Am Freitag, 1. September 2006 00:26 schrieb Manfred Kuberczyk:
> Michael Bischof schrieb:
> > Nein, nein! Du rufst kcharset auf, klickst die 4-5 wichtigen
> > Sonderzeichen an und mit dem copy-and-paste-System von Linux
>
> Wenn ueberhaupt, dann das von deinem Windowmanager. "Linux" kennt kein
> Copy und Paste.

Doch! In der Konsole: markieren (=ist in der Zwischenablage), dritte Maustaste 
(bei mir das Scrollrad) drücken=einfügen
 
> > (das erheblich besser als das von
> > Windows ist)
 
> Den Unterschied erklaer mir mal bitte!

Siehe oben: bei Windows brauchst Du für jeden einzelnen dieser Vorgänge 2 
Klicks mehr - wenn Du mit einem Text arbeitest ist das tatsächlich erheblich 
erheblich umständlicher. 

> > überträgst Du bei Bedarf diese Sonderzeichen in Deinen Text.
> > Unter Windows geht das auch, klar - mit charmap.exe. Nur umständlicher.
Für jeden einzelnen Buchstaben brauchst Du mehr Klicks - probiere es einfach 
mal! 

> > Dann aber speicherst Du Deine Textdatei unter utf-8 oder, bei Türkisch,
> > unter iso-8859-9. Geht mit kwrite ganz leicht - letzteres würde bei
> > Windows vermutlich (?) auch gehen, wenn man bei Sprachoptionen extra (!)
> > auch Türkisch installiert hätte. Auf einem normalen Windows XP geht es
> > nicht! D.h. hier wäre der Anfänger am Ende.
>
> Man kann auf einem Windowssystem selbstverstaendlich das Tastaturlayout
> auf tuerkisch umstellen. Fuer das ganze System auf tuerkisch braeuchte
> man ein tuerkisches Windows(wasauchimmer)
 
Natürlich. Das aber ist hier gar nicht gemeint: ein User Ayşe Çalişkan soll 
auf einer deutsch eingestellten Maschine seinen Namen in einer Textdatei 
richtig schreiben. 

> > Und Du mußt sie auch so öffnen! Geht mit Beiden, wenn es utf-8 ist. Mit
> > iso-8859-9 geht es bei mir und in der Schule mit Windows nicht.
 
> Dann stimmt etwas mit den Einstellungen nicht.
 
Probiere es bitte einmal aus: öffne kwrite! Dann wirst Du gefragt, welchen 
charset Du benutzen willst. Die ganze Latte ist dabei. Bei Windows (bei  mir 
und in der Schule) kriege ich als Angebot (nur unter XP! Mehr als ein Drittel 
meiner SchülerInnen haben aber noch win98) utf-8, nicht iso-8859-9.

> > Bis auf wenige Nerds kann das bei uns kein Schüler. Und IT-Lehrer sagen
> > und bestehen auch darauf, dass so etwas nicht gelehrt würde: der Vorteil
> > von Windows sei doch gerade, dass es "auch so" geht, ohne dass sich der
> > Anwender groß Gedanken darüber machen muß, was er macht. Deshalb sieht
> > man auch die Dateinamensendungen nicht - es sei besser so! Das mache
> > Windows hatl automatisch.
 
> Da besteht bestimmt Klaerungsbedarf.
 
Ein klärendes Gespräch habe ich gestern geführt. Würde man die 
Dateinamensendungen unter Windows sehen können wäre es möglich, dass ein User 
z.B. die Datei "hans.jpg" in "hans.txt" umwandelt und damit praktisch kaputt 
macht. Sieht man sie nicht ginge das nicht: man könne "hans" (das ".jpg" 
sieht man ja nicht!) zwar in "fritz" umwandeln, aber es bliebe eine 
jpg-Datei. Das sei also ein Schutz für den User! - Ich hatte mal in der 
Schule, ohne zähneknirschend jedes Mal erneut die Einstellungen umgestellt zu 
haben, an einem html-Quelltext gearbeitet. Das Ergebnis: diesen konnte man 
danach nur noch unter Windows richtig betrachten (mit eingebauten Bildern 
etc.): weil der Verweis auf <img src="hans"> lautete, nicht auf <img 
src="hans.jpg">. 
 
> > Für mich und das Umfeld, in dem ich arbeite (das sind eben nicht Leute
> > mit den Fähigkeiten von Markus, Klaus und Dir), ist die Schlußfolgerung
> > unausweichlich.
 
> Welche?

Dass sich am gegebenen Beispiel zeigen läßt, dass Windows ein für Anfänger 
gerade nicht geeeignetes, im Vergleich viel schwierigeres und 
fehlerträchtiger zu bedienendes Betriebssystem ist. 
Wenn man akzeptiert, dass man dem User zumuten darf, den Unterschied zwischen 
"Speichern" und "Speichern unter..." zu lernen, Dateitypen kennenzulernen und 
zu verstehen und Dateinamensendungen zu sehen ist Linux gerade für den 
Anfänger die einfachere Wahl - vorausgesetzt, man hält es für wichtig, dass 
der User seinen Namen richtig schreiben kann.
 
> > Wenn wir weitergehen zu einer immer noch einfachen Aufgabe (einen
> > formatierten Text mit eingebauten Bildern herstellen, der auf der
> > Maschine des Adressaten genauso aussehen muß und keine proprietären,
> > nichtöffentlichen Dateiformate enthalten darf) übergehen ist Windows
> > ohnehin aus dem Rennen.
 
> Es gibt PDF und LaTex. (und vermtl. noch anderes)
 
Entschuldige bitte:
1. wir reden hier über Anfänger. PDF scheidet aus, weil man diese Datei nicht 
ohne Klimmzüge nicht weiter bearbeiten kann. Ich kann sie also nicht 
kommentieren, korrigieren.
2. LaTeX ist toll, aber wirklich nicht für Anfänger. - Aber nur, weil in 
unserem Umfeld der Gebrauch des PC als Werkzeug nicht gelehrt wird. Html - 
und damit eigentlich auch LaTeX - könnten auch 5Klässler lernen. Manche 
können das wirklich, was sie aber nicht in der Schule lernen, und wofür ich 
ihnen dann geeignetes Werkzeug gebe, das unter Windows läuft, aber eben nciht 
von Windows ist: Notepad2, "html-edit" usw.usf.

> > Es gibt so
> > zahlreiche "Zusatzverbote", die man hierbei beachten muß, um diese
> > Aufgabe zu lösen, dass die Frage nur lauten kann: wie kann man ein
> > System, das es dem Anfänger so schwer macht, diesen zumuten?
>
> Um zu Deinem Beispiel aus einem anderen Posting, von Dir, zu kommen: Ich
> habe erst angefangen mir dicke Buecher unter den Arm zu klemmen,
> *nachdem* ich mich mit Linux beschaeftigt habe. So intuitiv, genial und
> einfach finde _ich_ Linux nicht.

Ich auch! ;-)
Aber das waren eben nicht normale Probleme eines Users, der etwas, wie hier 
beschrieben, nur machen wollte, sondern schon weitergehende Dinge. Was bei 
meinem Linuxstart fehlte waren:
- die Zwischenablage unter Linux (s.o.-habe ich zufällig von Ridvan ergattert)
- die Bedeutung von Pfadnamen (habe ich von Sascha Wolf gelernt - übrigens:
weiß Jemand wo der steckt? Ist er nach Irland gegangen?)
- wie man Programme aufruft (von Denny Schierz; wie man als root etwa 
Konqueror aufruft, indem man "konqueror" in eine root-Konsole tippt, habe ich 
zufällig "entdeckt", als ich Dir über die Schulter schaute).

" intuitiv, genial und einfach"? Ich drücke es einmal so aus: der größe GAU 
für den Benutzer ist doch, wenn das Betriebssystem sich nicht mehr hochfahren 
läßt und Du gar nicht anfangen kannst etwas zu machen/reparieren. Das ist mir 
mit Windows oft passiert. Man mußte die Kiste einpacken und in demütiger 
Haltung zu Freunden pilgern. 
Dass gar nichts mehr geht und ich nicht einmal mit einer Live-CD etwas 
reparieren kann habe ich mit Linux einmal erlebt:
ich hatte die Einstellung "boote von floppy" zu ändern vergessen und eine von 
einem Schüler übergebene Diskette mit einem versteckten Virus im 
Diskettenfach, als ich die Maschine startete. Da war dann das Meiste weg, 
aber Sascha Wolf war so nett, das Wesentlich zu retten - unter Linux 
natürlich!

Dass man pro Jahr 1-2x neu installieren muß und dabei alle Daten verliert 
halten viele meiner Schüler für normal. Diese PCs sind eben so...

Daraus schließe ich, dass gerade für einen Anfänger, der die Grundlagen der 
richtigen Bedienung des Werkzeugs PC lernen will, Linux das bei Weitem 
überlegene Betriebssystem ist, weil es von Anfang an auf das Prinzip setzt 
"wissen was man tut". In meinem Umfeld ist diese Botschaft wohl nicht 
durchsetzbar. Da hörte ich gestern: Standard ist, was die Meisten zuhause 
haben.
Deshalb lesen wir an der Schule ja auch nicht mehr Goethe. Schließlich hat die 
Bildzeitung eine viele höhere Auflage. Nur in einem Punkt sind wir noch 
inkonsequent: wir machen oft neue Dinge, welche die Schüler noch nicht 
gelernt haben. Das sollten wir sein lassen und mit dem arbeiten, was sie 
beherrschen.

Gruß,

Michael Bischof 

 
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PUG - Penguin User Group Wiesbaden - http://www.pug.org

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