MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 20.9.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Wale und Huftiere haben gemeinsame Ahnen 2. Atlantis vor den Saeulen des Herkules? 3. Kuenstliche Kuehe gegen Tsetse-Fliegen 4. Hochleistungslaser fuer ultraviolettes Licht ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wale und Huftiere haben gemeinsame Ahnen Wale sind mit Schweinen, Rindern und anderen Huftieren verwandt. Diese These konnte jetzt anhand neuer fossiler Funde bewiesen werden. Durch DNA-Vergleiche hatten Biologen zwar bereits frueher Hinweise gefunden, dass Wale und Huftiere gemeinsames Erbgut besitzen. Unter Palaeontologen war der Zusammenhang aber nicht unumstritten. Die Kritiker verwiesen auf fossile Funde, nach denen die Wale von einem einzelnen ausgestorbenen Huftier haetten abstammen koennen. Diese Theorie scheint mit den neuen Funden endgueltig widerlegt. Die Skelette gemeinsamer Vorfahren haben jetzt zwei amerikanische Forschergruppen in Pakistan ausgegraben. Demnach muessen die Urahnen der Wale vor rund 50 Millionen Jahren noch auf dem Land gelebt haben. Entdeckt wurden gleich vier bisher unbekannten Saeugetiere, die etwa so gross wie Fuechse und Woelfe waren. Ihre Skelette sind fast vollstaendig erhalten und aehneln denen von Schweinen und Tapiren. Ungewoehnlich sind allerdings die langen Schaedel, die deutliche Wal-Merkmale aufweisen. Die beiden Teams identifizierten jeweils zwei der Arten, die jetzt in den Magazinen "Nature" und "Science" vorgestellt werden. Hans Thewissen und Kollegen vom Northeastern Ohio Universities College of Medicine in Rootstown praesentieren in Nature den Fuchs-grossen Ichthyolestes und Pakicetus, der die Hoehe eines Wolfes erreichte. Philip Gingerich von der University of Michigan in Ann Arbor stellt ergaenzend in "Science" den Artiocetus und den Rodhocetus vor. Diese Exemplare sind "nur" 47 Millionen Jahre alt und dem Leben im flachen Wasser schon weiter angepasst. Christian de Muizon vom Naturhistorischen Museum Paris kommentiert in "Nature", die neuen Funde seien fuer die Evolution der Wale so bedeutsam wie der Archaeopteryx fuer die Vogelwelt. Die bisher aeltesten bekannten Wal-Vorfahren waren die Archaeoceti. Sie traten vor rund 45 Millionen Jahren im Unteren Eozaen auf. Die Tiere von hoechstens drei Meter Laenge besassen noch Beine und lebten vermutlich in flachen Uferzonen. Nach neuen Theorien koennten sie innerhalb von nur acht Millionen Jahren zu "echten" Meeressaeugern mutiert sein. ----Anzeige-------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- EIN VERFUEHRERISCHES ANGEBOT: Sie moechten noch mehr News aus Wissenschaft und Forschung? Mit weiterfuehrenden Informationen und Links? Und Sie moechten, dass die MorgenWelt Zukunft hat? Dann klicken Sie hier: http://www.morgenwelt.de/newsletter-neu.php ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Atlantis vor den Saeulen des Herkules? Atlantis existierte tatsaechlich, schliesst ein franzoesischer Geowissenschaftler aus eiszeitlichen Schwankungen des Meeresspiegels. Die Insel habe westlich des heutigen Gibraltar gelegen, so wie es der altgriechische Philosoph Platon vor rund 2.400 Jahren beschrieben hat. Anders als bei Platon sei Atlantis jedoch kein riesiges Inselreich, sondern ein Eiland von eher bescheidenen Ausmassen gewesen. Auf dem Hoehepunkt der letzten Eiszeit vor 19.000 Jahren lag der Meeresspiegel rund 130 Meter niedriger als heute. Jacques Collina-Girard von der Universit� de la M�diterran�e in Aix-en-Provence wollte herausfinden, ob Menschen damals trockenen Fusses die Strasse von Gibraltar ueberqueren konnten. Daher fertigte er eine Karte der damaligen Kuestenlinie an. Es zeigte sich, dass die Meerenge damals zwar nicht vollstaendig trocken fiel, jedoch sehr viel laenger und enger war als heutzutage. Zudem lagen an ihrem westlichen Ende mehrere Inseln, schreibt der Forscher in den "Comptes rendus de l'Acad�mie des sciences". Nach Ansicht von Collina-Girard handelt es sich bei der groessten dieser Inseln um Platons Atlantis. "Seltsamerweise hat niemand diese Lage ernsthaft in Betracht gezogen", so der Forscher gegenueber dem "New Scientist". Dabei entspreche dies genau der bei Platon angegebenen Position vor den Saeulen des Herkules, der Meerenge von Gibraltar. Was die uebrigen Angaben Platons angehe, entspreche die Insel nicht ganz den Erwartungen, raeumt Collina-Girard ein. Mit einer Groesse von 14 mal 5 Kilometern koenne man sie kaum als riesiges Reich "groesser als Libyen und Kleinasien zusammen" bezeichnen. Vermutlich handele es sich hierbei um einen Uebersetzungsfehler, vermutet der Forscher. Auch sei die Insel nicht in einem vulkanischen Inferno untergegangen, wie bei Platon beschrieben, sondern vor 11.000 Jahren nach und nach vom Meer ueberspuelt worden. Collina-Girard haelt dies fuer einen typischen Fall von kuenstlerischer Ausschmueckung. "Die Griechen hatten reichlich Erfahrung mit Vulkanausbruechen", sagte er dem "New Scientist". Ein vulkanisches Inferno sei Platon daher nicht nur ansprechender, sondern auch plausibler erschienen als ein gemaechlicher Anstieg des Meeresspiegels. ------------------------------------------------------------------- Kuenstliche Kuehe gegen Tsetse-Fliegen Die Tsetse-Fliege, einer der gefaehrlichsten Krankheitsuebertraeger Afrikas, laesst sich mit Hilfe "kuenstlicher Kuehe" wirkungsvoll bekaempfen. Dieses Resuemee zieht eine internationale Forschergruppe jetzt nach Langzeitversuchen in Simbabwe. Tsetse-Fliegen uebertragen die menschliche Schlafkrankheit und eine entsprechende Krankheit beim Rind, die als Nagana bezeichnet wird. Die von den Wissenschaftlern eingesetzten "kuenstlichen Kuehe" bestehen aus Tuechern, die mit Insektiziden impraegniert sind. Diese Tuecher sind fuer die Tsetse-Fliegen nicht nur wegen ihrer schwarz-blauen Faerbung attraktiv. Zusaetzlich geben sie eine Wolke von Kairomonen ab - einem Cocktail von Duftstoffen, an dem die Fliegen Rinder schon aus der Entfernung erkennen. Wenn die Insekten sich aber auf den vermeintlichen Kuehen niederlassen, kommen sie unweigerlich mit dem Insektizid in Beruehrung und sterben. Mitte der 80er Jahre hatten die Forscher im suedafrikanischen Simbabwe mit dem Aufstellen der "kuenstlichen Kuehe" begonnen. Damals waren Tausende von Rindern in dem Land mit Nagana infiziert. Durch den Einsatz von mittlerweile rund 60.000 Koedern sei die Krankheit binnen fuenf Jahren aber fast vollstaendig zurueck gedraengt worden und seitdem nicht wieder aufgeflammt, berichtet Stephen Torr vom Natural Resources Institute der University of Greenwich. Die "kuenstlichen Kuehe" seien nicht nur wirksam, sondern auch sehr viel effektiver als das grossflaechige Verspruehen von Insektiziden, so der Forscher. "Mitte der 80er Jahre hatte Nagana in Simbabwe einen Hoehepunkt erreicht. Damals verspruehte die Regierung jaehrlich 100 bis 200 Tonnen DDT, um die Tsetse-Fliegen zu kontrollieren." Insgesamt seien in Simbabwe rund 2.900 Tonnen des mittlerweile in vielen Laendern verbotenen Insektizids ausgebracht worden, so Torr. "Diese Art der Schaedlingsbekaempfung hat inzwischen aber effektiveren und umweltfreundlicheren Massnahmen Platz gemacht." Schon vier "kuenstliche Kuehe" reichten aus, um einen Quadratkilometer Land praktisch fliegenfrei zu halten. Die Schlafkrankheit bedroht weltweit schaetzungsweise 60 Millionen Menschen. Nicht minder verheerend ist Nagana: Allein in Afrika sind vermutlich 46 Millionen Rinder infiziert, von denen jaehrlich etwa drei Millionen Tiere sterben. "Wir glauben, dass die kuenstlichen Kuehe diese Zahl deutlich senken koennen", so Torr. ------------------------------------------------------------------- Hochleistungslaser fuer ultraviolettes Licht Einem internationalen Team von Physikern ist es gelungen, den bislang leistungsfaehigsten Ultraviolett-Laser zu bauen. Der Elektronenlaser erreicht eine Lichtverstaerkung von zehn Millionen - das entspricht der theoretisch erwarteten Hoechstleistung und einem neuen Weltrekord. Gegenueber den besten bisherigen Lichtquellen, die im Bereich der extrem energiereichen ultravioletten Strahlung fuer die Forschung zur Verfuegung stehen, hat der neue Laser eine tausendfach hoehere Leuchtstaerke. Der Rekord wurde beim Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) in Hamburg mit einem Freie-Elektronen-Laser erzielt. Dabei werden Elektronen in einem supraleitenden Teilchenbeschleuniger auf hohe Energien gebracht, fliegen anschliessend im Slalomkurs durch eine besondere Magnetanordnung und senden dabei laserartig gebuendelte Strahlung aus. Der Verstaerkertrick: Die Elektronen und die Strahlungsblitze beeinflussen einander, und zwar so, dass die zu winzigen Paeckchen gebuendelten Elektronen immer dichter zusammengedraengt werden und immer intensiver strahlen. Schliesslich schwingen saemtliche Elektronen im Gleichtakt und das von ihnen ausgesandte Licht ueberlagert sich zu den extrem intensiven Laserblitzen. Beim DESY haben jetzt die ersten Wissenschaftlergruppen damit begonnen, die konkurrenzlose Lichtquelle fuer ihre Forschung zu verwenden. Dazu DESY-Forschungsdirektor Jochen Schneider: "Verglichen mit den besten Synchrotronstrahlungsquellen, an denen wir heute unsere Forschungsarbeiten durchfuehren, ist der Freie-Elektronen-Laser millionenfach besser". ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt e.V. 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