Regime | Wie Dominanz organisiert und Ausdruck formalisiert wird.
Ein öffentlicher Workshop.
Datum | 28.05.2010 - 29.05.2010
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010
Wien, Aktzeichensaal, Souterrain: S5
Um Organisationen von Macht und Aspekte von Herrschaft zu
beschreiben, wird immer wieder der Begriff des Regimes zur Hilfe
genommen: Man spricht vom Akkumulations-, Migrations-, Blick- oder
ästhetischen Regime. Aber für wen und warum gilt der
Regimebegriff als nützlich und produktiv?
Einerseits besitzt der Begriff das Potenzial, Politik- und
Ökonomietheorie, visuelle Kultur und Ästhetik aufeinander zu
beziehen und in ihrer Wechselwirkung zu verstehen - als Ergänzung
oder Alternative zu verwandten Konzepten wie "Hegemonie" oder
"Empire". Andererseits ist der Gebrauch des Regimebegriffs sehr
weitläufig und oft ungenau und spekulativ.
Der Workshop wird vom Konzept "Regime" ausgehen, um spezifische
Formen des Politischen zu untersuchen. Unter "Formen" werden dabei
ästhetische Formalisierungen von Ausdruck verstanden. In ihnen
verdichtet und zeigt sich die Praxis und die Performativität
gesellschaftlicher Arrangements und politischer
Kräfteverhältnisse, die als "Regime" beschrieben werden können.
Der Workshop bietet Versuchsanordnungen an, in denen entlang
verschiedener Theorielinien und Materialien diskutiert wird, ob
sich der Ansatz, vom Regime her zu denken, für macht- und
herrschaftskritische Analysen eignet oder nicht.
(für den Flyer siehe https://subsites.akbild.ac.at/emp/Portal/
aktuell/regime/?backurl=https://subsites.akbild.ac.at/emp/Portal/
aktuell/aktuell-1/atct_topic_view?
Grafik: Toledo i Dertschei (nach El Lissitzky, 'Mit dem roten
Keil – Schlag die Weissen', 1920)
Freitag, 28. Mai 2010 [Wie sprechen Regime?]
15:00-19:00 Uhr
Begrüßung und Einführung
Maren Grimm/Johanna Schaffer: Zwei oder drei Filmausschnitte, um
zu thematisieren, wie Dominanz über die Formalisierung von
Ausdruck organisiert wird.
Manuela Bojadžijev: Grenz- und Migrationsregime.
Was können wir uns vorstellen und nicht vorstellen, wenn wir über
Grenz- und Migrationsregime sprechen?
17:15-17:45 Pause
Ulrich Brand: Internationale Regime.
In der Politikwissenschaft und insbesondere in der Teildisziplin
der Internationalen Beziehungen zeigt der Regimebegriff politische
Koordinationsmechanismen an, insbesondere zwischen Regierungen,
aber auch in Kooperation mit gesellschaftlichen Akteuren.
Prominant wurde in diesem Zusammenhang der Begriff der (Global)
Governance. Was sind die Semantiken des Regime-Begriffs? Welche
Sachverhalte werden fokussiet, welche ausgelassen? Ist er aus
einer herrschaftskritischen Perspektive brauchbar?
Samstag, 29. Mai 2010 [Wie sprechen wir in Regimen?]
10:00-18:00 Uhr
Plattform Geschichtspolitik
Die Plattform Geschichtspolitik nimmt mit einem
geschichtspolitischen Rundgang, einer Präsentation ihrer Arbeit
sowie anschließender Diskussion am Symposium teil.
Ruth Sonderegger: Ästhetische Regime (im Ausgang von Jacques
Rancière)
Wie verhalten sich die drei Regime der Kunst, die Rancière
ausgemacht hat, zu jener "ersten oder allgemeinen" Ästhetik, die
regelt, was in einer bestimmten Epoche sag-, denk- und wahrnehmbar
ist? Ist diese erste Ästhetik tatsächlich der Schauplatz, auf dem
Kunst und Politik sich treffen und streiten? Mit Blick auf den
Beitrag der Plattform Geschichtspolitik.
13:00-14:00 Pause
Marlene Streeruwitz: Film "Son et lumière" (Streeruwitz, A 2010)
und Diskussion
nicht so gedacht werden zu wollen. darum geht es. also. son et
lumière über die entbitterung von geschlechtsentwürfen. diesmal
anhand von frauenleben. und es ist ein versuch.
Libertina Bomba: Handlungsspielräume aufreissen - Regime
verschrotten
Frühlingsaktion - die Regimeverschrottungsprämie: Verschrotten
Sie ihre Handlungsregime und erhalten sie dafür neuwertige
Handlungsspielräume! Alle Regime auf die Schrottplätze der
Geschichte!
Lina Dokuzović: Europe's regime of a higher education area and its
mobility of commodified knowledge
While the so-called European Higher Education Area promotes the
maximal mobility of higher education within Europe, it supports
structural discrimination, the result of which is two classes of
movement, mobility and migration, creating a growing regime of
knowledge production.
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Der Workshop wird gemeinsam organisiert von Petja Dimitrova, Eva
Egermann, Maren Grimm, Tom Holert, Jens Kastner und Johanna
Schaffer. Alle lehren an der Akademie der bildenden Künste Wien
und sind entweder Künstler_innen und/oder Kunsttheoretiker_innen.
Manuela Bojadžijev ist Politologin und lehrt an der Humboldt Uni
Berlin.
Ulrich Brand ist Politologe und lehrt an der Universität Wien.
Lina Dokuzović ist Künstlerin und forscht zu Bildungsregimen.
Plattform Geschichtspolitik, angesiedelt an der Akademie der
bildenden Künste, beschäftigt sich mit der Herstellung eines
kontinuierlichen Prozesses, in dem die Teilhabe der Akademie der
bildenden Künste an Kolonialismus, (Austro-)Faschismus und
Nationalsozialismus kritisch reflektiert und öffentlich verhandelt
wird.
Libertina Bomba ist Aktivist_in und ein Pseudonym für viele(s).
Ruth Sonderegger ist Philosophin und lehrt an der Akademie der
bildenden Künste Wien.
Marlene Streeruwitz ist Schriftstellerin und lebt in Wien.
Zum Workshop erscheint die Ausgabe des Bildpunkt. Zeitschrift der
IG Bildende Kunst (Wien) zum Thema "Regimestörungen" (Frühling
2010).
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