Ernst Hügli schrieb:

> Erlaube mir ein paar allgemeine Bemerkungen zu Deinem Anliegen. Du hast 
> zwei Probleme: zum einen will Dein Freund, der Komponist, ein Werkzeug, 
> das ihm erlaubt, seine Werke zu katalogisieren. Zum anderen willst Du DB 
> lernen.
> Tut mir leid, aber als einer, der selber Berufsmittelschüler u.a. auch 
> in DB unterrichtet, muss ich Dir sagen: vergiss es, diese beiden 
> Probleme in einem Aufwaschen lösen zu wollen! Du wirst scheitern. Wenn 
> es so einfach wäre wie Du zu glauben scheinst, dann würden 
> professionelle DB-Entwickler woll kaum ein FH- oder Uni-Studium benötigen.

Kleiner Zwischenbericht, auch um zu unterstreichen, dass ich nie
vermutet habe, dass es leicht werde, DB zu lernen, geschweige denn,
dass es leicht werde, diese konkrete DB für meinen Freund zu
/versuchen/ zu verwirklichen oder ich es mir leicht machen würde,
indem ich die "Komplexität der Wirklichkeit ausblende":

Von Anfang an hatte ich meinen Freund über mehrere Wochen hin neutral
und dezent gefragt, ob das nun wirklich alle Daten seien, die er mit
seinem Werk in Verbindung bringen möchte - wenn er an die Zukunft
denke, an Nachhaltigkeit.

Da nach einiger Zeit nix mehr kam, habe ich mich auf kreative
Suggestivfragen ;) verlegt.

"Bist Du sicher, dass Du nie Werke von Dir überarbeiten wirst und auch
eine solche Variante dann bereitstellen möchtest?"
"Hhmm, doch, ja. Wenn ich älter sein werde, kann das gut sein."

Für mich heißt das, ich muss verstehen, wie man eine Historie perfekt
in einer DB abbildet. 3. Normalform. Herausfordernd.
So wie der meiste andere Grundlagenstoff auch, z.B. die
Integritätsbedingungen.

"Gibt es verschollene  Werke? Falls ja: möchtest Du dokumentieren,
dass es sie gab?"
"Hhmm. Stimmt. Gute Idee."

"Bei einigen Werken ist Dein Wunsch, dass der Musiker improvisiert.
Daher kann es zu diesen Stücken keine genaue Angabe zur Dauer geben.
Wie sind die Angaben zur Dauer überhaupt zu verstehen? Gibt es mehr
als zwei verschiedene Typen dieser Angaben? Oder doch nur die beiden
Angaben 'genau' und 'völlig unbestimmt'? Gibt es eventuell bei den
Improvisationen 'Orientierungswerte'? Anders: was soll alles in die
DB?"
"Darüber muss ich nachdenken."

"Was bedeutet es genau, wenn ein Werk 'verschollen' ist? Kennst Du
dann nur noch den Namen? Gibt es noch Fragmente der Noten? Kennst Du
das Jahr der Fertigstellung?"
"Das ist ganz verschieden."

"Gibt es Werke, wo Du mit der Komposition beginnst, sie dann mehrere
Jahre lang reift und Du sie dann erst vollendest? Falls ja. Findest Du
diese Information wichtig?"
"Zweimal: ja."

"Bisher gibt es zu jedem Werksteil genau eine einziges Audio-Datei.
Wird es nicht in Zukunft möglicherweise mehr als eine Interpretation
eines Werksteiles geben, die Du dann auch in der Datenbank verzeichnen
möchtest?"
"Du hast Recht."

Ich habe meinem Freund gezeigt, wie man Audio-Dateien mit MP3-Tags
versieht. Es stellt sich also die Frage, wie und ob man die Inhalte
der Tags mit der Werksdatenbank verknüpfen kann. 

"Zu manchen Werken hast Du Kommentare verfasst. Manchmal hast Du einen
weiteren Kommentar einige Jahre später verfasst. Betrachtest Du diese
Kommentare als Deinem Werk zugehörig?"
"Ja."

"Du willst Dich mit Deiner künftigen Website an Nutzer richten, die
entweder Englisch oder Deutsch sprechen. Hast Du daher auch vor,
Merkmale wie z.B. zur 'Gattung' in beiden Sprachen aufzuführen?"
"Ja."

"Ich habe Dir erzählt, dass wir Deine Noten auch blinden Musikern
zugänglich machen können. Dazu muss noch einiges geklärt werden. Dir
gefällt die Idee gut. Gehe ich Recht in der Annahme, dass Du in der DB
verzeichnen willst, ob es Versionen Deines Werkes gibt, die für Blinde
geeignet sind?"
"Richtig."

"Du willst Deine Noten auch denjenigen zugänglich machen, die über
geringe oder keine finanzielle Mittel verfügen. Jeder Interessent soll
selbst entscheiden, was er bereit zu geben ist. Dennoch willst Du
einen Orientierungswert angeben. In diesen Wert sollen Aspekte
einfließen wie 'Dauer Deiner Tätigkeit als Komponist', 'Aktuelles
Jahr', 'Inflationsrate', 'Dauer des Werkes', 'Anzahl der Stimmen,
begrenzt auf eine Maximum', ...
Soll der noch zu entwickelnde vollständige Algorithmus ebenfalls in
die DB integriert werden?"
"Das wäre prima."

...

Andreas

PS: Falls zufällig ein Leser etwas zum Thema "Noten für Blinde
zugänglich machen" weiß, freue ich mich über eine private Mail:
[email protected]
Spezielle Randbedingung: Der Komponist setzt das Notensatzprogramm
Sibelius ein. Es kommen nur Verfahren in Frage, wo ein automatisierter
Export in ein passende Format möglich ist.
Der Komponist ist BTW mit dem Satzprogramm Sibelius sehr unzufrieden.
Falls jemand Komponisten oder Musiker kennt, die ein quelloffenes,
mächtiges und reifes Notensatzprogramm empfehlen können: sehr gerne.
Lilypond hat er bereits entdeckt, aber noch nicht ausprobiert.
-- 
OOo 3.1
http://borumat.de/openoffice-writer-tipps


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