.ausgestrahlt – gemeinsam gegen Atomenergie
Pressemitteilung
Hamburg, 06.11.2018
AKW Neckarwestheim: Reaktorsicherheitsexperte warnt vor
auslegungsüberschreitendem Störfall aufgrund rissiger Rohre
.ausgestrahlt veröffentlicht Expertise zum Risiko von
Dampferzeuger-Heizrohrbrüchen / Gefährliches „Bypass-Ereignis“ mit
Freisetzung radioaktiver Stoffe und Kernschmelze möglich /
Umweltminister Untersteller darf AKW Neckarwestheim nicht ans Netz
lassen
Die fachliche Stellungnahme von Prof. Dr.-Ing. Manfred Mertins können
Sie hier herunterladen:
https://www.ausgestrahlt.de/informieren/mertins-stellungnahme-spannungsrisskorrosion/
Im AKW Neckarwestheim‑2 sind mehr als 100 Rohre in den Dampferzeugern
von Rissen durchzogen. Ursache ist die besonders gefährliche
Spannungsrisskorrosion. Die Risse können zum gleichzeitigen Bruch
mehrerer Rohre führen. Risiken und Folgen eines solchen
auslegungsüberschreitenden Störfalls hat der unabhängige
Reaktorsicherheitsexperte Prof. Dr.‑Ing. habil. Manfred Mertins in einer
Stellungnahme für die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt beschrieben.
Hierzu erklärt Matthias Weyland von .ausgestrahlt:
„Die im AKW Neckarwestheim‑2 entdeckten Risse sind irgendwann in den
vergangenen vier Jahren entstanden und mit unbekannter Geschwindigkeit
gewachsen. Weder EnBW noch die Atomaufsicht wissen, wann und wie schnell
die Risse bis zu 91 Prozent der Wanddicke durchdringen konnten. Sie
können deshalb auch nicht ausschließen, dass sich in den kommenden
Monaten erneut gefährliche Risse bilden, die unter Umständen sehr
schnell wachsen.
Schon der Bruch eines einzigen der mehr als 16.000 Heizrohre in den
Dampferzeugern ist ein gefährlicher Störfall, der zur Freisetzung von
Radioaktivität führen kann. Umweltminister Untersteller (Grüne) darf
einen solchen Störfall nicht billigend in Kauf nehmen.
Die Expertise zeigt zudem, dass insbesondere bei vorgeschädigten Rohren
eine erhebliche Gefahr gefährlicher Folgeschäden besteht: Das erste
beschädigte Rohr kann weitere benachbarte Rohre zerstören. Der Störfall
würde damit auslegungsüberschreitend. Zudem könnte er sich zu einem der
gefürchteten ‚Bypass-Ereignisse‘ entwickeln, bei denen radioaktives
Wasser aus dem Reaktorkern ungehindert in die Umwelt gelangen und der
Reaktorkern nicht mehr ausreichend gekühlt werden kann. Im schlimmsten
Fall droht dann eine Kernschmelze.
Das AKW Neckarwestheim‑2 ist in den vergangenen Jahren nur knapp am
Durchriss eines oder gar mehrerer Heizrohre vorbeigeschrammt. Weder EnBW
noch die Atomaufsicht haben bemerkt, wie Risse Rohrwände fast komplett
durchdrungen haben. Es kann nicht sein, dass EnBW nun einfach ein paar
beschädigte Rohre verstopft und den Reaktor wieder in Betrieb nimmt.
Solange das Auftreten weiterer schnell wachsender Risse
(‚Spannungsrisskorrosion‘) in den Dampferzeugern nicht hundertprozentig
ausgeschlossen ist, darf Umweltminister Untersteller keine
Wiederanfahrgenehmigung für den Reaktor erteilen. Die Sicherheit der
Bevölkerung muss Vorrang haben vor den Profitinteressen von EnBW.“
Rückfragen an:
- Matthias Weyland, .ausgestrahlt, Tel.: 0175 - 62 44 214
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.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die
Atomkraftgegner*innen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen
Protest zu machen.
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