Galerie Hubert Winter . Breite Gasse 17 . 1070 Wien .  Austria
tel+43 1 5240976 / fax+43 1 52409769

[email protected]
<applewebdata://4194F902-2818-4054-A9C6-B2BD594A8F28/[email protected]
>  
www.galeriewinter.at


MARY ELLEN CARROLL
Proposals, Encryptions
and the Death of a Typology (Architecturally Speaking)
 
Eröffnung: 10. März 2011, 19 – 21 Uhr
Die Künstlerin ist anwesend
 
11. März – 7. Mai 2011
Di – Fr 11 – 18 Uhr, Sa 11 – 14 Uhr
 
In ihrer fünften Einzelausstellung in der Galerie zeigt Mary Ellen Carroll
zwei frühe wegweisende Arbeiten, in denen es um Systeme des Verstehens in
Sprache und Architektur geht, sowie eine Serie von noch nie gezeigten
Zeichnungen mit dem Titel actions to make architecture perform.
Ihr reichhaltiges Oeuvre, entstanden in den letzten 20 Jahren, ist
interdisziplinär angesiedelt und kreist um die Fragen von Subjektivität,
Sprache und Macht. Diese werden in der künstlerischen Praxis durch Doubles,
Imitation und Kopien überprüft – diese Motive werden in unterschiedlichen
Ergebnissen ausgelotet, vom Evozieren des Unheimlichen bis zur Untersuchung
der Verbreitung und der Interpretation eines Kunstwerks. Arbeiten, die
mühelos scheinen, wie das Sichern der Idee eines anderen Künstlers als
Handelsware, oder so komplexes und gewagtes wie sich nur mit einem Reisepass
und den Kleidern am Leib für sechs Wochen in ein fremdes Land zu begeben.
Carroll lässt in all ihren Arbeiten ein stark performatives Element
einfließen; selbst das aktuellste Werk prototype 180 (www.prototype180.com),
dessen Realisierung zehn Jahre dauerte, beinhaltet die physische Rotation
eines Einfamilienhauses, eine Art Architektur-Performance.
A Modest Proposal/A Modist Prepozel (1990-1991) besteht aus acht wollenen
Marinedecken aus dem zweiten Weltkrieg, in die der gesamte titelgebende
Essay von Jonathan Swift gestickt ist. Das quintessentielle Werk von
satirischer Ironie aus dem Jahr 1729 beinhaltet den monströsen Ratschlag des
Autors, dass die Reichen an den Kindern der Armen Kannibalismus praktizieren
sollten. Carroll transkribierte den Essay in Lautschrift nach dem American
Heritage Dictionary, setzte dann den gesamten Text in Universal, der 1925
von Herbert Bayer entwickelten Bauhaustypographie, und stickte ihn mit
schwarzem Seidenfaden in die Decken. Vom ersten bis zum achten Panel wird
die Qualität der Arbeit maschineller und zeugt von der zunehmenden
Arbeitsleistung im Fertigungsprozess, der während des MacDowell Fellowship
begann und dessen Fertigstellung zwei Jahre dauerte. Das Resultat verwandelt
den Ausstellungsbesucher zunächst in einen Darsteller, der die Worte laut
ausspricht, dann zum Zuhörer seiner selbst, was durchaus zum Lachen anregt.
Es ebnet somit das Spielfeld für Leser, die Englisch nicht als Muttersprache
sprechen, da die lautsprachliche/ lautschriftliche Hürde eine Fremdheit für
alle mit sich bringt.
act of god (1999) hat als Zentrum Mies Van der Rohes “glass house” am Fox
River in Illinois unweit von Chicago. Um der zweifelsohne wichtigen Rolle
der Fotografie in der Weitergabe von architektonischem Design gerecht zu
werden, entstanden Arbeiten, die ein Maximum an Information in einem
reproduzierbaren Bild wiedergeben können. Zusammen mit Dr. David l. Hecht,
dem Entwickler von Dataglyphen am Xerox Palo Alto Research Center in
Kalifornien - dem Binärcode,der die Basis aller digitalen Technologien ist -
entwickelte Mary Ellen Carroll “Glyphtones”, die Halbtönen ähneln. Dem
gedruckten Muster, welches das Bild produziert, wird eine chiffrierte
Information überschrieben: die Information wird zum Bild selbst. Die
Landschaftsansichten in act of god sind von Mies Van der Rohe selbst
aufgenommene Standortaufnahmen am Fox River; die zu kodierende Information
ein Kapitel aus den Memoiren Edith Farnsworths, der Besitzerin des Hauses,
in dem sie die schwierige Situation zwischen ihr selbst und Mies Van der
Rohe beschreibt. Hechts Glyphen, die diese beiden Quellen kombinieren,
wurden dann kodiert in lithographische Platten eingeschrieben. Die Farben
aus dem Text wurden zu Teilen der individuellen Titel der Arbeiten und sind
zu beachten, wenn der Besitzer der Edition das Set im Offset-Druck
produzieren möchte. Der rechtliche Terminus act of god, in der Kunst als
Titel verwendet, weist auf die Wahrscheinlichkeit einer Überschwemmung des
Fox Rivers hin, bei der auf „wundersame“ Weise das Äußere des Hauses zum
Inneren werden kann  - dank Mies van der Rohes Design - gleich einem
Aquarium. Und natürlich auf die Bewegung der Fotografie außerhalb der
Bildfläche hinein in ein Reich reiner Daten.
Die Zeichnungen action to make architecture perform entstanden seit 1992 und
handeln von Befehlen oder Prozessen von architektonischen Ansichten, Plänen
und Profilen. Zwanzig Jahre später haben diese Zeichnungen den
Rotationsprozess von prototype 180 beeinflusst.
 
 
Mary Ellen Carroll
*1961 in Danville Illinois, lebt und arbeitet in New York und Houston
 
2010 Graham Foundation Fellowship für prototype 180 und innovation territory
AIA’s Artist of the Year Award
Weitere Stipendien/Preise: Guggenheim Fellowship, Pollock/Krasner Award,
Rockefeller Foundation Fellowship, MacDowell Colony Fellowship, u.a.
Eine Monographie ihrer Arbeit, publiziert von SteidlMACK (London/Göttingen)
erhielt 2010 den AIGA’s Book of the Year Award.
Mary Ellen Carroll unterrichtet an der architecture school in der Rice
University, in Houston, Texas.


image: Detail. A Modest Prosposal/ A Modist Preprozal. 1990-1991


_______________________________________________

      Safari - Die Mailingliste fuer Kunst und Wien 
http://listen.esel.at/mailman/listinfo/safari

      MAILS SENDEN: mailto:[email protected]

Anmelden: mailto:[email protected]?subject=subscribe
Abmelden: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe

Termin RECHTZEITIG für eSeL Mehl & kalender.esel.at eintragen: 
http://esel.at/fuettern

>:e) 

Antwort per Email an