Markus <[email protected]> wrote:
> 
> "Most of OSM, including the main tiling system,
> uses a spherical Mercator projection. "

Ja, erfunden von Google. Besondere Merkmale:
- einfach zu rechnen
- geringe Formverzerrungen, sieht "bekannt" aus
- riesige Größenverzerrungen (z. B. Grönland/Afrika)
- die Welt wird zum Quadrat


> Warum machen wir das so?

Weil sie einfach ist, weit verbreitet und somit kompatibel ist und die 
Nachteile nicht zu groß sind. Insbesondere sind die Größenverzerrungen der 
Mercator-Abbildung in mittleren und größeren Maßstäben speziell für unsere 
Slippy Map kein Problem.


> Welche Alternativen gibt es?

Die interessante Frage wäre, welche /sinnvollen/ Alternativen es gibt und wie 
sich das umsetzen ließe. Kartennetzentwürfe sind Versuche, die unregelmäßig 
runde Erdkugel in einer flachen Ebene abzubilden. Dabei muss zwangsläufig 
irgendwas verzerrt werden. Der Mercator-Entwurf hat im Randbereich z. B. 
wortwörtlich unendlich große Flächenverzerrungen, weshalb er niemals den 
kompletten Planeten abbilden kann. Je nach Kartenzweck sind mal die einen, mal 
die anderen Verzerrungen akzeptabel oder sogar erwünscht.

<http://www.boehmwanderkarten.de/kartographie/netze/world_bonne_45.jpg> zeigt 
beispielsweise den Bonneschen Herz-Entwurf. Trotz der dubiosen Form wird der 
Planet komplett abgebildet (sogar flächentreu). Die großen Formverzerrungen 
machen dieses Netz aber in der Praxis untauglich. Für eine Slippy Map könnte es 
bedeuten, dass z. B. in San Francisco die Golden Gate Bridge rechts der 
Innenstadt gezeichnet würde – verwirrend für jeden, der Ortskunde hat.

Ähnliche Probleme ergeben sich bei den meisten interessanten Entwürfen. 
Benötigt würde für die Slippy Map also evtl. eine Lösung, für kleine Maßstäbe 
ein anderes Kartennetz zu wählen als für große Maßstäbe, und auf irgendeinem 
Zoom-Level umzuschalten. An der Hochschule Karlsruhe hörte ich diesen Sommer 
Ideen dazu, aber ich weiß nicht, ob sich daraus irgendwas ergeben hat.

Andererseits ist es heutzutage dank leistungsstarker Desktop-Rechner vielleicht 
möglich, das Rendern vom Server auf den Browser zu verlagern, wie der schon 
genannte Mapzen-Post es macht. Dann könnte der Browser natürlich jeden 
beliebigen Netzentwurf rechnen und z. B. in San Francisco die gesamte Karte 
einfach so drehen, dass Norden oben ist (wie es der Mapzen-Post auch 
demonstriert). Ob all das dann aber mit jedem Client einschließlich Smartphones 
performant funktioniert, ist fraglich.

<http://www.boehmwanderkarten.de/kartographie/is_netze.html> hat eine Liste 
zahlreicher Kartennetze mit bunten Bildern und ein paar Anmerkungen zur 
Tauglichkeit für bestimmte Kartenzwecke.


> Welche OSM-Karten nutzen welche Alternative?
> Warum?
> 
> Wie machen das Google? Wikipedia? andere grosse Anbieter?
> Was sind die jeweiligen Vorteile?

In Slippy Maps kenne ich nur Google-Mercator, von vereinzelten Experimenten 
abgesehen.


> Spezialfrage:
> Was bedeutet "equidistant cylindrical projection"?

sog. Plattkarte, siehe 
<http://www.boehmwanderkarten.de/kartographie/is_netze_cyl.html#cylinder_abstandstreu>
"WGS Geographic" in JOSM


> wann wie warum macht das Sinn?

Eigentlich nie, wegen der starken Verzerrungen und weil eben heutzutage bessere 
Abbildungen auch nicht teuer zu rechnen sind.


-- 
Arne Johannessen


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