.ausgestrahlt - gemeinsam gegen Atomenergie Pressemitteilung Hamburg, 27. Dezember 2018
Zahl der meldepflichtigen Ereignisse in AKW auf höchstem Stand seit 2011 Atomkraftgegner fordern schnelleren Ausstieg In deutschen Atomanlagen kam es im Jahr 2018 zu 79 meldepflichtigen Ereignissen. Eine höhere Zahl gab es zuletzt 2011. An der Spitze stand mit zehn Meldungen das AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein, gefolgt von Grohnde (Niedersachen) und Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) mit jeweils acht, Philippsburg-2 (BaWü) mit sieben und den Reaktoren Emsland (Niedersachsen) und Isar-2 (Bayern) mit jeweils sechs. Doch auch in allen anderen Atomkraftwerken kam es zu entsprechenden Ereignissen. Häufige Ursache ist menschliches Versagen. Immer wieder sind Notkühlsysteme betroffen, die bei einem schweren Störfall die Kernschmelze verhindern sollen. Teilweise kommt es auch zu Serienfehlern, wenn mehrere gleiche Bauteile betroffen sind, die eigentlich dazu da sind, sich gegenseitig bei Störungen zu ersetzen. Ursache sind häufig altersbedingte Mängel. Teilweise finden Reparaturen oder Ursachenklärung erst Monate später statt, damit der Reaktor nicht extra heruntergefahren werden muss. Manchmal ist es einfach nur Glück, dass ein defektes Bauteil erkannt wird, bevor es zu einem radioaktiven Leck kommt. Doch nicht immer kann der Austritt radioaktiver Stoffe verhindert werden. Dazu erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt: „Auch 2018 war Deutschland wieder zweitgrößter Atomstrom-Produzent in der EU. Entsprechend groß sind auch weiterhin die Risiken. Nur weil der Ausstieg für 2022 beschlossen ist, bedeutet dies nicht, dass Atomkraftwerke weniger gefährlich werden. Ganz im Gegenteil: je älter die Anlagen werden, um so anfälliger wird die Technik. Deshalb fordern wir, die sieben noch laufenden AKW bereits jetzt abzuschalten und nicht darauf zu warten, bis ein unkontrollierbarer Störfall auftritt.“ Zwar gibt es auch nach dem Abschalten noch Gefahren, wenn etwa die Ereignisse in Brunsbüttel und anderen Anlagen zeigen, doch insgesamt ist das Risiko dann geringer. Einige konkrete Beispiele: Brokdorf: Nur zwei Tage nach Neustart nach Revision muss Reaktor wieder vom Netz wg. defekter Dichtung im sekundären Kühlkreislauf Gundremmingen: Reaktorbehälter wegen defekter Tür nicht dicht, Luft entwichen Philippsburg: radioaktives Leck nach menschlichem Versagen Brunsbüttel: Halterungen durch falsche Dübelverbindungen – seit 2007 bekannt, Untersuchungen immer noch nicht abgeschlossen, neue Befunde Gundremmingen: Stromausfall nach Blitzeinschlag Neckarwestheim: Radioaktives Leck nach menschlichem Versagen Brunsbüttel: Bauteil zum zweiten Mal „unerwartet schnell verschlissen“, Radioaktivität ausgetreten Emsland: Mängel nach erfolgten Arbeiten, undichte Türen Neckarwestheim: Dampferzeuger-Hüllrohrwandschwächungen Gundremmingen: wieder defekte Brennelemente gefunden. Jülich: Aufgrund eines gehäuften, sich wiederholenden Ansprechens einer Störmeldung, die für den aktuellen Betriebszustand als nicht relevant bewertet wurde, die aber die übrige Überwachung der Anlage erheblich gestört hatte, wurde entschieden, die Meldung temporär zu unterdrücken. Zu diesem Zweck wurde eine entsprechende Kabelverbindung getrennt. Isar: Falsches Brennelement in Castor verladen Neckarwestheim, Brunsbüttel, Biblis: Brandschutzklappen / Brandschutz betroffen Brunsbüttel: Wegen Umbauten wurde die Leitung zur Feuerwehr-Leitstelle in Elmshorn außer Betrieb genommen und nachfolgend nicht wieder aktiviert. Rückfragen an Jochen Stay Sprecher von .ausgestrahlt Tel.: 0170-9358759 .ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die Atomkraftgegner*innen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen Protest zu machen. -- Pressedienst von ausgestrahlt.de Für Rückfragen mailto:[email protected] oder im Internet unter: https://www.ausgestrahlt.de
