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Greenpeace Blog - 01.06.2012

USA: Entscheidender Kurswechsel in Sachen Gentechnik?

von Dirk Zimmermann

Europa, Insel der Glückseligen - so scheint es, zumindest was die Kennzeichnung 
der ungeliebten gentechnisch veränderten Lebensmittel betrifft. Gleiches gilt 
für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Gerne wird die drohende 
Isolierung der alten Welt propagiert, als drohe uns nichts weniger als die 
endgültige Abseitsstellung in Sachen der "Zukunftstechnologie" Agro-Gentechnik.

Im Mutterland der "grünen Gentechnik", den USA, schien der Zug in der Tat lange 
abgefahren - die erdrückende Dominanz der Gen-Pflanzen Soja und Mais auf den 
Äckern des Landes hat dazu geführt, dass praktisch alle verarbeiteten 
Lebensmittel auch gentechnisch veränderte Zutaten enthalten. Nur: Für den 
Verbraucher ist dies nicht erkennbar, es gibt keinerlei Verpflichtung zur 
Kennzeichnung wie in Europa. Von Wahlfreiheit, eine Grundlage der europäischen 
Gentechnik-Regulierung, kann also nicht die Rede sein. Beim Import 
US-amerikanischer Produkte in die alte Welt führt dies zu zahlreichen 
Unsicherheiten und Fehlkennzeichnungen. Einige große Hersteller produzieren 
bzw. verpacken speziell für den europäischen Markt und kennzeichnen 
entsprechend. Direktimporte sind allerdings oft verwirrend oder schlicht falsch 
etikettiert. Aktuelle Greenpeace-Recherchen konnten diesen Missstand 
dokumentieren; das betroffene KaDeWe erweist sich bisher allerdings als 
weitestgehend beratungsresistent [1]. (Ausführliche Gen-Alarm-Listen zu 
Importlebensmitteln kann der gentechnikkritische Verbraucher hier [2] finden).

Lange schien es, als wäre der Status quo in den USA in Stein gemeißelt und eine 
Veränderung bloße Utopie. Mittlerweile aber sieht es so aus, als könnte sich 
der Wind drehen: aus dem Engagement kleinerer Verbraucherorganisationen ist 
eine Bewegung geworden, die ihr "right to know" immer lauter einfordert - und 
von der Politik gehört wird. Aus einem Nischendasein ist eine Angelegenheit des 
öffentlichen Interesses geworden, die Medien berichten immer häufiger, so 
jüngst auch die große New York Times [3].

Für einen echten Kurswechsel könnten aber politische Entscheidungen sorgen. Die 
Energie der Pro-Kennzeichnung-Bewegung, unterstützt durch Millionen von 
Unterschriften, hat dazu geführt, dass in über zwölf Staaten entsprechende 
Gesetzgebungsverfahren in die Wege geleitet wurden. Große Bedeutung dürfte 
einer wahrscheinlich im November stattfindenden Volksabstimmung zukommen: die 
Bürger Kaliforniens können sich dann für die Positiv-Kennzeichnung gentechnisch 
veränderter Lebensmittel aussprechen. Der Entscheidung würde Signalwirkung 
zukommen; kaum jemand zweifelt, dass in der Folge der Rest des Landes 
nachziehen würde. Entsprechend der Bedeutung werden aber auch millionenschwere 
Kampagnen der beteiligten Interessengruppen erwartet. Es steht viel auf dem 
Spiel für die einschlägig bekannten Big Player der Agro-Gentechnik: Sie 
verdienen nicht nur am Absatz gentechnisch manipulierten Saatguts, sondern auch 
an den in den Anbausystemen notwendigen Pestiziden, und profitieren so von 
einer beispiellosen Fehlentwicklung in der Landwirtschaft.

Sollte sich Bürgerwille gegen Kapitalinteresse durchsetzen, wird es 
anschließend in den Supermärkten der USA erst richtig spannend. Sofern nicht 
die Lebensmittelkonzerne aus Sorge vor Imageschäden eine Entscheidung am 
Supermarktregal durch den Verzicht auf kennzeichnungspflichtige Zutaten 
vorwegnehmen, könnte die Kaufverweigerung gekennzeichneter Produkte nicht nur 
am amerikanischen Lebensmittelmarkt für eine 180-Grad-Wende sorgen. Das Gesicht 
der Landwirtschaft des Landes könnte maßgeblich beeinflusst werden. Seit der 
Einführung gentechnisch veränderter Pflanzen 1996 schien es ausgemachte Sache 
zu sein, dass die USA vom flächendeckenden Anbau nicht mehr abweichen würden. 
Wenn sich neben dem zunehmenden Versagen gentechnisch veränderter Pflanzen auf 
dem Acker [4] nun aber auch noch Schwierigkeiten bei der Vermarktung einstellen 
würden, dürfte auch bei den Farmern ein Umdenken einsetzen.

Nicht nur in Sachen Präsidentschaftswahlen wird es im Spätherbst 2012 also 
spannend in den USA. Im Wahlkampf 2008 hatte Obama die Kennzeichnung 
gentechnisch veränderter Lebensmittel zum Thema gemacht. Der Volksentscheid in 
Kalifornien könnte die Erfüllung dieses Wahlversprechens nun ohne Zutun des 
Präsidenten einleiten.

[1] 
http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/nachrichten/artikel/achtung_gen_food_im_kadewe/
[2] 
http://www.greenpeace.de/nachrichten/artikel/gen_alarm_liste_gekennzeichneter_lebensmittel/
[3] 
http://www.nytimes.com/2012/05/25/science/dispute-over-labeling-of-genetically-modified-food.html
 
[4] 
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-05/biotechnologie-schaedlinge/komplettansicht

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