CALL FOR PAPER
Junges Forum für Bildwissenschaft IV Bilder des Lebendigen Sprachen, Imaginationen, Technologien Tagung der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Bildkulturen in Kooperation mit der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 11.-13. Mai 2009 Deadline für Vorschläge: 31. Januar 2009 Das Lebendige zu beobachten, gehört zu den ältesten Herausforderungen naturwissenschaftlichen Forschens. Bereits die vormoderne Naturkunde hatte eine Vielzahl von Techniken entwickelt, um Phänomene, denen "Leben" zugeschrieben wird, besser zu verstehen. Erst recht aber die modernen Naturwissenschaften werden von einem Prozess getragen, der ein überaus reiches und komplexes Instrumentarium von Technologien und Verfahren zur Erforschung des Lebens hervorgebracht hat. Die Deutungsmacht, die den Biotechniken des 20. und 21. Jahrhunderts im Hinblick auf die Vorstellungen und Definitionen "vom Lebendigen" zugeschrieben wird, basiert nicht zuletzt auf dem Einfluss jener Bildsprachen und Sprachbilder, mit deren Hilfe sich diese Wissenschaften mitteilen. Die Vielzahl der epistemischen Praktiken der Biotechniken ist an adäquate Repräsentationen gebunden, da das Wissen und die Erkenntnisse dieser Forschungsbereiche erst hierdurch gegenüber Dritten sichtbar werden können. Nur so können sie durch Dritte überprüft, bestätigt oder verworfen werden. In solchen Aushandlungsprozessen verwendet die wissenschaftliche Forschung ein weites Spektrum von Aufzeichnungstechniken, um beispielsweise mithilfe von Bild und Sprache Erkenntnisse zu beschreiben, zu erklären, zu beweisen - kurz: zu kommunizieren. Unter anderem lassen sich anhand der "Sprachen" der Wissenschaften die vielfältigen Prozesse der Kommunikation und der sich anschließenden Aushandlung von Deutungen konzise beobachten. Wie das Neue, das heißt das in Forschungen erkannte und entdeckte Wissen, sprachlich gefasst wird, lässt sich nicht allein anhand der Evolution von Metaphern und Analogien beobachten. Auch allgegenwärtige und daher scheinbar unauffällige sprachliche Mittel wie spezifische Adjektive und Verben geben Auskunft über die Strategien der Imagination und der Aneignung des Lebendigen. In vergleichbarer Weise lassen sich unter anderem auch anhand von bildgebenden Verfahren Formen der Standardisieung und der Normierung ablesen, werden Traditionen sichtbar und Erwartungen erkennbar. Ob Bilder oder Texte, Diagramme oder Karten, Tabellen oder Formeln - Repräsentationen sind grundsätzlich Strategien der Stellvertretung und damit prinzipiell bereits Interpretationen, die durch kollektive Denkstile geprägt werden. Das Lebendige stellt für diese Prozesse wissenschaftlicher Repräsentation eine besondere Herausforderung dar. Denn wenn das Lebendige eine ihm je eigene Gegenwart besitzt, so wird die Frage nicht allein lauten können: Welche Repräsentationsstrategien sind denkbar, die dem Lebendigen angemessen sind? Vielmehr soll mit jenen, in der gegenwärtigen bio- und gentechnologischen Forschung mit hoher Intensität erforschten Fragen, wie das Leben entsteht, wie es funktioniert und unter welchen Bedingungen es sich erhalten, kopieren, reproduzieren und funktionalisieren lässt, ein zweiter Fragekomplex eröffnet werden: Welche Strategien der Imagination des Lebendigen stehen den Bio- und Gentechnologien zur Verfügung? Wie lässt sich das Lebendige überhaupt denken? An welchen Stellen berühren sich die Strategien der Erzeugung mit jenen der Simulation und der Kommunikation? Und wann schlagen die Versuche fehl, die Eigendynamik des Lebendigen zu kontrollieren oder sogar zu beherrschen? Antworten auf diese Fragen nach den "Bildern des Lebendigen" sollen sich anhand der drei Koordinaten "Sprachen", "Imaginationen" und "Technologien" ausrichten. Der Schwerpunkt der Analysen soll auf den vielfältigen Problemen und Lösungsansätzen liegen, wie sie in die Biotechniken des 20. und 21. Jahrhunderts entwickelt worden sind und gegenwärtig entwickelt werden. Vom 11. bis zum 13. Mai 2009 veranstaltet die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Bildkulturen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zum vierten Mal ein "Junges Forum für Bildwissenschaft", 2009 erstmals in Kooperation mit der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht. Die Tagung "Bilder des Lebendigen. Sprachen, Imaginationen, Technologien" richtet sich insbesondere an Postdoktorand/innen und Doktorand/innen der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften. Sie soll Gelegenheit geben, die im Call for Paper formulierten Fragen aus einer dezidiert interdisziplinären Perspektive zu diskutieren. Am Abend des 12. Mai 2009 wird der Kunsthistoriker und Philosoph Prof. Robert Zwijnenberg (Universität Leiden und The Arts & Genomics Centre) im Leibnizsaal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften einen öffentlichen Abendvortrag zum Thema Bilder des Lebendigen halten. Erbeten sind an die unten angegebene E-Mail-Adresse ein kurzes, nicht mehr als einseitiges Abstract für eine halbstündige Präsentation sowie ein knapper Lebenslauf mit Stichworten zu den Forschungsinteressen. Stichtag der Einsendung ist Samstag, der 31. Januar 2009. Eine Publikation der Tagungsbeiträge wird erwogen. Die Erstattung von Reise- und Übernachtungskosten ist voraussichtlich möglich. Einsendungen bitte an: [email protected] (Stichwort: Junges Forum) Für weitere Informationen zur Interdisziplinären Arbeitsgruppe Bildkulturen und zu den Tagungen sowie Publikationen des »Jungen Forums« in den Jahren 2006, 2007 und 2008 siehe www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/Bildkulturen/ Für weitere Informationen zur Interdisziplinären Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht siehe www.gentechnologiebericht.de Wissenschaftliche Konzeption und Organisation: Silke Domasch, Ingeborg Reichle und Steffen Siegel Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Bildkulturen Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Gentechnologiebericht Jägerstraße 22/23 D -- 10117 Berlin Junges Forum für Bildwissenschaft: 2006 Verwandte Bilder Publiziert in: Verwandte Bilder. Die Fragen der Bildwissenschaft Herausgegeben von Ingeborg Reichle, Steffen Siegel und Achim Spelten. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2007, 2., durchgesehene Auflage 2008 2007 Visuelle Modelle Publiziert in: Visuelle Modelle. Herausgegeben von Ingeborg Reichle, Steffen Siegel und Achim Spelten. Wilhelm Fink Verlag, München 2008 2008 Maßlose Bilder Publiziert in: Maßlose Bilder. Visuelle Ästhetik der Transgression. Herausgegeben von Ingeborg Reichle und Steffen Siegel, Wilhelm Fink Verlag, München 2009 (in Vorbereitung)
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