NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 142/15 | 24.NOVEMBER 2015
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Umwelt/Energie/Klima
NABU: Experten bescheinigen der deutschen Klimapolitik Schwächen 
Tschimpke: Nachlässige Braunkohle-Politik fällt Bundesregierung auf die
Füße - Klimaschutz im Verkehrssektor findet so gut wie nicht statt 
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Berlin – Wenige Tage vor Start der Weltklimakonferenz in Paris haben
führende Wissenschaftler der Bundesregierung Schwächen in der
deutschen Energie- und Klimapolitik bescheinigt. Das geht aus der
Stellungnahme der Expertenkommission zum 4. Monitoring-Bericht zur
Energiewende hervor, die am morgigen Mittwoch von Staatssekretär Rainer
Baake präsentiert wird. „Die Expertenkommission macht keinen Hehl
daraus, dass Deutschland die Energie- und Klimaziele, wie die Minderung
der Treibhausgasemissionen, mit den bisherigen Maßnahmen nicht erreichen
wird. Die Bundesregierung darf hier nicht die Augen verschließen, es
besteht dringender Handlungsbedarf, wenn die deutsche Energiewende ein
Erfolgsmodell werden soll“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
 
Das zentrale Klima-Ziel der Bundesregierung, die Treibhausgasemissionen
bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, könne aus Sicht der
Experten nur noch erreicht werden, wenn der Treibhausgas-Ausstoß dreimal
so schnell wie bisher gedrosselt würde. „Die jüngsten, halbgaren
Kompromisse erscheinen da wie ein schlechter Scherz: Bei dem
angestrebten und nicht mal ausreichenden Rückgang von 22 Millionen
Tonnen Treibhausgasen im Stromsektor bis 2020 soll der große Wurf die
de-facto-Stilllegung alter Braunkohlekraftwerke sein, mit der
bestenfalls 12,5 Millionen Tonnen eingespart werden können“, so
Tschimpke weiter. Für eine effektive Umsetzung der Klimaziele fehle es
offenbar an der nötigen politischen Durchsetzungskraft und am Willen.
„Es sieht so aus, als ob die nachlässige Braunkohle-Politik der
Bundesregierung ihr jetzt beim Erreichen der Klimaziele auf die Füße
fällt“, so der NABU-Präsident. Dass das Modell Kraftwerksreserve der
Klimaschutzabgabe vorgezogen wurde, sei bis heute aus umweltpolitischer
Sicht nicht nachvollziehbar.
 
Zugeständnisse würden aber nicht nur an die Kraftwerksbetreiber
gemacht, auch der Verkehrssektor sei seit Jahrzehnten ein Sorgenkind der
Klimaschutzbemühungen, ohne dass die Bundesregierung Anstalten gemacht
hätte, dies zu ändern. Die Expertenkommission weist dann auch auf die
unzureichenden Maßnahmen, insbesondere beim Pkw-, aber auch beim
Lkw-Verkehr hin. „Die Mineralölsteuer wurde seit zwölf Jahren nicht mehr
erhöht und die Erdölpreise sind im Keller. Das führt dazu, dass
Autofahren und Güterverkehr per Lkw immer billiger wird. Wer hier nicht
ansetzt, wird auch die steigenden CO2-Emissionen aus dem Verkehr nicht
in den Griff bekommen“, kritisierte Tschimpke. 
 
Weitere Rückschritte verzeichnet der Bericht bei den Entwicklungen des
Energieverbrauchs und der Energieeffizienz, auch in diesen Bereichen
wurde in den vergangenen Jahren der Zielpfad nicht erreicht. „Die
Bundesregierung muss auf den Rat ihrer Experten hören und nachsteuern:
nur mit einer naturverträglichen Energiewende kann der Klimawandel
wirksam begrenzt werden und die Energie- und Klimaziele erreicht werden.
Die naturverträgliche Energiewende kann nur funktionieren, wenn wir den
Kohleausstieg voranbringen und Energieeffizienz und Energieeinsparungen
endlich zu tragenden Säulen der Energiewende werden“, so
NABU-Energieexpertin Tina Mieritz. „Die Ergebnisse des Berichts sind ein
geradezu peinliches Signal so kurz vor der Weltklimakonferenz.“
 
NABU-Forderungen zur UN-Klimakonferenz zu finden unter: 
www.nabu.de/cop21 
 
Twitter: https://www.twitter.com/NABU_Klima
 
Für Rückfragen:
Tina Mieritz, NABU-Energieexpertin, Mobil +49 (0)173.35 22 872, E-Mail:
[email protected]
 Sebastian Scholz, NABU-Klimaschutzexperte, beobachtet die
UN-Klimaverhandlungen vor Ort in Paris und ist erreichbar vom 30.11. bis
zum 12.12.2015 unter +49 (0) 172-4179727, E-Mail:
[email protected], Twitter: https://www.twitter.com/NABU_Klima
 
 
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