sklaven namens Vericundus geht", so
Bowman gegenueber der "Times". Vericundus habe etwa 15 Jahre im
Haushalt eines Beamten gelebt und sei anscheinend sogar mit Geld nach
Nordfrankreich geschickt worden. "Vielleicht ging es dabei um den
Verkauf eines anderen Sklaven", spekuliert der Forscher. Die Art und
Weise, wie Vericundus in dem Brief beschrieben werde, deute auf ein
enges Verhaeltnis zwischen Herrn und Sklave hin.

Generell seien Sklaven als vertrauenswuerdig betrachtet und
entsprechend in die Gesellschaft integriert worden, glaubt Bowman.
"In einem Brief eines Beamten an einen Sklaven wird der Sklave sogar
als 'frater' (Bruder) angesprochen." Andere Dokumente zeigten, dass
die Besatzer den Kontakt zu ihren Daheimgebliebenen aufrecht
erhielten. Auch geschaeftliche Transaktionen wurden detailliert
aufgezeichnet. "Selbst hier, in der finstersten Provinz, finden wir
Belege einer akribischen Buchhaltung", so Bowman zur "Times".

Wie Brady auf dem Wissenschaftsfestival sagte, seien die aufwaendigen
Analysetechniken nicht nur fuer Archaeologen interessant.
Ueberraschenderweise haetten sie sich auch als nuetzlich fuer das
Aufspueren von Brustkrebs auf Mammographien entpuppt, seinem
eigentlichen Arbeitsgebiet. In beiden Faellen gehe es darum, feine
Linien vor einem stoerenden Hintergrund zu entdecken. Ob dieser aus
gesundem Brustgewebe oder gemasertem Holz bestehe, spiele technisch
gesehen keine Rolle.

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Babys plappern zum Spracherwerb

Wenn Babys vor sich hin plappern, ahmen sie damit die elterliche
Sprache nach. Und das gilt auch fuer Kinder von gehoerlosen Eltern,
berichten amerikanische und kanadische Psychologen in "Nature".
Demnach imitieren bereits wenige Monate alte Babys die Handbewegungen
der elterlichen Gebaerdensprache. Gewissermassen plappern sie also
mit den Haenden.

Laura Ann Petitto vom Darmouth College in Hanover, New Hampshire, und
ihre Kollegen wollten die Frage klaeren, ob das Plappern von Babys
nur eine Art Training der Kiefermuskulatur darstellt oder aber eine
linguistische Bedeutung hat. Daher untersuchten sie die
Handbewegungen von sechs bis zwoelf Monate alten Babys, deren Eltern
entweder per Laut- oder nur per Gebaerdensprache mit ihren Kindern
kommunizierten. Wenn die Kleinen tatsaechlich schon einen Sinn fuer
Sprache hatten, sollte sich dies in ihren Handbewegungen
widerspiegeln, so die ueberlegung der Forscher.

Mit Hilfe eines optoelektronischen Systems erfassten und analysierten
sie die Handbewegungen der Kinder und fanden tatsaechlich deutliche
Unterschiede: Die Kinder von hoerenden Eltern fuehrten relativ
schnelle Handbewegungen aus und fuchtelten dabei in einem weiten
Raumbereich herum. Dagegen zeigten die Kinder von gehoerlosen Eltern
zusaetzlich relativ langsame und rhythmische Handbewegungen. Dabei
beschraenkten sie sich hauptsaechlich auf einen Raumbereich vor dem
Koerper, in dem auch die Gebaerdensprache stattfindet.

"Dieser dramatische Unterschied legt nahe, dass die Babys den
Handbewegungen tatsaechlich eine Bedeutung beimessen und den
Sprachrhythmus nutzen", so Petitto. Das Plappern sei daher ein Beleg
fuer das schon frueh entwickelte Sprachgespuer der Babys. Dieses
spiele wiederum eine Schluesselrolle beim Erlernen der elterlichen
Sprache.
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Fliegendes Luftgewehr schiesst Satelliten ins All

Mit einem fliegenden Luftgewehr will die US-Luftwaffe in Zukunft
Satelliten ins All schiessen. Der neue Abschussmechanismus soll in
Frachtflugzeuge montiert werden und koennte die Kosten fuer den
Transport von Satelliten in die Umlaufbahn deutlich reduzieren. Das
berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Die Ingenieure der amerikanischen Streitkraefte wollen die
Traegerrakete mit dem Namen "Bladerunner" mit einem Hochdruckgeschoss
aus dem Heck des Flugzeuges katapultieren. Anschliessend faehrt die
mit dem Satelliten bestueckte Rakete ihre Fluegel heraus, macht eine
Vierteldrehung  und startet dann in hoehere Sphaeren durch. Wenn die
Luft zu duenn wird, werden die Fluegel wieder eingefahren und der
Raketenantrieb befoerdert den Satelliten bis in die Umlaufbahn.

Schon jetzt werden einige Satelliten von Flugzeugen ins All
geschossen. Allerdings erfordert das aeltere System spezielle
Luftfahrzeuge, die nur fuer diesen Zweck gebaut werden. Der neue
Abschussmechanismus kann innerhalb von 24 Stunden in konventionelle
Transportflugzeuge eingebaut werden. Bladerunner hat noch einen
Vorteil: Mit der neuen Traegerrakete koennen deutlich groessere
Satelliten transportiert weden als mit dem Vorgaengersystem.
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Wie wirkt das Ozonloch auf antarktische Pflanzen?

Den Pflanzen in der Antarktis schadet das Ozonloch wahrscheinlich
weniger als bisher vermutet. Zellschaeden durch steigende
UV-Strahlung koennen einige Pflanzen innerhalb nur eines Tages
reparieren. Von diesem Mechanismus berichtete ein niederlaendisches
Forscherteam um Daniela Lud vom Netherlands Institute of Ecology in
Yerseke jetzt auf einer Fachkonferenz. Lud hatte bei der Untersuchung
antarktischer Pflanzen nur geringe Schaeden im pflanzlichen Erbgut
gefunden. Derartige DNA-Fehler haetten die betroffenen Pflanzen
innerhalb von 24 Stunden behoben, berichtete die Forscherin.

Gegenueber dem Magazin "New Scientist" bestaetigten auch britische
Forscher diese Befunde. Kevin Newsham vom British Antarctic Survey
konnte beobachten, dass verschiedene Moos-Arten und Leberbluemchen
der verstaerkten UV-Strahlung mit eigenen Sonnenschutz-Pigmenten
begegnen.

Diese Funde duerften aber nicht als Beleg fuer die Harmlosigkeit der
UV-Strahlung angesehen werden, gibt die Biologin Deneb Karentz von
der University of San Francisco zu bedenken. Sie erinnerte die
Konferenz daran, dass das Ozonloch schon rund 25 Jahre auf die
Antarktis einwirkt. "Organismen, die der steigenden UV-Strahlung
nichts entgegen zu setzen haben, sind wahrscheinlich schon laengst
verschwunden", schaetzt die Forscherin.

Anfaelliger als Landpflanzen reagieren offenbar Meeresorganismen auf
den Anstieg der UV-Strahlung: Patrick Neale vom Smithsonian
Environmental Research Center in Washington berichtete der Konferenz,
antarktisches Phytoplankton sei nur noch eingeschraenkt zur
Photosynthese faehig. Weil das Plankton auch in tiefem Wasser
Sonnenlicht "ernten" muss, besitzt es kaum Sonnenschutz-Pigmente.
Wenn Stroemungen das Plankton dann zu weit an die Oberflaeche
treiben, kann es schneller und nachhaltiger durch UV-Strahlung
geschaedigt werden.
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Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser
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