Am Dienstag, den 13.11.2018, 00:31 +0100 schrieb Friedrich Volkmann: > Du hast mal geschrieben, dass du Historiker bist. Bei den Gedanken, > die du dir da machst, musst du genauso auch die historischen > Hintergründe berücksichtigen.
Ich hab mich eine Zeit lang mit der Geschichte der Free Software Commmunity auseinandergesetzt – und da spielten Newsgroups und spielen Mailinglisten ja eine nicht unwesentliche Rolle als nach wie vor primäre Kommunikationskanäle. > Mailinglisten haben nur einen großen Vorteil: Sie lassen sich mit > vergleichsweise geringem Aufwand einrichten. > > Das wird auch der Grund gewesen sein, warum man sich in den > Anfangszeiten von OSM für Mailinglisten entschieden hat. Heute sind > die Mailinglisten ein gewisser Anachronismus, wie auch der Zuspruch > zu den später geschaffenen OSM-Webforen zeigt. Aber die Mailinglisten > sind halt aus Tradition bis heute erhalten geblieben. OSM wurde 2004 begründet, zu der Zeit gab es schon Foren-Software und sie war auch weit verbreitet. Das jetzige OSM-Forum ist ja im Grunde die Weiterführung eines kurz nach Projektgründung entstandenen informellen Forums, wenn ich mich nicht irre. Die Zweigleisigkeit (Mailinglisten und Forum) ist also nichts Neues. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil derer, die sich am Anfang an OSM beteiligt haben, aus dem Informatiker-Eck bzw. dem Umfeld der Freien Software waren (das Verhältnis wird sich in der Zwischenzeit ein bisschen verändert haben); und Mailinglisten gehören ganz einfach zur Kultur dieses Sozitops. Während weniger Technikaffine Mailinglisten in aller Regel nicht nutzen, gehören sie in diesem Umfeld eben auch heute noch zum Alltag. Auch für mich ist es normal, meinen E-Mail-Client zu öffnen und auf einen Blick zu sehen, was sich auf 17 Mailinglisten tut, einfach weil es (meinem Empfinden nach) so am angenehmsten möglich ist, mehrere Projekte zu verfolgen. Dass für OSM zu Beginn gleich einmal Mailinglisten eingerichtet wurden ist also schlicht selbstverständlich – nicht einfach deswegen, weil sie schnell eingerichtet sind. Sondern weil es kein größeres Freie-Software-Projekt ohne Mailingliste(n) gibt (bitte korrigiert mich, wenn euch wirklich eines einfällt). Das ist nach wie vor die selbstverständliche Art der projektinternen Kommunikation. Meines Erachtens wird das aber vor allem dann zum Problem, wenn viele an einem Projekt mitarbeiten, die Mailinglisten nicht gewohnt sind. Sie beteiligen sich dann nämlich am Projekt, aber in weit geringerem Ausmaß an Diskussionen darüber – entscheiden also tendenziell nur über in ihre konkrete Arbeit mit. Alle höhere Entscheidungsmacht bleibt in den Händen jener, die das "richtige" Nutzungsverhalten mitbringen. Eben deswegen hab ich in den letzten Jahren stark in Richtung des Archivers von GNU Mailman 3 (HyperKitty) einerseits und die Foren- Software Discourse andererseits geschielt. Beide versuchen (man kann von mir aus durchaus meinen: mehr schlecht als recht) – von unterschiedlichen Seiten – den Ansprüchen sowohl von Mailinglisten- als auch von Foren-Nutzern gerecht zu werden… oder sagen wir: zumindest jeweils einen Babystep in Richtung "der anderen" zu machen. Mir persönlich sind Mailinglisten am liebsten, trotzdem wäre ich im Falle von OSM aus dem oben genannten Grund für ein Discourse-Forum. > Die Mailingliste wirklich sein lassen: Im Prinzip eine gute Idee, > aber derzeit fehlt halt ein geeigneter Ersatz (Newsgroup oder > kompetent moderiertes Webforum). Ich glaube nicht dass ein vernünftiges Forum am Mangel an Leuten, die bereit wären die Moderation zu übernehmen, scheitert. Es scheitert primär daran, dass Mailinglisten für viele hier das normalste Mittel der projektinternen Kommunikation sind und sie nur schwer einsehen, warum sie etwas anders machen sollten. Wie gesagt, der Grund warum ich dafür wäre ist die Beteiligung vieler, die Mailinglisten nicht gewohnt sind. Ein anderer guter Grund wäre schlicht der, der Spaltung der Community endlich ein Ende zu setzen. -- E-Mails signieren & verschlüsseln · https://emailselfdefense.fsf.org/de/
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