Bernd und Guido, ich nehme nochmal das Ende unserer kurzen Diskussion auf. Im Moment erscheint mir Guido's Gedankengang in Bezug auf funktionale Programmiersprachen und die aufgezeigte Parallele zu Alan Kay's These "Die Revolution hat noch nicht begonnen" durchaus nachvollziehbar. Gerade die Assoziation "Revolution <-> Funktionale Programmierung" finde ich aeusserst spannend.
Funktionale Programmierung muendet in dynamischen und flexiblen Systemen - also genau dem Gegenteil von Systemen mit Objekt-orientiertem Entwurf und starker Typisierung. Letztlich ist Objekt-orientierte Programmierung i. d. R. imperative Programmierung, nur dass sich die Prozeduren auf eine genau definierte Datenstruktur beziehen. Dies erleichtert die Arbeit des Programmierers ungemein, loest aber auch nicht das Problem der aeusserst statischen Systeme. Hinzu kommt, dass dem Anwender i. d. R. der Einblick in die Objekte, die er in seinem Computer benutzt, verwehrt bleibt. Der Anwender ist dumm und wird dumm gehalten. Imperative Vorgehensweise halt. Was passiert, wenn "das Volk" lesen und schreiben lernt und Zugang zu den Erkenntnissen der Geistes- und Naturwissenschaften erhaelt, erfahren wir als Nach-1793er-Generation taeglich. Das Internet ist nur ein Beweis. Wir Software-Architekten muessen langsam zugeben, dass wir das sichere und stabile System mit Objekt-orientierten Konzepten allein niemals bauen koennen. In sofern ist das "One Laptop Per Child"-Projekt aeusserst spannend: Kinder werden auf Basis eines objekt-orientierten Systems in die funktionale Denkweise eingefuehrt: sie stecken sehr kleine Teile zu aeussert maechtigen System zusammen - genau das Prinzip der Funktionalen Programmierung! Ich hoffe, dass ich die dadurch ausgeloeste Revolution bzw. die Eroberung der IT-Domaene durch die Anwender noch miterleben darf. Go - Alan - Go. Juergen Beckmerhagen On Tue, 2007-11-20 at 14:38 +0100, Bert Freudenberg wrote: > On Nov 20, 2007, at 8:56 , stepken wrote: > > > ETOYS kommt dem von der Idee schon recht nahe, es ist ein > > "Prozessuales Programmieren", wo man die OO-Hintergründe nur noch > > erahnen kann. Das ist es, was Alan Kay mit seinem Ausspruch, dass > > die Software-Revolution noch nicht begonnen hat, gemeint hat! > > So habe ich ihn nicht verstanden - weder in seinem gleichnamigen > Vortrag von 1997 > > http://video.google.com/videoplay?docid=-2950949730059754521 > > noch in seinem "Pisa"-Vortrag 2007 > > http://www.vpri.org/pdf/Pisa_RN_2007_007_a.pdf > > Ihm geht es um wesentlich Größeres als Programmierparadigmen. Alan > Kay geht es um wissenschaftlich-skeptisches Denken (im Gegensatz zu > wissenschaftlichem Glauben, der derzeit an Schulen gelehrt wird) als > Allgemeingut, wofür der Rechner als jederzeit verfügbares > Simulationswerkzeug ein Mittel zum Zweck ist. Er sieht die "Computer- > Revolution" in einer Linie mit der "Buchdruck-Revolution", die nach > 200 Jahren einen gesellschaftlichen Umbruch ausgelöst hat. Den Anfang > dieses Umbruchs kann man vielleicht in der Blog-Szene beobachten, das > freie Internet ist eine wesentliche Säule dieser Revolution, aber die > eigenliche "Computer-Literacy" (ich suche seit Jahren nach einer > treffenden Übersetzung) steckt noch in den Kinderschuhen. Das OLPC- > Projekt ist ein Versuch, diese Entwicklung zu beschleunigen. > > "Though the world today is far from peaceful, there are now examples > of much larger groups of people living peacefully and prospering for > many more generations than ever before in history. The enlightenment > of some has led to communities of outlook, knowledge, wealth, > commerce, and energy that help the less enlightened behave better. It > is not at all a coincidence that the first part of this real > revolution in society was powered by the printing press. The next > revolutions in thought – such as whole systems thinking and planning > leading to major new changes in outlook – will be powered by the real > computer revolution – and it could come just in time to win over > catastrophe." -- Alan Kay > > - Bert - > >
