On 07.08.2013 20:03, rainerU wrote:

Es geht weniger darum, ob es sich um eine nützliche Information handelt oder ob
Cola im Supermarkt und Schnitzel im Restaurant mit deutscher Küche als Default
gilt, sondern darum, ob dies eine Information ist, die in einer geografische
Datenbank ihren Platz hat.

"Auf XX°yy.zzzz...m/AA°bb.cccc... wird Cola/Schnitzel/Kaffee mit Sojamilch/sonstwas verkauft" ist sicher eine Geoinformation. Wie immer sie abgelegt wird, das Ergebnis ist (wenn man solche Informationen in größeren Mengen ablegt) eine Geodatenbank - die natürlich mehr oder weniger gut eingerichtet sein kann. Die Frage ist also eher, ob OSM die richtige Geodatenbank für entsprechende Informationen ist.

Die Frage sollte man m. E. in drei Teilfragen aufteilen: Erstens: Bietet OSM die Möglichkeit - unmittelbar oder mit leicht einzurichtenden Änderungen -, entsprechende Informationen leicht einzugeben und abzufragen? Zweitens: Führt die Nutzung von OSM für solche Zwecke zu ernstlichen Problemen mit anderen etablierten und/oder von der Zielsetzung von OSM her wichtigeren Benutzungen? Drittens: Finden sich Leute, die die entsprechenden Informationen zumindest in manchen Gegenden so umfangreich eingeben, dass sich damit was anfangen lässt

Zur ersten Frage lässt sich sagen, dass OSM vielfältige Möglichkeiten zur Eingabe von Geodaten bietet, so dass auch die Eingabe von Informationen zum Warenangebot an einer bestimmten Stelle meist unproblematisch sein dürfte. Einschränkungen gibt es natürlich: Wo es dreidimensional wird, man also angeben will, wo in einem zwanzigstöckigen Gebäude man nun seine Sojamilch bekommt, wird es eher schwierig. Die Daten stammen außerdem aus ganz verschiedenen Quellen, so dass man nicht immer sicher sagen kann, an welchem genauen Punkt eine Information einzutragen ist. Vermutlich kein Problem für Privatpersonen, die was eintragen wollen, der Geschäftsführer einer Kette von Schnitzellokalen oder Sojamilchcafés mag da aber auf Probleme stoßen.

Zweitens: Solange nur einige wenige Produkte getagt werden, wird das nicht zu Problemen mit anderen Arbeiten führen. Wenn aber die ersten Gasthäuser oder Läden mit vollem Sortiment erscheinen, werden die entsprechenden Punkte für andere Benutzer schwer lesbar und entsprechend schlecht zu editieren. Auch der Aufwand zum Herunterladen entsprechender Punkte dürfte irgendwann merklich steigen, obwohl die meisten Informationen für die meisten Benutzer gar nicht interessant sind. Und auch wenig damit zu tun haben, was man gemeinhin mit einer "Landkarte" (diese Vorstellung halte ich allerdings für entscheidend, wenn es darum geht, den notfalls vorzuziehenden Kern des Projekts OSM zu definieren) verbindet. Solang nur Leute eintragen, was ihnen persönlich interessant erscheint, dürfte das kein Problem sein. Wenn eine Supermarktkette auf die Idee kommt, ihren jeweiligen Warenbestand über OSM zu veröffentlichen (oder das ein Fan entsprechender Produkte fleißig genug tut), könnte es eins werden. Im Konfliktfall bin ich für die klassische Kartographie - der kleinste Bach, der Umriss der mickrigsten Hütte ist unendlich wichtiger als jede Produktinformation. Auch sollte die Menge an Tags so überschaubar bleiben, dass man sie in den üblichen Editoren (JOSM, Potlatch, Merkaartor und irgendwann vielleicht auch dieses neumodische iD-Zeugs) noch vernünftig bearbeiten kann.

Den dritten Punkt müssen sich wohl vor allem diejenigen überlegen, die
die entsprechenden Daten eingeben wollen. Wenn die Freunde des gepflegten Jägerschnitzels nicht so zahlreich und OSM-affin sind, dass sie in einer bestimmten Gegend wenigstens die meisten Lokale eintragen können, die ein solches anbieten, dann wird ein entsprechendes Projekt wahrscheinlich auch nicht sehr interessante Ergebnisse bringen. Stören tut die entsprechende unvollständige Sammlung freilich auch eher nicht. Von daher kann man so was durchaus eintragen, man sollte aber nicht erwarten, den Kreis der Jägerschnitzelfreunde dadurch groß auszuweiten.

 Ich halte die Unterbringung in einer externen
Datenbank im Interesse der Zielgruppen solcher Informationen für sinnvoller. Ich
finde es z.B. effizienter, in einer externen DB die Information "In allen
Aldi-Süd-Märkten gibt es Bio-Soja-Milch Natur/Schoko/Vanille im 1l-Tetrapak"
abzuspeichern als an jedem Aldi-Süd-Markt in OSM ein Sojamilch-tag anzuhängen.

Das könnte man freilich auch dadurch lösen, dass man eine "Aldi-Süd"-Relation anlegt und die entsprechenden Produktinformationen an die Relation hängt. Gehen tut das, stören würde es so (anders als bei Massen von Tags an jedem Laden) wohl nicht, und ob es für die Umsetzung reicht, können sich ja die Interessierten überlegen.

Es stört mich aber auch nicht weiter, wenn es in OSM getaggt wird.

Richtig, im Moment stören solche Sachen überhaupt nicht. Blöd könnte es nur werden, wenn irgendwelche größeren Unternehmen oder deren treue Fans anfangen, OSM als Produktdatenbank zu benutzen.

Gruß,
Mark


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