ausgestrahlt – gemeinsam gegen Atomenergie

Pressemitteilung

Hamburg, 04.09.2018


EnBW täuscht Öffentlichkeit über den Zustand des AKW Neckarwestheim

Neue Befunde zeigen, dass Risse in den Dampferzeuger-Heizrohren des AKW
nicht etwa langsamer, sondern sogar schneller entstehen und schneller
wachsen als in den Jahren zuvor / Messmethode 2018 war fehlerhaft /
Weitere Risse sind zu erwarten

Zur Behauptung von EnBW (PM vom 2.9.2018), die getroffenen Maßnahmen
gegen die Rissbildung im AKW Neckarwestheim-2 zeigten bereits „erste
Erfolge“, erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-.Atom-Organisation
.ausgestrahlt:

„EnBW führt die Öffentlichkeit mit ihren Angaben zu den Risschäden im
AKW Neckarwestheim‑2 in die Irre. Anders als von EnBW suggeriert wird
das Rissproblem nicht etwa kleiner, sondern größer. Denn von den 191
jetzt entdeckten Rissen war nach Angaben des Umweltministeriums
vermutlich nur rund die Hälfte schon im Herbst 2018 vorhanden. Demnach sind
etwa 95 Risse in den vergangenen neun Monaten neu entstanden. In dieser
kurzen Zeit haben sie nach den derzeit vorliegenden Informationen die
Wände der vom radioaktiven Reaktorwasser durchströmten Heizrohre
stellenweise bis zu 70 Prozent zerstört, so dass nur noch eine
Restwandstärke von weniger als 0,4 Millimetern übrig blieb.
Die im vergangenen Herbst entdeckten 101 Risse hatten die Rohrwände zwar
schon bis zu 91 Prozent durchdrungen. Der von EnBW und Umweltministerium
vertretenen Hypothese zufolge hatten sie dafür allerdings auch bis zu
acht Jahre Zeit: EnBW hatte 2010 begonnen, Sauerstoff in den
Dampfkreislauf einzuspeisen, woraufhin sich verstärkt Eisenoxid bildete
und in den Dampferzeugern ablagerte. Daran hefteten sich der Hypothese
zufolge dann die für die Rissbildung nötigen Stoffe.
Weil EnBW bei den Untersuchungen im Herbst 2018 eine ungeeignete
Messsonde verwendet hat, sind damals etwa 95 Risse übersehen worden. Der
Messfehler war weder Atomaufsicht noch Gutachtern aufgefallen. Zählt man
diese Risse zu den 101 damals schon entdeckten hinzu, macht das
insgesamt 196 Risse mit Wanddickenschwächungen von bis zu 91 Prozent,
die im Zeitraum von acht Jahren entstanden sind. Demgegenüber stehen 95
neue, ab November 2018 entstandene Risse mit Wanddickenschwächungen von
bis zu 70 Prozent.
Wahrscheinlich sind also in den vergangenen neun Monaten mehr Risse
entstanden und schneller gewachsen, als im selben Zeitraum zuvor – allen
Gegenmaßnahmen zum Trotz. Unter Umständen sind die Rohre bereits so
vorgeschädigt, dass eine weitere Verschlimmerung nicht zu verhindern
ist. Die Atomaufsicht hat eingestanden, dass auch in den kommenden
Jahren mit weiteren Rissen zu rechnen ist (Heilbronner Stimme, 4.9.).
Einen derart maroden Reaktor unter diesen Umständen wieder ans Netz zu
lassen, ist schlicht unverantwortlich. EnBW ist ein staatliches
Unternehmen. Die Landesregierung Baden-Württemberg als
Hauptanteilseigner kann und sollte EnBW anweisen, den Meiler endlich
abzuschalten.“


Rückfragen an:
   • Jochen Stay, T. 0170-9358759
   • Armin Simon, T. 0163-8832446

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