Hallo Martin,

ein paar grundsätzliche Kommentare.

Wie im Forum auch schon erwähnt, glaube ich, dass du den Aufwand unterschätzt, 
um systematisch Ampeln zu erfassen. Das Problem in OSM ist nicht, dass wir zu 
wenige Daten haben, sondern, dass wir viel zu viele Daten haben, die falsch 
sind (und wir damit zu einer riesigen Datenmüllhalde werden). Auf der anderen 
Seite gibt es für Ampelschaltungen natürlich durchaus sinnvolle Anwendungsfälle 
in der Navigation.
Das Ziel sollte daher in erster Linie *nicht* die manuelle Erfassung von 
Ampelumläufen sein, sondern die Verwendung von externen Datenquellen, wie z.B. 
den Export aus einer Steuerungssoftware. Das führt dann dazu, dass in OSM 
weniger die eigentlichen Umläufe erfasst werden sollten, sondern vielmehr die 
entsprechenden Identifier aus den externen Quellen, um eine sinnvolle 
Verknüpfung der Daten zu ermöglichen.

Abgesehen davon weiß ich nicht, ob die Informationen, die du erfassen willst, 
bereits ausreichen, um wirklich sinnvolle Anwendungen zu ermöglichen. Ich 
möchte das an einem Beispiel demonstrieren:

Du möchtest folgende Informationen erfassen: auf einer Straße (mit 
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h) befinden sich im Abstand von 300m Ampel A1 und 
A2. Die Ampeln besitzen beide eine Umlaufzeit von 60 Sekunden und sind 20 
Sekunden davon grün. A2 schaltet 18 Sekunden nach A1 auf grün.
⟹ Wenn wir die erste Ampel bei grün passieren, wissen wir, dass wir für eine 
grüne Welle konstant 60 km/h (alternativ knapp 14 km/h) fahren müssen. Mehr 
wissen wir nicht.

Tatsächlich schaltet die Ampel A1 aber um exakt 12:00:00 auf grün. Mit unserem 
Auto fahren wir um 12:00:03 an der Ampel A1 vorbei.
⟹ Wir wissen nun, dass wir für eine grüne Welle zwischen A1 und A2 eine 
Geschwindigkeit zwischen 31 km/h und 72 km/h (realistisch zwischen 31 km/h und 
60 km/h wegen gegebener Höchstgeschwindigkeit) fahren können.
Wir wissen aber z.B. auch, mit welcher Geschwindigkeit wir auf A1 oder A2 
zufahren müssen, ohne überhaupt vorher eine Ampel passiert zu haben.

Die absoluten Schaltzeiten bieten also einen wesentlich höheren 
Informationswert als die relativen Schaltzeiten.
Voraussetzung dafür ist, dass a) wir im Auto die exakte Zeit kennen und b) die 
Ampeln exakt schalten.
a) ist trivialerweise erfüllt, weil wir für die Navigation sowieso einen 
GPS-Empfänger benötigen, dessen Genauigkeit im µs-Bereich liegt
b) ist bei vielen Ampeln ebenfalls erfüllt, weil Ampelanlagen z.B. über DCF77 
synchronisiert werden

Eckhart

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