Hallo Markus, 

habe während des Schreibens gesehen, dass Heiko Dir schon geantwortet hat. 
Sende Dir trotzdem meine Antwort als Ergänzung hinterher. Du kannst solch 
allgemeine Fragen auch an die talk.de-Mailingliste richten; dort sind mehr 
Leute unterwegs und Du bekommst bestimmt schneller Antwort. 

Vorab: Aus meiner Sicht hat der Tracktype sehr zur Verbreitung von OSM 
beigetragen, weil er ein vernünftiges Fahrrad-Routing ermöglicht, das sogar den 
Fahrradtyp berücksichtigen kann. Das ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal. 

Grundsätzlich kannst Du da nicht viel falsch machen. Der Tracktype ist ein 
wenig Ermessenssache, weil er ein Bündel an Eigenschaften anzeigt - trotzdem 
funktioniert der Tag erstaunlich gut und es hat sich ein allgemeiner Konsens 
gebildet, wie die Wirtschaftswege zu klassifizieren sind. Eine Stufe höher oder 
niedriger ist in der Regel nicht dramatisch. 

Am 16.05.2015 um 14:18 schrieb markus schnalke <[email protected]>:
> 
> Wege mappe ich ueblicherweise mit drei Tags: highway=track, surface=*
> und tracktype=*. Meine Frage ist nun, ob surface und tracktype
> orthogonal zu einander sind oder voneinander abhaengen.
> 
> Im orthogonalen Fall ist tracktype eine globale Skala auf der
> asphaltierte Strassen im normalerweise grade1 und grade2 belegen,
> Dreckwege aber kaum ueber grade4 hinaus kommen duerften. Diese
> Auslegung scheint das Wiki anzudeuten:
>       http://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Key:tracktype
> Die Beschreibung auf dieser Wikiseite legt allerdings nahe, dass
> die Oberflaeche den tracktype fast schon bestimmt. Was ist also
> mit surface=compacted + tracktype=grade1? Auch surface=compacted
> + tracktype=grade4 wuerde ich bei entsprechend verwitterten Wegen
> mappen wollen ... oder sollte ich das ueber smoothness abdecken?

Das Wiki [1] beschreibt eigentlich sehr gut, wie man die Feld- und Waldwege 
mittels Tracktype klassifiziert. 

Der Tracktype ist eine Klassifizierung, die sich aus »Untergrund« _und_ 
»Oberfläche« _und_ deren »Zustand« ergibt. 

Wenn man unsicher ist, ob es einen Unterbau/Tragschicht gibt, findet man 
Indizien, wie tiefere Spurrillen oder den Zustand nach einem Regen. 

Der von Dir angeführte Wert »compacted« für »surface« [2], genauso wie die 
Werte »paved« und unpaved, sind aus meiner Sicht für Wirtschaftswege zu 
ungenau; bei Flächen oder Straßen, wo es _keine_ Entsprechung zum »Tracktype« 
gibt, sieht das etwas anders aus. Die Angaben beschreiben im Grunde die 
Versiegelung der Fläche/des Weges und implizieren in _unserer_ Region einen 
entsprechenden Unterbau; in Regionen mit weniger entwickelter 
Verkehrsinfrastruktur sieht das sicherlich anders aus. Asphaltierte Wege und 
Flächen werden hier kaum ohne aufwendigen Unterbau angelegt; das gleiche gilt 
für gesplittete Waldwege. 

Bei Wirtschaftswegen wäre es tatsächlich so: 

surface=paved = tracktype=grade1
surface=compacted = tracktype=grade2
surface=unpaved = tracktype=grade3-5

Wenn ich auf eine dieser Oberflächenangaben treffe, ersetze ich sie, wenn ich 
es genauer weiß, durch eine Materialangabe. 

Evtl. wäre es sinnvoll einen Tag für die Tragschicht/den Unterbau einzuführen, 
damit sonstige Straßen, Wege und Flächen genauer erfasst werden können. 
Ausreichend wäre dann als Wertangabe eigentlich erst einmal ein yes oder no. 


> Im abhaengigen Fall (den ich immer wenige wahrscheinlich finde)
> haette jede Oberflaeche die volle Qualitaetsskala. Surface=asphalt
> + tracktype=grade4 koennte dann besser sein als surface=dirt +
> tracktype=grade2.


Hier ein paar Beispiele auf die Du vielleicht stoßen kannst: 

Asphaltierte, betonierte und geflasterte Wege, auch in schlechtem Zustand, sind 
so gut wie immer »grade1«. Ist der Belag allerdings völlig bröselig, in 
Auflösung begriffen und mit Splitt geflickt würde ich »grade2« eintragen. 
Treffe ich auf einen geschotterten Weg, der keine Tragschicht besitzt, aber an 
manchen Stellen (z. B. kurze Steigungen) geteert ist damit die Steine nicht 
wegrollen, wähle ich »grade3« und trage nur den Schotter als 
Oberflächenmaterial ein. So etwas findet man z. B. bei Zufahrten zu 
Schrebergärten. 
Manche gesplitteten Radwege mit wassergebundener Decke (grade2) werden, statt 
mit Splitt, mit groben Schotter ausgebessert, weil der Bauhof den gerade auf 
dem LKW hatte oder der Mitarbeiter die Radfahrer ärgern will (Hatte ich hier im 
Ort: »Radfahrer haben zuviel Freizeit und zahlen keine Steuern!«). Der Weg 
bleibt trotzdem »grade2«, aber mit wechselndem Surface: fine_gravel und gravel. 
Treffe ich auf gemischte Oberflächenmaterialien, wähle ich das dominierende 
bzw. schlechtere Material und vermeide Doppelwertangaben, wie beispielsweise 
»surface=grass;ground«, sondern gebe nur »ground« an. 
In Ostdeutschland, wo man häufiger auf Betonwege trifft, habe ich auch 
Konstruktionen gesehen, wo meiner Meinung keine Tragschicht gebaut wurde und 
nur lange, dicke Betonplatten auf den Boden gelegt und miteinander verbunden 
wurden - das wäre dann für mich »grade1«. Quasi Tragschicht und Oberfläche in 
einem. 
Dann habe ich schon Wege mit Kunststoffgittern gesehen, die wurden 
offensichtlich einfach in den Boden gedrückt; das hat mit dem Fahrrad sehr gut 
funktioniert; wäre für sehr schwere Fahrzeuge aber sicherlich ungeeignet. Das 
wäre aus meiner Sicht am ehesten Grade3 (keine Tragschicht, aber ein griffiges 
Oberflächenmaterial). 

Die Kombinationen »surface=asphalt + tracktype=grade4« und »surface=dirt + 
tracktype=grade2« wird man bei uns kaum antreffen. Statt »dirt« verwende ich 
übrigens lieber »ground« - »dirt« ist meiner Meinung wertend. 

Grundsätzlich frage ich mich bei der Beurteilung nach dem Zweck des Weges und 
für welche Fahrzeuge der Weg geeignet, bzw. nicht geeignet sein könnte. 
Wirtschaftswege werden ja für zweispurige (Kraft)Fahrzeuge angelegt und von 
Radfahrern, Wanderern etc. mitbenutzt. 

Für mich liegen grade1 und grade2, als aufwendig gebaute Wege mit Tragschicht, 
nah bei einander. Genauso wie grade4 und grade5, die meistens zu abgelegenen 
Feldern und Wiesen führen oder im Wald als Rückewege dienen. Grade3 liegt 
dazwischen; meistens handelt es sich um grob geschotterte Verbindungswege ohne 
Unterbau - manchmal mit einer Grasnarbe in der Mitte. 

Und abschließend: Besser ist relativ. Ich fahre z. B. mit dem Rad lieber über 
einen ebenen Grasweg (grade5) als über einen holprigen Schotterweg (grade3), 
viele Jogger ziehen einen unbefestigten Waldweg einem asphaltierten Weg vor 
usw.. 

Apropos Wertung: Ich bin momentan kein Freund des Tags »Smothness« - mir ist 
das zu subjektiv (excellent - very_horrible). Wenn es einen objektiv messbaren 
Wert wie die Rautiefe bei Materialoberflächen gäbe, sähe ich das anders. 

Mit den Angaben Tracktype und Surface können z. B. Router einen Weg schon 
ziemlich gut einschätzen.  

Ist jetzt doch ein bisschen lang geworden. :-)

Viele Grüße

Carsten


[1] http://wiki.openstreetmap.org/wiki/Key:tracktype
[2] http://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Key:surface

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