Liebes Ubuntu-Übersetzerteam,

mein Name ist Sebastian Held, ich bin 23 Jahre alt und Student der
Rechtswissenschaft.

Warum möchte im deutschen Ubuntu-Übersetzerteam mitarbeiten?

Gerade lud ich mir ein Programm aus dem Internet für Ubuntu herunter.
Leider erwies sich die deutsche Übersetzung dieses Programms als sehr
lückenhaft. Im Menü unter Hilfe fand ich die Schaltfläche "Translate
This Application", ich klickte darauf und so stieß ich auf Euer
Übersetzerteam. Da mich die Übersetzung von Programmen schon immer
reizte, las ich mir Eure Texte zur Übersetzung von Ubuntu-Programmen
durch. Ich beschloss, mich über diesen E-Mail-Verteiler bei Euch
vorzustellen, um Euch bei Eurer Arbeit zu unterstützen. Erfahren bin ich
in diesem Bereich ehrlicherweise bisher nicht.

Ich verspüre schon länger das Bedürfnis, der Ubuntu-Gemeinschaft etwas
zurückzugeben. Das Übersetzen ist für mich der optimale Weg. Ich weiß
aus persönlicher Erfahrung, wie frustrierend unzureichend dokumentierte
oder fehlerhaft übersetzte Programme sind. Ich möchte mich hier positiv
einbringen, zumal ich selbst ein großer Freund umfassend und gut
dokumentierter Programme bin.

Bei all diesem behalte ich stets vor Augen, dass die Maschine dem
Menschen dient, keinesfalls umgekehrt. Rechner sind meines Erachtens
kein Selbstzweck. Ebenso wie ein Paar Schuhe sind diese
Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. Der Mensch, der vor dem
Bildschirm sitzt, erwartet also sehr zurecht den mühelosen Umgang damit.
Ein wichtiges Element ist es hier, mit dem Benutzer in seiner
Muttersprache zu interagieren.

Jeder Mensch zeichnet sich durch andere Fähigkeiten, Stärken und
Schwächen aus. Ich finde es daher völlig legitim, falls sich einige
(meinetwegen viele) Menschen nicht oder kaum für die Untiefen der
technischen Details eines Rechners interessieren, sondern schlichtweg
erwarten, dass dieser nach ihren Vorstellungen seine Arbeit verrichtet.
Tut er dies dauerhaft nicht, disqualifiziert er sich sogleich und
fristet ein wertloses Dasein dahin, was bei manchen Menschen zu Gefühlen
der Wut und des Frusts führt.

Ich möchte im Folgenden auf das Anforderungsprofil eingehen:

1. Linux- und Ubuntu-Kenntnisse

Ich verwende Linux seit ungefähr fünf Jahren. Ich begann seinerzeit mit
einem OpenSuSE. Mit Version 9.10 wechselte ich zu Ubuntu, weil OpenSuSE
einige Unzulänglichkeiten aufweist, die mir nicht gefallen. Mit den
Linux-Grundlagen bin ich soweit vertraut, dass ich für manche
Arbeitsabläufe die Textkonsole vorziehe. Mit grafischen Anwendungen
komme ich gut zurecht. Sobald mir die Lösung eines Problems nicht
umgehend gelingt, konsultiere ich zunächst die Dokumentation und später
entsprechende Foren. Ich arbeite mich dabei ständig in Neues ein, weil
die Beschreibungen der Programme häufig Themen anschneiden, mit denen
ich mich bisher nicht befasste, ich gleichwohl verstehen möchte, worum
es sich handelt. Auf diese Weise lerne ich ständig dazu. Die Details des
Linux-Kernels und von Standard-Programmiersprachen sind mir weniger
vertraut, mit Webanwendungen und PHP kann ich hingegen besser umgehen.
Ich finde Themen, die mit Rechnern zu tun haben, immer sehr spannend und
verbringe infolgedessen viel Zeit damit.

2. Sprachliche Anforderungen

Ich möchte die einzelnen Punkte der sprachlichen Anforderungen nicht
pedantisch abhaken, sondern wie folgt darauf eingehen.

Deutsch ist meine Muttersprache und ich beherrsche Rechtschreibung,
Grammatik und Zeichensetzung überaus sicher. Mein persönlicher Anspruch
an gehobene (Schrift-)Sprache ist streng: Prinzipiell muss sie kurz,
präzise, flüssig und logisch strukturiert sein. Die konkreten
Anforderungen unterscheiden sich freilich von Text zu Text und meine
Prinzipien sind deshalb keinesfalls irgendein Dogma. Sprache muss
flexibel und dem Publikum (also hier den Lesern) zugänglich sein. Die
verklausulierte und unlogisch gegliederte Dokumentation eines Programms
ist ebenso wertlos wie die berühmt-berüchtigten Übersetzungen aus dem
Chinesischen von Gebrauchsanleitungen zu Fernsehern. Da es sich bei
Dokumentationen zu Programmen um technische Anleitungen handelt, müssen
diese umso mehr für den Leser eingängig sein. Es wäre vermessen,
anzunehmen, dieser kenne sich besonders gut mit Rechnern im Allgemeinen
und dem konkreten Programm im Speziellen aus.

Sprache braucht wie ein guter Wein Zeit, um zu reifen. Goethe schrieb an
"Faust II" etwa 30 Jahre. Heraus kam dabei ein Meisterwerk, ein Juwel
der deutschen Sprache. Ich möchte an dieser Stelle nicht
als überheblich missverstanden werden. Zwischen einer technischen
Dokumentation und einem Kunstwerk wie Goethes "Faust" besteht
selbstverständlich ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Nach alledem ist Sprache nicht zuletzt eine Form des künstlerischen
Ausdrucks. Mit anderen Worten: Sobald ein Text mit dem Kugelschreiber
geschrieben wurde, mag dieser inhaltlich richtig, logisch und schlüssig
sein. Bietet sich mir die Gelegenheit, ergreife ich diese und ziehe
stets die feinen Schriftzüge des Füllfederhalters vor. Ich bringe
deshalb viel Mühe auf und nehme mir viel Zeit, meinen sprachlichen
Ausdruck für die Ohren meines Publikums wohlklingend zu formen.

Ich vermute, die meisten Texte werden vom Englischen ins Deutsche
übersetzt. Ich betrachte Englisch als meine zweite Muttersprache
und verstehe daher nahezu alles. Weitere Fremdsprachen beherrsche ich
nicht gut genug, um daraus sinnvoll und zeitlich vertretbar übersetzen
zu können.

3. Weitere Anforderungen

Jedes größere Projekt, an dem viele Menschen beteiligt sind,
funktioniert nicht ohne Spielregeln und Verteilung der Aufgaben. Die
Zusammenarbeit mit anderen Menschen ist also zwingende Voraussetzung für
das Gelingen des Projekts. Teamarbeit ist damit unerlässlich.

Als angehender Jurist bin ich es gewohnt, die meisten Aufgaben
selbständig zu erledigen und weiß um die damit verbundene Verantwortung.

Ich hoffe, meine Vorstellung entspricht Euren Anforderungen. Falls Ihr
Fragen an mich habt, schickt mir kurzerhand eine E-Mail und ich werde
diese so schnell wie möglich beantworten.

Wie wird es jetzt für mich weitergehen, falls ich Euch unterstützen darf?

Ich bedanke mich für das Lesen und wünsche Euch noch einen schönen Abend.

Viele Grüße

Sebastian Held

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