Hallo Herr Zimmermann,

klären wir erst mal die Begriffe "benanntes und unbenanntes Format"

Ein Absatzformat mit dem Namen "Haupttext" ist für mich ein benanntes
Format: Da gibt es eine Menge Eigenschaften, die zusammengefasst durch
diesen Namen vertreten werden und einem Absatz eine ganz konkrete,
eindeutige Formatierung geben.
Für mich sind Formate dann regulär, wenn ich einem Absatz ein Format
(z.B. Haupttext) zuweise und dann an den Formateinstellungen für diesen
einen speziellen Absatz abweichend nicht noch etwas verändere.

Ich kann mich auch daran machen und jeden Absatz einzeln gestalten und
dem die gewünschten Eigenschaften mit "zuweisen" zuordnen, so dass im
gesamten Dokument alle Absätze mit dem Format "Haupttext" laufen, jedoch
jeder anders aussieht. Das passiert mit Format-Änderungslisten. Wenn
nicht zwischendurch auch ganz konkrete Formatnamen zugewiesen werden,
sollten in einem XML-Dokument in FrameMaker, dass über ein EDD mit
Formatänderungslisten formatiert wird, alle Absätze mit einem ganz
bestimmten Absatzformat (z.B. Haupttext oder body oder Standard oder was
weiß ich) verbunden sein, jedoch zusätzlich abweichend davon bestimmte
Formateigenschaften wie die Schriftfarbe oder Größe oder der linke
Einzig anders gestaltet worden sein.

Ich ganz persönlich bevorzuge EDDs, in denen ganz konkrete Formatnamen
für verschiedenen Element-Kontext zugewiesen werden. Das macht deutlich
mehr Arbeit beim Gestalten des EDD, weil jeder nur denkbare Kontext
logisch abgebildet werden muss und es nicht iterativ angegeben werden
kann. Und es erfordert weiter, dass später in der Dokumentvorlage alle
diese Formate ganz konkret eingerichtet werden müssen, um die
Formatierung zu realisieren.
Das hat den Vorteil, dass ich mit der Veränderung der
Formateigenschaften in der Vorlage bereits ein komplett anders
aussehendes Dokument erhalte und dass die Nutzer sich nicht in das EDD
reindenken müssen, sondern das tun, was sie eh können - nämlich Vorlagen
bearbeiten und Formate verändern/anpassen.

Beim Einsatz von Formatänderungslisten wird die konkrete Formatierung
schon im EDD festgelegt und es können einige logische Angaben verwendet
werden, die die Gestaltung deutlich einfacher machen. Als Nachteil
empfinde ich hier, dass die Nutzer sich in die EDD-Logik einfinden
müssen, um mal eine Schriftart oder eine Zeichengröße zu verändern. Und
auch wenn es gut möglich ist, zu den Formatänderungslisten dann auch
konkret Kontext mit benannten Formaten zuzuordnen, kann es passieren,
dass sich das dann beißt (wenn man dran rumbastelt) und nicht mehr die
gewünschte Formatierung herauskommt. 

Aus Ihrer Beschreibung erkenne ich, dass Sie das tun - also einerseits
Formateigentschaften aus Formatänderungslisten modifizieren und
andererseits mit benannten Formaten arbeiten wollen. Mir ist nicht klar,
warum Sie das tun wollen.
Wenn Sie das tun, ist mir allerdings klar, dass Sie das Bedürfnis haben,
Formate zu reduzieren auf das Maß der verwendeten.

Wenn Sie ohne XML arbeiten würden, würden Sie vermutlich mit Vorlagen
arbeiten und dem Inhalt die vorhandenen Formate zuweisen und alles wäre
gut. Wenn Sie mit XML arbeiten und da werden Formatänderungslisten
genutzt, dann kann das Dokument nicht mehr unter dem gleichen
Blickwinkel betrachtet werden, weil nicht mehr die Vorlage zu 100% die
Entscheidung über die Gestaltung hat, sondern die Anweisungen im  EDD in
den Formatänderunglisten die Aufgabe übernehmen.

Und eigentlich haben Dokumente, die mit XML gestaltet werden den
Vorteil, dass Sie sich (außer in der Implementierungsphase) überhaupt
garnicht mehr um Formate kümmern müssen, weil die von allein zugewiesen
werden, Sie also den Fokus nur noch auf die inhaltliche Gestaltung und
auf die Strukturerstellung legen müssen.

Im Hinblick auf die Verwendung für verschiedene Sprachen, sind EDD mit
Formatänderungslisten - wenn es keine speziellen Sprachattribute gibt,
die den Kontext exakt regeln - aus meiner persönlichen Sicht eher
anstrengender zu verwalten, da dann für jede Sprache ein EDD, anstelle
einer sprachzugeordneten Dokument-Vorlage anfällt.

Ergibt mein Geschreibe Sinn für Sie?

Herzliche Grüße aus Berlin
Ute Mitschke

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