Hallo rohrpostler,

ich habe soeben, auch im Nachgang des ganzen Feedbacks über diese Liste, eine Aktualisierung meines Berliner Gazette-Texts zur Frage "UNO-Intervention in Japan?" vorgenommen.
http://berlinergazette.de/schicksalsgemeinschaft-japan-weltgemeinschaft-nukleare-katastrophe/
Wir diskutieren in der Kommentarebene, wer auf Diskussion und die zahlreichen Links im Text verzichten kann, möge untenstehend den Update lesen.

Viele Grüße,

Krystian

In aktuellen Medienberichten entsteht der Eindruck: die Weltgemeinschaft ist bereits umfassend an der Katastrophenhilfe in Japan beteiligt. So meldet beispielsweise die Japan Times: „World pitches in to offer support“. Regierungen aus 134 Ländern haben Hilfe angeboten, 39 internationale Organisationen beteiligen sich bereits. Die Süddeutsche Zeitung berichtet wiederum von der vorbildlichen Kooperation zwischen den Armeen Japans und der USA sowie der aktiven Beteiligung von 34 Ländern. Ein behutsamer Blick auf die vom Außenministerium Japans zur Verfügung gestellte Karte der internationalen Beteiligung offenbart: Fast alle sind nördlich von Fukushima aktiv und in erster Linie mit den Bergungsarbeiten der Erdbeben- und Tsunami-Opfer beschäftigt. In Fukushima selbst sind nur einige Mitarbeiter der IAEA sowie Mitarbeiter der US-amerikanischen Nuclear Regulation Commission sowie des U.S. Department of Energy vor Ort.

Das Engagement der Weltgemeinschaft konzentriert sich bei der Dreifach-Katastrophe vom 11.3.2011ff offenbar nicht in erster Linie auf den Super-GAU in Fukushima. Obgleich die Bergungsarbeiten durchaus dazu beitragen, die Nuklearkatastrophe einzudämmen (letztlich ist man im erweiterten Evakuierungsgebiet tätig), bleiben viele Fragen, mit Blick auf Süden, genauer gesagt, Tokio, offen und von den bisherigen Anstrengungen der internationalen Zusammenarbeit weitgehend unbeachtet. Während sich eine Mehrheit des Landes gegen das Krisenmanagement der Regierung ausgesprochen hat und in Tokio die Angst umgeht, kritisiert die UNO die kontinuierlich verwirrende Informationspolitik. Die Berliner Zeitung bringt heute auf der Titelseite den Aufmacher: „UN verzweifeln an Japans Atomchaos“. Der Leiter der UN-Umweltbehörde wird mit den Worten zitiert: „Was im Augenblick für viele am schwersten nachzuvollziehen ist, ist die Frage, wieso Information, deutliche, klare, präzise Information, so schwierig zu bekommen ist“.

Mit Blick auf die Risikoabwägung für Kernkraftwerke beschwert sich der Umwelt-Chef der UNO ferner, „man müsse sich im Nachhinein fragen, warum man bei den Szenarien eine Folge von Erdbeben und Tsunami nicht vorausgesehen habe“. Wer hat hier versagt? Sicherlich muss sich die UNO auch selbst an die Nase fassen. Immerhin ist sie als Partner am Notfallplan der Weltgemeinschaft, dem so genannten „Joint Radiation Emergency Management Plan of the International Organizations” beteiligt, neben zahlreichen anderen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren. Vor diesem Hintergrund muss sich die UNO vorwerfen lassen, die Verantwortung in Fukushima nicht schneller, bedingungsloser übernommen zu haben.

Das Bild der Weltgemeinschaft in Zeiten des Super-GAUs erscheint sogar noch widersprüchlicher, wenn man die Handelsbeschränkungen der Welthandelsorganisation (WTO) als Folge des Atomunfalls in Betracht zieht. Australien, Singapur oder Hongkong haben Importbeschränkungen für Agrarprodukte aus dem Nordosten Japans verhängt. Andere – darunter Deutschland – haben die Kontrollen bei Einfuhren verschärft. Die Regierung Japans warnt vor Überreaktionen und verweist darauf, alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen bei der Ausfuhr unternommen zu haben. Vor zwei Tagen hat sie der WTO vorgesprochen. Es bleibt abzuwarten, was daraus folgt.

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