Der Speckpater

monochrom gibt sich die Ehre Wenzel Storchs Eroerterung „Der Speckpater. Die Dampfwalze Gottes. Eine autobiographische Reise in die Lektuerewelten eines Messdieners“ zu praesentieren. Wie in seinen legendaeren (und seit laengerem schon als DVD-Sonder-Edition mit tonnenweise Zusatzmaterial angekuendigten) Filmen „Der Glanz dieser Tage“ (1989), „Sommer der Liebe“ (1993) und „Die Reise ins Glueck“ (2004) verarbeitet Storch auch hier seine Nachkriegskindheit im Milieu einer provinziellen deutschen unteren Mittelschicht mit einem seltenen phaenomenologischen Sinn fuers Detail und die subtile Variation und Artenvielfalt des Immergleichen. Das trashkulturelle Sammelsurium, das er in erstaunlicher Akribie ausbreitet, durchdringt dabei sein Material um ein Vielfaches genauer und klueger als der Humorbierernst von Comedy oder Kult-Kultur, die meist nur von ihrer eigenen Erkenntnisunfaehigkeit sprechen. Und anstatt bloss in handliche Klischees zu verniedlichen, wird das Grauen, das hinter dem netten Quatsch ja auch lauert, en passant mit erzaehlt. Ausgehend von der publizistischen Parallelwelt des 1970er-Hardcore-Katholizismus mit Organen wie „Echo der Liebe“, „Stadt Gottes“, „Der Weinberg“, „Missio Aktuell“, „Bonifatiusblatt“ und „Liboriusblatt. Die grosse Wochenzeitung fuer die katholische Familie“ stoesst Stroch auf den Moench Werenfried van Straaten aus der Praemonstratenserabtei von Tongerlo. Unter den noms de guerre „Der Speckpater“ und „Die Dampfwalze Gottes“ organisierte van Straaten die so genannte „Ostpriesterhilfe", eine Kampforganisation zur Unterstuetzung der Kirche in der kommunistischen Diaspora des Nachkriegs-Europa. Neben materiellen Hilfsguetern als zu leistende Aufbauhilfe ging es dabei auch um die Bereitstellung von ideologischem Ruestzeug im Kampf gegen den Atheismus. Im Zusammenhang der deutschen Vertriebenen-Kultur der BRD war dies eine zugleich lustig bizarre aber eben auch todernst revanchistische Angelegenheit. Vom post-faschistischen Horror und ebenso von der Absurditaet solcher Projekte zeichnet Wenzel Storch ein genaues Bild. Und waere das nicht die allerschlimmste aller vollautomatischen Kabarettprogrammankuendigungsphrasen, koennte man/frau/sonstige hier tatsaechlich mal von jenem Lachen sprechen, das im Hals stecken bleibt. Aber lesen Sie selbst…

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