.ausgestrahlt - gemeinsam gegen Atomenergie
Pressemitteilung

Berlin, 28. Juni 2013


Endlagersuchgesetz wird Atommüll-Konflikt nicht lösen

Atomkraftgegner enttäuscht und verärgert / Heute Aktion vor dem Reichstag


Zu der für heute geplanten Verabschiedung des Endlagersuchgesetzes im Bundestag 
erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:

„Meine große Sorge ist, dass es mit diesem Gesetz nicht gelingen wird,den 
Konflikt um die Atommüll-Lagerung zu lösen. Ich bin enttäuscht und verärgert, 
dass die Politik nicht deutlicher auf die Bürgerinnen und Bürger zugeht, 
sondern immer noch meint, sie könne das Atommüll-Problem alleine lösen. Denn 
das bleibt trotz der jetzt noch vorgenommenen kosmetischen Änderungen das 
größte Manko des jetzt gewählten Verfahrens:

- Die im Gesetz vorgesehene Bürgerbeteiligung an den potentiellen Standorten 
ist marginal.
- Noch bevor die geplante Kommission ihre Arbeit aufnimmt, wird im Gesetz schon 
vieles detailliert geregelt, was die Experten erst erarbeiten sollen.
- Die Kommission soll bis 2015 erörtern, ob es zur Endlagersuche ein neues  
riesiges Bundesamt braucht. Dieses wird aber bereits 2014 eingerichtet. Da kann 
ich nur sagen: Bundesrechnungshof, übernehmen Sie!

Einige der jetzt beschlossenen Änderungen gehen zwar in die richtige Richtung, 
greifen aber viel zu kurz:
- Natürlich ist es sinnvoll, das Bundesamt nicht schon 2013 einzurichten. Aber 
2014 macht genauso wenig Sinn.
- Natürlich ist es sinnvoll, mehr Wissenschaftler in die Kommission 
aufzunehmen, aber wenn die hinterher doch nichts zu sagen haben, nutzt das auch 
nichts.
- Natürlich ist es sinnvoll, den betroffenen Anwohnern und Gemeinden mehr 
Klagerechte einzuräumen. Aber warum gibt es die Möglichkeit der gerichtlichen 
Überprüfung dann nur bei einem einzigen Verfahrensschritt? Unterm Strich 
bedeutet das immer noch ein Abbau von Anwohnerrechten.

Zwei Passagen im Gesetz grenzen an Täuschung der Öffentlichkeit:

Zwar wird ein Verbot weiterer Castor-Transporte nach Gorleben aufgenommen. Aber 
es ist jetzt schon absehbar, dass dieses Verbot vor Gericht nicht haltbar ist. 
Die AKW-Betreiber behalten sich Klagen dagegen ausdrücklich vor. Und wenn die 
Bundesländer von ihrem Vetorecht bezüglich der Castor-Zwischenlagerung Gebrauch 
machen, dann läuft sowieso alles wieder auf Gorleben hinaus.

Zwar wird die Dauer der Zwischenlagerung auf 40 Jahre beschränkt, aber es ist 
unter Experten ein offenes Geheimnis, dass diese Zeitspanne bei Weitem nicht 
ausreichen wird, um ein Endlager in Betrieb zu nehmen.

Ein großes Problem bleibt: Weil der ungeeignete Salzstock Gorleben Teil des 
Suchverfahrens bleibt, wird weiter hauptsächlich über das Für und Wider von 
Gorleben gestritten werden, statt ohne Vorbehalte gemeinsam darüber 
nachzudenken, wie die schwere Hypothek Atommüll künftig gehandhabt werden kann.

Absolut unverständlich ist es für mich, wieso trotz aller bekannten Probleme 
bei der Atommüll-Lagerung immer noch Tag für Tag in neun AKW hochradioaktive 
Abfälle in großen Mengen produziert werden können. Niemand ist doch so verrückt 
und lässt bei einer überlaufenden Badewanne den Wasserhahn an und kümmert sich 
stattdessen nur ums Aufwischen.

Schwarz-Gelb und Rot-Grün loben den Kompromiss. Aber ein Kompromiss ist kein 
Wert an sich. Wenn eine Brücke über einen 20 Meter breiten Fluss gebaut werden 
soll, die eine Seite will das Bauwerk 5 Meter lang machen und die anderen Seite 
15 Meter, dann liegt der Kompromiss bei 10 Meter. Aber damit kommt man nicht 
über den Fluss.“


Heute ab 11 Uhr wird von .ausgestrahlt-Aktivisten ein Berg von 70 
Atommüllfässern zwischen Reichstag und Kanzleramt aufgebaut. Die Botschaft der 
Aktion: Die Parteien sind sich einig – der Konflikt bleibt. Und der 
Atommüllberg wächst weiter…


Rückfragen an
Jochen Stay, Tel.: 0170-9358759 (bei der Aktion in Berlin anwesend)
http://www.ausgestrahlt.de

.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die 
AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen Protest 
zu machen.
-- 
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oder im Internet unter:
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