Atommüllkonferenz
der Initiativen und Verbände gegen Atomanlagen

Gemeinsame Presseerklärung
Dienstag, 6. November 2018


Konzept der Atommüll-Zwischenlagerung ist gescheitert

70 Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände positionieren sich gemeinsam
zur Zukunft der Zwischenlagerung hoch radioaktiver Abfälle

Die Einlagerung hoch radioaktiver Abfälle in tiefengeologische Lager
oder andere mögliche Alternativen wird auch nach dem ambitioniertesten
Zeitplan noch nicht beginnen können, geschweige denn abgeschlossen sein,
wenn die Genehmigungen für die Zwischenlager auslaufen werden. Damit ist
das bisher in Deutschland verfolgte Konzept der Zwischenlagerung hoch
radioaktiven Mülls, das für 40 Jahre vorgesehen war, gescheitert. Neue
Konzepte für eine längerfristige Zwischenlagerung sind dringend
erforderlich. Angesichts der Dauer und Tragweite dieser Zwischenlagerung
ist die Gesellschaft frühzeitig an der Diskussion und der Entwicklung
dieser neuen Konzepte zu beteiligen.

Dies ist eine der zentralen Aussagen eines gemeinsamen Positionspapiers
zur Zwischenlagerung von hoch radioaktivem Atommüll, auf das sich nach
einem etwa zweijährigen intensiven Diskussionsprozess 70
Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände verständigt haben. Es wird der
Öffentlichkeit heute bei Pressekonferenzen in Düsseldorf und München
vorgestellt. Beteiligt sind auch Initiativen von 15
Zwischenlager-Standorten in Deutschland.

Das Positionspapier „Zwischenlagerung hoch radioaktiver Abfälle“ ist im
Rahmen der Atommüllkonferenz, einem regelmäßigen bundesweiten Treffen
von Initiativen, Umweltverbänden und kritischen Wissenschaftler*innen,
entstanden. Das Papier ist kein Plädoyer für eine dauerhafte
Oberflächenlagerung hoch radioaktiver Abfälle. Auch bis zur Beendigung
der Oberflächenlagerung müssen die Abfälle jedoch so sicher wie möglich
gelagert werden.

Die bestehenden Zwischenlager entsprechen nicht den notwendigen
Sicherheitsanforderungen. Exemplarisch dafür steht das Zwischenlager
Brunsbüttel. Diesem wurde gerichtlich die Genehmigung wegen erheblicher
"Ermittlungs- und Bewertungsdefizite" entzogen.

Von behördlicher Seite wurde den Transport- und Lagerbehältern eine
Sicherheit über 40 Jahre zugebilligt. Bereits für diese Lagerdauer und
erst recht für die unausweichliche Verlängerung um mehrere Jahrzehnte
gibt es keine zuverlässigen Sicherheitsnachweise. Diese müssen dringend
nachgereicht werden.

Der laxe Umgang der Aufsichtsbehörden mit geltendem Recht ist so alt wie
die Nutzung der Atomenergie in Deutschland. Seit 2013 lagern so auch 152
Castorbehälter im AVR-Behälterlager Jülich allein aufgrund einer
staatlichen Anordnung. Der damalige Betreiber, das Forschungszentrum
Jülich, hatte die Betriebsgenehmigung einfach auslaufen lassen.
Auch die atomrechtliche Aufsichtsbehörde, das Wirtschaftsministerium
Nordrhein-Westfalen, griff nicht entschieden ein. Die neuen
Verantwortlichen – die BGZ, das EWN und das Bundesamt für kerntechnische
Entsorgungssicherheit BfE müssen sich vor dem Auslaufen von
Betriebsgenehmigungen um Alternativen kümmern, statt die Probleme
auszusitzen.

Atomtransporte mit hoch radioaktivem Atommüll in Transport- und
Lagerbehältern stellen gerade auch angesichts der Terrorgefahren ein
großes Sicherheitsrisiko dar, weil hier nur der Behälter Schutz bietet.
Ein Integritätsverlust eines Behälters während des Transports durch
einen Unfall oder Terrorangriff würde massive Strahlendosen in der
Umgebung verursachen. Insbesondere deshalb müssen Atomtransporte
vermieden werden.

Derzeit lagern mehr als 1.000 Castor-Behälter mit hoch radioaktiven
Abfällen in den zentralen Zwischenlagern in Ahaus, Gorleben und Lubmin
sowie in den dezentralen Zwischenlagern in Jülich und an 12
AKW-Standorten. Die Anzahl der Castor-Behälter wird sogar noch auf etwa
1.900 anwachsen.

Das gemeinsame Positionspapier mit der Liste aller Unterzeichner*innen
finden Sie hier:
https://www.ausgestrahlt.de/positionspapier/zwischenlagerung/


Auch .ausgestrahlt hat das Positionspapier mit erarbeitet und unterzeichnet.

Kontakt für Rückfragen:
Jochen Stay
Sprecher von .ausgestrahlt
Tel.: 0170-9358759




-- 
Pressedienst von ausgestrahlt.de
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oder im Internet unter:
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