Hallo

hudsonthehawk Wrote: 
> Damals habe ich dann auch Vergleiche zwischen MP3 und AAC kodierten
> Files angestellt. Und für mich (auf dem "mich" liegt die Betonung)
> klang AAC halt einfach besser. Das mag heute mit neueren Decodern, etc.
> anders sein.

Dein Höreindruck ist vermutlich sogar völlig richtig. Apple verbaut im
Ripper seiner iTunes Jukebox absichtlich einen der besten bekannten
AAC-Encoder und gleichzeitig den schlechtesten bekannten aktuellen
mp3-Encoder. Genau aus diesem Grunde kann man ja auch für den MAC
alternativ mit dem 'LAME-Plugin'
(http://blacktree.com/apps/iTunes-LAME/) arbeiten. Unter Windows
bewähren sich für die Erstellung von hochwertigen mp3 seit Jahren 'EAC
und LAME' (http://audiohq.de/index.php?showtopic=47). Es liegt also
nicht an "neueren Encodern", sondern an den integrierten Encodern.
Dieses frustrierende Anti-Alleinstellungsmerkmal ist bekannt und auch
durch Hörtests dokumentiert.

[image: http://rjamorim.com/test/mp3-128/plot12z.png]
'Quelle' (http://rjamorim.com/test/mp3-128/results.html) 

Die Gründe für den Einbau dieses weit unterdurchschnittlichen
FhG-Encoders dürften vermutlich im Marketing liegen, schließlich
erhöhen solche "Manipulationen" indirekt die Akzeptanz der eigenen
Firmenformate, wenn man fälschlicherweise davon ausgeht, der
mp3-Encoder wäre vergleichbar den anderen bekannten Encoders für mp3.
Meiner Erfahrung nach klingen auch die für den DRM-Downloadshop
verwendeten Firmenformate (*.m4p *.m4u) nicht so gut wie der in der
iTunes Jukebox verbaute AAC-Encoder. Vermutlich werden die Kaufloads
auch aus RAW-AAC Freeform Dateien als Quelle encodiert und nicht mit
dem guten AAC-Encoder von hochwertigen Medien. (Jedenfalls gab es
hierzu mal einige Diskussionen auf Hydrogenaudio.org in denen solche
Vermutungen angestellt wurden) 

hudsonthehawk Wrote: 
> Ich hab aber inzwischen eine grosse Bibliothek (ca. 20GB insgesamt auf
> beiden Welten, Apple und PC), und die jetzt komplett von vorne
> aufzubauen, ist einfach nicht machbar! Ganz einfach. Da brauche ich
> einfach ein Gerät, was ohne grosse Probleme meine Dateien abspielen und
> streamen kann.

Ein solches Gerät dürfte es sicher von Apple oder einem der unzähligen
Apple Zubehör-Distributeure geben. Ein Stichwort dürfte "Apple Airport
Express" sein, wobei ich bei den Streaming-Lösungen keinen Überblick
habe.   

hudsonthehawk Wrote: 
> Ich war dann etwas (bzw. doch eher sehr) enttäuscht, als ich feststellen
> musste, das der SlimServer auf der Windows und er mac-Welt AACs nur dann
> abspielt, wenn iTunes installiert ist.

Diese Enttäuschung kann man durchaus auch zu Lasten der
Apple-Produktphilophie auslegen, denn Apple-Produkte sind genau das
Gegenteil von Interoperabel und kompatibel. An allen Ecken wird
verschlüsselt und vernagelt. In dieser Beziehung hat man sich wohl an
einem großen IT-Konzern aus Redmond orientiert. Mit der Einführung von
iTunes wurden zB auch alternative Softwareplayer, die auf Kompatiblität
achteten leider obsolet, ein Beispiel wäre der Audion Player von Panic.
'Wer legt sich schon  mit Apple an'
(http://www.panic.com/extras/audionstory/), also dem Hersteller des
Betriebsystems für das man programmiert.

"Von Microsoft lernen, heisst Siegen lernen?"

In Deinem Falle hat diese "Produktphilosophie" über proprietäre nicht
quelloffene Anwendungen ja offensichtlich auch zum Erfolg geführt und
wie Du bereits bemerkst, ist Deine Auswahl an Möglichkeiten durch die
Wahl von Apple eigenen Formaten ja bereits unangenehm eingeschränkt.
Wie ich bereits angedeutet habe, wäre das mit Anwendungen die die
freien Formate Ogg-Vorbis, FLAC oder LAME-mp3 einrahmen nicht passiert.

hudsonthehawk Wrote: 
> Und eben nicht unter Linux, wenn man nicht irgendwelche weiteren Player,
> Codierer, etc. installiert. Ich verstehe einfach nicht, das diese Tools
> nicht automatisch bei der Linux-Version mit dabei sind, so würde die
> Werbung auch stimmen.

Ich vermute mal, daß Teile der
Technologien/Funktionen/Programme/Werkzeuge auf die Du Wert legst
einfach 'nicht quelloffen' (http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Source)
sind, man sie also nicht so ohne weiteres in ein OpenSource-System
eingliedern kann.   

hudsonthehawk Wrote: 
> Was ich in einem Post vorher als "arrogant" bezeichnet habe ist die
> Aussage, dass User, die AACs benutzen eben auch nur mit einem Mac
> daherkommen.

Dies stimmt nur zum Teil, denn AAC-Encoder gibt es auch für Windows.
Empfehlenswerte sind iTunes-AAC und der AAC-Encoder in Nero.

hudsonthehawk Wrote: 
> Und das ist eben nicht immer der Fall; aber wahrscheinlich sind diese
> User eben in der Minderheit, deswegen lohnt sich es nicht, das ganze zu
> implementieren.

Diese Vermutung dürfte sogar ziemlich nahe an der Wahrheit sein, denn
angesichts der erstaunlichen hohen Qualität des LAME-mp3 Encoders
(Weiterentwicklung findet immer noch statt) haben sich die Prognosen
hinsichtlich der AAC-Formate allesamt als unwahr erwiesen. *Einen
technisch bedingten Updatezwang auf AAC der mp3 ablösen sollte
(Konjuktiv!) haben wir bisher nicht gesehen.* Schlimmer noch, freie und
unfreie Lossless-Formate wie FLAC erledigen das Thema Komprimierung auf
dem PC und MAC in Kürze, weil Speicherplatz immens preiswert zu haben
ist und der ganze "immerwährende Affentanz" mit den verlustbehafteten
Formaten (AAC, mp3, wma etc) damit überflüssig wird. Sehr
wahrscheinlich löst Lossless gerade aktuell noch den höhsten technisch
bedingten Updatezwang aus, sodass wir gar nicht mehr erleben werden,
wie AAC noch irgendwas ablösen wird. 

Die Akzeptanz von AAC als Format dümpelt selbst in Fachkreisen vor sich
hin, ein steigender Trend ist zwar durchaus erkennbar, aber die
Systemwechsler vermehren sich nur langsam. Das meinte ich übrigens
damit, daß AAC trotz einiger akademischer Vorteile, keine oder kaum
nennenswerte Vorteile bietet. Jedenfalls nichts was Begeisterungsstürme
auslösen würde und die Leute scharenweise vom hochwertigen Encodieren
mit LAME-Encodern abhalten würde. Wenn man mp3 als Standardformat mit
weitreichender Verbreitung und wahrscheinlich größtmöglicher
Kompatibilität zu Hardware bezeichnen würde, so läge man da durchaus
richtig. Das erstaunlichste an dieser kaum vorherzusagenden Entwicklung
ist, daß man mittels LAME heute ein sehr sehr hohes Niveau hinsichtlich
der Transmissons-Effizienz beim Encodieren erreichen kann. Das heißt
auf deutsch, daß man LAME mittlerweile sogar schon soweit optimiert
hat, daß die Grenze der 'weitreichenden Transparenz'
(http://www.audiohq.de/index.php?showtopic=20) in den variablen
Bitratenraum von etwa 110-150 kbps (VBR !) fällt.    

hudsonthehawk Wrote: 
> Okay, nochmal herzlichen Dank für Deine Ausführungen und fürs "Zuhören"
> meiner Erklärungen.

Kein Problem

Gruss


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